Lineartechnik

3 Fragen an … Michael Heid

Baukastensysteme, Leichtbau und Reduzierung von bewegten Massen spielen in der Lineartechnik eine wichtige Rolle. An welchen Innovationen Schaeffler arbeitet und welche Branchen noch erschlossen werden können, verriet uns Michael Heid, Leiter des Geschäftsfelds Industrie-Maschinen.

Michael Heid, Leiter Geschäftsfeld Industrie-Maschinen, Industrie Europa bei Schaeffler Technologies. (Bild: Schaeffler)

Herr Heid, in der Lineartechnik geht der Trend zu Baukas-ten- und fertigen Systemen. Auch das Schaeffler-Produktspektrum reicht von der konfektionierten Welle mit Linearkugellager über Profilschienenführungen bis hin zu Modulen mit Antrieb und Steuerung. Wie begegnen Sie dem System- und Baukastenprinzip in Ihrer Forschungs- und Entwicklungsarbeit?

Wir setzen seit Jahren auf ein modulares Baukastenprinzip bei unseren Produktreihen. Wichtig für uns ist dabei der Aspekt, bereits bei der Entwicklung der Bauteile und Einzelkomponenten die Anbindungsmöglichkeiten und Schnittstellen für weitere Funktionen zu kennen und zu berücksichtigen. Im Detail heißt dies, bereits bei ersten Konstruktionskonzepten die Nicht-Funktionsflächen für standardisierte Anbindungen von weiteren Komponenten vorzusehen oder Hohlräume im Bauraum so auszuprägen, dass weitere Funktionen wie Sensoren zur Zustandsüberwachung modular integriert werden können. Dem Nutzer wird die Möglichkeit geboten, die Funktionen je nach Bedarf in seiner Anwendung standardisiert erweitern oder kombinieren zu können.

Die Auswahl von geeigneten Materialien spielt eine große Rolle. Gewicht und Bauraum sind im Rahmen des Themas Energieeffizienz wichtige Aspekte. Um eine hohe Dynamik zu erreichen, werden oft möglichst leichte Werkstoffe eingesetzt. Können wir in diesem Bereich mit Innovationen rechnen?

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Selbstverständlich können Sie im Bereich des Leichtbaus beziehungsweise bei der Reduzierung von bewegten Massen mit Innovationen aus dem Hause Schaeffler rechnen. Für dieses wichtige und breitgefächerte Gebiet sind verschiedene Kompetenzen erforderlich, die wir weiterentwickeln. Neben einer innovativen Werkstofftechnik spielen die Themen des Downsizings und der topologischen Optimierung der Bauteile eine Rolle.

Im Feld der Werkstofftechnik haben wir durch Verbundlösungen, wie bei unseren Laufrollenführungen, wo wir gehärtete Stahlwellen in Aluminiumtragkörper einbringen, sicher eine Vorreiterrolle. Auch der Thematik des Downsizings begegnen wir mit einer kontinuierlichen Leistungssteigerung. So haben wir zum Beispiel bei unserer sechsreihigen Kugelumlaufeinheit der Baureihe Kuse die Tragzahlen erhöht und können heute eine vierreihige Kugelumlaufeinheit durch eine zwei Baugrößen kleinere Kugelführung mit gleicher Leis-tungsfähigkeit ersetzen.

Sicherlich das innovativste Gebiet ist die topologische Optimierung der Bauformen, wo sich Bauteile und Komponenten mit einer unerreicht hohen Werkstoffausnutzung herstellen lassen. Diese Konstruktionsmethode erfordert umfangreiches technisches Know-how in der Umsetzung bis zum serienreifen Produkt und wird seitens Schaeffler zur Serienentwicklung eingesetzt. Dies wird sich in Zukunft auch maßgeblich auf das Design der Führungen auswirken.

Die Lineartechnik hat über die klassischen Anwendungen im Maschinenbau inzwischen auch neue Bereiche erschlossen wie die Handhabungs- und Automatisierungstechnik. Wo sehen Sie hier noch Potenzial?

Neben der Handhabungs- und Automatisierungstechnik liegt sicherlich Potenzial in den wachsenden Bereichen der Robotik, des Additive Manufacturing und in der Medizintechnik. Um den Anforderungen dieser Bereiche gerecht zu werden, muss das Produktportfolio entsprechend auf die Gegebenheiten dieser Branchen angepasst werden. Ein Erfolgsfaktor sind hier einbaufertige Systemlösungen und angepasste Baugruppenlösungen. Solche Systeme beinhalten Führungen, Lager, Antriebssysteme sowie Sensorik und können direkt in die Anschlusskonstruktion der Anlage als Plug-and-Play-Lösungen inklusive Industrie-4.0-Features integriert werden. An solchen Lösungen arbeiten wir verstärkt.

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