Lineartechnik

Kontinuierlich wachsen

Hiwin sich seit der Gründung 1993 als Universalanbieter von Lineartechnologie etabliert. Dass die taiwanesische Firma ein inhabergeführtes Haus ist, das seine Präsenz verstärkt auf europäischem Boden aufbaut, ist nicht vielen bekannt. Das gute Zusammenspiel der asiatischen Mutterfirma und der inzwischen drei deutschen Standorte ist der Innovationsfreudigkeit des Unternehmens zu verdanken und dem Führungsstil der deutschen Ingenieure – in diesem Fall vertreten durch Werner Mäurer, den Geschäftsführer der europäischen Tochter mit Sitz in Offenburg.
Kugelgewindetrieb des Offenburger Unternehmens


Herr Mäurer, woran ist sichtbar, dass Hiwin ein asiatisches Unternehmen ist?

Achten Sie einmal auf die chinesischen Schriftzeichen an der Wand unseres deutschen Firmensitzes. Unsere Standorte in Deutschland und die taiwanesische Mutter haben über die Jahre viele Gemeinsamkeiten entdeckt. Die deutschen Ingenieure waren daran interessiert, eine gemeinsame Sprache mit der taiwanesischen Führung zu finden. Sie wurde auch Grundlage unseres Erfolgs. Wir sind eine inhabergeführte Firma, die wie eine typische Mittelstandsfirma in Familienhand liegt. Deshalb sorgen wir uns gemeinsam um den langfristigen Erfolg unserer Lösungen. Die Eigentümerverhältnisse haben in unserer globalisierten Wirtschaft häufig einen deutlichen Einfluss auf die Zielsetzungen und Vorgehensweisen eines Unternehmens.

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Können Sie ein Beispiel nennen?

Anders als viele Kapitalgesellschaften, die eine Auslandstochter haben und an kurzfristiger Rendite interessiert sind, setzen wir auf Investitionen, die unseren zukünftigen Zielen dienen und langfristig die Entwicklung von Innovationen sichern. Zum Beispiel fließen gerade über 100 Millionen Euro in die Produktionserweiterung unserer Standorte.

Welchen Marktanteil in Europa halten Sie für realistisch?

Für die Zukunft verfügen wir über die erforderlichen Kapazitäten, zehn Prozent des Marktanteils in Europa beliefern zu können. In Taichung, unserem Stammsitz in Taiwan, entsteht gerade das neue 42.000 Quadratmeter große Hauptquartier. Den Standort Offenburg vergrößern wir gerade um 30 Prozent und ergänzen die ebenfalls in Offenburg angesiedelten Unternehmensbereiche Entwicklung und Produktion. Kunden, die hohe Stückzahlen fordern, sind uns also willkommen. Im letzten Jahr stand eine Fabrikeinweihung für die US-amerikanische Hiwin-Tochter auf dem Programm.


Welche Produkte der Lineartechnik decken Ihre Niederlassungen derzeit ab?

Wir bewegen! Das heißt, wir entwickeln Produkte für lineare und rotative Bewegungen. Dazu gehören unsere Kugelgewindetriebe, die Profilschienenführungen, Achsmodule, Torquemotoren, Mehrachssysteme und das Engineering für kundenspezifische Applikationen. Ein Teilbereich der Produktentwicklung, unsere Applikationsabteilung sowie Fertigung und Montage in Offenburg ermöglichen es uns, die vom Markt geforderten Lieferzeiten und das benötigte Know-How bereitzustellen. Da können wir uns getrost Generalisten nennen, die die gesamte Breite des Marktes abdecken.

Gibt es Branchen, in denen Sie besonders stark vertreten sind?

Wir beliefern zahlreiche Abnehmer. Dazu gehören vor allem Werkzeugmaschinenbauer und Metallverarbeiter aller Art; aber auch Hersteller von Präzisionsmessgeräten, von Medizintechnik und speziellen Handlingsystemen in der Halbleiterindustrie zählen zu unseren Kunden. Ebenso haben wir uns auch Anwendungsbereiche erschlossen, für die wir nicht per se als Lieferant in Frage kamen, zum Beispiel die Holzbranche. Um für Kunden aus diesem Sektor ein universeller Lineartechnikanbieter zu sein, mussten wir unser Produktprogramm gründlicher modifizieren. Zum Beispiel haben wir eine optimale Lösung erarbeitet, damit staubige Späne an unseren Profilschienendichtungen nicht zu vorzeitigem Verschleiß führen.


Wo sehen Sie Ihre besonderen Stärken im europäischen Wettbewerb?

Wo früher Mechaniker und Elektriker beim jeweils Anderen den Grund für Fehlfunktionen suchten, haben wir angesetzt, Antriebstechnik aus einer Hand zu liefern. Nicht der Kunde setzt die Einzelteile zu Subsystemen zusammen, sondern die Systeme kommen funktionsgeprüft von uns. Gerade in der Halbleiter- und Automatisierungstechnik wollen sich unsere Kunden auf ihr Endprodukt konzentrieren und sich nicht in Details von Subsystemen verzetteln. „Leben Sie, wir kümmern uns um den Rest“, würden wir in „Konzentrieren Sie sich auf das Gesamtsystem, wir kümmern uns um die Module“ umtexten. Die Basis dafür legt unsere hocheffiziente Fertigung der Komponenten. Und davon profitieren natürlich viele unserer Kunden, die von uns Komponenten wie Rollenumlauf-führungen, Linearmotoren oder Kugelgewindetriebe beziehen.


Welche Vorteile bieten Komplettlösungen aus einer Hand?

Zum unserem Produktportfolio gehört eine breite Auswahl an Linearmotorachsen, die optional auch als standardisierte Mehrachssysteme, als Gantry- beziehungsweise Kreuztischausführungen lieferbar sind. Bei den anschlussfertigen Linearmotorachsen kommen alle wertbestimmenden Einzelkomponenten wie Motor, Magnetbahn, Profilschiene und Messsystem aus unserer Fertigung. Das Grundprofil oder gar das Granitbett ist auf unsere Komponenten perfekt abgestimmt. Der Vorteil dieser Komplettlösung aus einer Hand liegt in der vereinfachten Projektierung, Montage und Inbetriebnahme. Dabei können unsere Vertriebsingenieure, die schon in der Entwicklungsphase dabei sind, die optimale Lösung zu erarbeiten, den Kunden fachmännisch bei der Applikation unterstützen. Gerade für Serienmaschinenbauer ist das häufig ein Entscheidungskriterium, um mit Hiwin als Schlüssellieferanten zusammenzuarbeiten. Das Gespräch führte Rüdiger Eikmeier.

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