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Artikel und Hintergründe zum Thema

50 Jahre Igus

Von Leidenschaft beseelt

Mit Glück und Zähigkeit, dem Kunden stets im Mittelpunkt, geht es seit fünf Jahrzehnten bei Igus um Kunststoffe in Bewegung, „plastics for longer life“. Aus der Firma im Hinterhof entwickelte sich ein Unternehmen, dessen Produkte auf der ganzen Welt verbaut werden. handling-Chefredakteurin unterhielt sich mit Igus-Chef Frank Blase in der Unternehmenszentrale in Köln.

Die Igus-Zentrale in Köln. (Foto: Igus)

Herr Blase, es war zu erfahren, dass es einst ganz und gar nicht ihr Ziel gewesen war, als Junior im väterlichen Unternehmen einzusteigen. Wie kam es dann doch dazu?
Es stimmt, tatsächlich war ich zunächst sehr empfindlich bei dem Gedanken, Junior zu werden. Ich wollte mich nicht in ein „gemachtes Nest“ setzen, in diese Ecke wollte ich nie. So studierte ich zunächst in USA und erarbeitete mir Fertigkeiten bei einem Großkonzern, bei dem ich hätte bleiben können. Aber ich wollte unternehmerischer und eigenständiger tätig sein. Außerdem reizte mich das Abenteuer, eine kleine Firma groß zu machen. Die Samenkörner waren ja gelegt, und ein entscheidender Satz meines Vater war: „Verkauf du mal, ich produziere das dann schon“. Und so haben wir es dann gemacht.

Offenbar mit Erfolg. Igus lieferte die ersten zwanzig Jahre Kunststoffteile für anspruchsvolle technische Anwendungen, dann kamen Sie 1983 dazu und stiegen mit den beiden Produktfeldern Energieketten und Gleitlager geradezu kometenhaft auf. Wie haben Sie das hinbekommen?
Ich würde sagen, durch Glück und Zähigkeit. Energieketten und Buchsen waren früher schon als Zulieferteile im Programm, und bei Ketten hatten wir einfach Glück, weil sich hier ein Riesenmarkt für uns eröffnete. Kleine Ketten, große Ketten, kurze und lange Systeme, sie wurden überall gebraucht. Bei den Gleitlagern war es eher die Zähigkeit, die uns half, denn hier hat man uns zunächst nicht gebraucht. Metallische Wälzlager gibt es genug, und die Skepsis war groß – sie dauert bis heute an.

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Igus ist Kunststoffhersteller und zugleich Maschinenelemente-Anbieter – eigentlich Stoff genug für zwei Unternehmen. Verlangt Ihnen dieses breite Themenfeld aus Unternehmersicht viel ab – oder können Sie es gerade deshalb besonders nutzen?
Mein Vater und ich gehören zu den Sammlern, wir geben ungern etwas auf. Insoweit gab es durchaus auch schon markante Entscheidungen, speziell Mitte der neunziger Jahre. Mit gutem Ergebnis, etwa durch die Doppelung des Vertriebs damals und nunmehr der Bildung von Businessunits für unsere unterschiedlichen Produkte. Wir gehen einen klaren Weg und haben uns strukturell entsprechend organisiert: Kunststoffe für Bewegung ist unser Oberbegriff bei Igus, und mit unseren Produkten wird die Automatisierung leichter.

Nicht nur die Automatisierung, auch zum Beispiel das Orgelspiel, denn hier sind Polymer-Gleitlager verbaut. In wie vielen Branchen ist Igus unterwegs?
Wir bedienen aktuell 38 Branchen. Es gibt kaum eine Fachmesse, bei der wir nicht dabei sind. Demnächst werden wir erstmals bei einer Schiffsbaumesse in Hamburg präsent sein, denn unsere Produkte spielen bei der Einrichtung von Schiffen eine wichtige Rolle. Bei einer Musikinstrumentenmesse waren wir allerdings noch nicht dabei, das wäre aber eine gute Idee!

Ihre „Kunststoff-Rezepte-Küche“ ist verständlicherweise Ihre geheime Schatzkammer. Wie viele Mitarbeiter sind hier beschäftigt?
In der Gesamtentwicklung sind 70 bis 80 Mitarbeiter tätig, und davon sind es rund eine Handvoll Kunststoffentwickler, die sich die Kreationen ausdenken und testen.

Welche Qualifikationen haben diese Entwickler?
Es sind Ingenieure, Materialwissenschaftler, auch promovierte Mitarbeiter. Es sind hochgradig Interessierte, Neugierige – aber auch, das darf ich sagen, ein bisschen Verrückte, die sich dauernd Neues, Ungewöhnliches ausdenken, Dinge ausprobieren – und dann machen!

Was ist Ihr unternehmerisches Leitbild?
Bei Igus dreht sich alles um den Kunden – er steht im Zentrum unseres „Sonnensystems“, er ist Mittelpunkt unseres Tuns und bestimmt unsere Entwicklung. Um den Kunden dreht sich alles. Außerdem legen wir Wert in unserer offenen Igus-Fabrik auf Transparenz, direkte Wege und effiziente Produktion.

Woher schöpfen Sie die Kraft für Ihre Aufgabe – was leitet Sie? Haben Sie ein Hobby?
Ich glaube, ich habe unheimlich viel Glück darin, dass mich meine Aufgabe zutiefst fasziniert und das Potenzial, das in diesem Unternehmen steckt, geradezu beseelt. Und ein weiteres Glück ist meine Frau, die Familie und der Freundeskreis. Klar, ich lese auch und mache Sport, weil ich das für die Balance brauche, aber das ist nicht das, was trägt. Es ist vielmehr das Bauen und ständige Wirken am Gesamtwerk, was mir Kraft gibt.

Das zentrale Igus-Thema ist die Bewegung. Wohin geht das Unternehmen? Wo sehen Sie Ihre Firma in zehn Jahren?
Ich wünsche mir, dass wir die vielen Samenkörner, die wir nun auf der ganzen Welt gepflanzt haben, wachsen lassen und perfektionieren.     pb

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