Energiekettensysteme

Gute Führung ist gefragt!

Kunststoff-Energieführungssysteme sind in allen Bereichen der industriellen Fertigung präsent. Aber nicht nur hier. handling-Chefredakteurin Petra Born traf sich mit Prokurist Michael Blaß im Kölner Igus-Werk zum Interview.

Michael Blaß, Prokurist und Leiter Unternehmensbereich E-Kettensysteme bei Igus, stellte für das Gespräch mit handling mehrere Neuheiten vor. (Foto: Igus)

Herr Blaß, Sie haben zur HMI wie gewohnt einen Strauß Neuigkeiten und Weiterentwicklungen vorgestellt – neue Baugrößen, ein Trennstegsystem, vorkonfektionierte Systeme, Zugentlastungsblock – um nur wenige zu nennen. Was sagten die Kunden dazu in Hannover?
Wie immer war die Hannover Messe für Igus eine erfolgreiche Plattform, auf der interessierte Standbesucher die Möglichkeit nutzen konnten, unsere diversen motion plastics in Aktion zu erleben – egal, ob unsere neuen intelligenten Produkte, Neues aus dem Bereich Low-Cost-Robotics oder eben Energieketten in vielfacher Ausführung. Wir konnten viele anregende Gespräche auf der Messe führen und neue Anwendungsmöglichkeiten diskutieren. Erfreulicherweise wächst der Energieketten-Bereich derzeit besonders stark.

Welche Erklärung gibt es hierfür?
In vielen bewegten Anwendungen gehört die Kunststoff-Energiekette von Igus inzwischen zum Standard, gleichzeitig haben wir es geschafft in neue Märkte vorzudringen, die wir bisher nicht bedient hatten.

Zugentlastung von Leitungen in Energieführungen ist auch ein Thema bei Igus. Diese Neuentwicklung nach dem Vorbild der Wabenstruktur dürfte bei Konstrukteuren auf Interesse stoßen. (Foto: P. Born)

Zum Beispiel?
Aktuell sehr gefragt ist der Bereich Shore Power – wenn zum Beispiel große Passagierschiffe für ein paar Tage für Umrüstung und Neubeladung in Häfen liegen, benötigen sie von außen umfassende elektrische Stromversorgung. In vielen Häfen ist es nicht mehr erlaubt, dass Schiffe über diese Liegezeit ihren Strom an Bord über Dieselmotoren selbst produzieren, Stichwort Abgasemissionen. Somit benötigen die Häfen bewegliche Energiezuführungssysteme. Hier kommt dann Igus ins Spiel mit geeigneten Energiekettensystemen und der verfahrbaren Steckdose. Aber auch den Offshore-Bereich bedienen wir, etwa Bohrplattformen. Hier in dieser rauen Umgebung gewinnt der Einsatz von Kunststoffketten zunehmend Vertrauen, was uns natürlich sehr freut. Hier haben wir Ketten mit zum Teil beeindruckenden Dimensionen im Einsatz.

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Wer vertraut Ihnen neuerdings noch?
Auch Theater und Bühnenbauer können wir überzeugen! Konkret ist hier unsere E-Spool für die zuverlässige Energieführung gefragt – für Lichttechnik, Soundanlagen und Kulissen. Die E-Spool, die wie eine E-Ketten-Kabeltrommel ohne Schleifring funktioniert, benötigt wenig Bauraum und arbeitet ausgesprochen leise, was ja im Theater besonders wichtig ist. Derzeit wird das Kölner Opernhaus, das umfassend saniert wird, mit E-Spool-Systemen ausgestattet. Auch in anderen Opern- und Theaterhäusern spielen Igus-Energiekettensysteme inzwischen hinter den Kulissen mit.

Neue Werkstoffe, neues Design, neue konstruktive Details: Igus verbessert bestehende E-Ketten-Serien und arbeitet zugleich an Neuentwicklungen. „Dieser Herausforderung stellen wir uns“, sagt Michael Blaß. (Foto: Igus)

Wie kommen Sie auf neue Ideen – etwa das Trennstegsystem. Braucht man das wirklich?
Aber ja! Zum Teil sind es unsere Kunden, die uns den Hinweis geben, ob man dieses oder jenes Detail an einer Kette nicht noch besser gestalten könne. Auch aus dem eigenen Haus kommen solche Anregungen, etwa aus der Ready-Chain-Abteilung. Mit dem neuen Trennstegsystem, einem kleinen, aber sehr effektiven Spritzgussteil, lässt sich deutlich Konfektionierungszeit einsparen. Das Trennstegsystem ermöglicht das Einschieben von Zwischenböden, und eine neuartige Waben-Zugentlastung hält die Leitungen sicher. Das hat gegenüber unserem bisherigen System eine Zeitersparnis um 80 Prozent gebracht.

Wie verhält es sich mit der Werkstoffvarianz bei Energieketten – wie muss man sich den Bedarf an unterschiedlichen Werkstoffen vorstellen?
Mit unserem Standard-Werkstoff kommen unsere Kunststoffketten durch rund 80 bis 90 Prozent aller Anforderungen. Aber es gibt natürlich noch weitere – etwa elektrische Leitfähigkeit, Reinraum- und Lebensmitteleignung, Abriebfestigkeit oder spezielle Belastbarkeit, selbst bei tiefsten Temperaturen. Igus entwickelt für die entsprechenden Bedarfe geeignete Werkstoffzusammensetzungen.

Igus will günstige Roboter möglich machen und setzt den Robolink-Baukasten auch in der eigenen Energiekettenmontage ein. (Foto: P. Born)

Was treibt aus Ihrer Sicht die Entwicklung von Energieketten an?
Bauteile werden kompakter, kleiner, und die Taktzeiten steigen. Zum Beispiel muss eine Kette in einem Portal an einer Befüllstation bei einem Automobilhersteller zunehmend schneller arbeiten. Hier steigen die Anforderungen – an den bestehenden Komponenten müssen wir ständig arbeiten, etwa an den Werkstoffen oder an konstruktiven Details, und zugleich müssen wir überlegen, ganz neue Dinge zu entwickeln. Alles natürlich unter hohem Kostendruck. Aber wir stellen uns diesen Herausforderungen!

Und was macht die smarte Kette?
Sie ist äußerst intelligent. Durch Sensoren, isense-Module und die Auswertungseinheit icom ist eine umfassende Zustandsüberwachung und vorausschauende Wartung möglich. Die Kette weiß, wie es ihr geht: wo bin ich, wie alt bin ich, wie schnell bin ich, was habe ich schon geleistet – und wie lange kann ich noch.

Herr Blaß, vielen Dank für das Gespräch!

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