Diethei Meßsysteme vertraut auf Lineartechnik von Dr. Tretter

Führungen schieben eine ruhige Kugel

"Unsere Maschinen können Sie nicht von der Stange kaufen." Peter Diethei, Geschäftsführer der Diethei Meßsysteme, steht in der Werkhalle neben einem Drei-Achs-Bohrautomaten, der für ein Fensterbau-Unternehmen nach dessen individuellen Vorgaben montiert wird. "Mit dieser Anlage wird der Anwender Rohre und Flachstähle aus Aluminium und Stahl mit Längen bis zu sieben Metern bearbeiten können", erklärt er. Das Besondere an dieser Anlage: "Der Bohrkopf ist fest installiert, es erfolgt nur die Hubbewegung." Zugeführt und positioniert werden die Rohre und Flachstähle NC-gesteuert über ein angebautes Pushersystem. Nach jedem Bohrvorgang führt der Bohrkopf automatisch die Bewegung für die nächste Bohrung aus. Minimale Taktzeiten sind gewährleistet. Diethei Meßsysteme hat ihren Sitz in Bopfingen im Ostalbkreis, im äußersten Osten Baden-Württembergs. Hier entwickelt und montiert das 15 -Mann-Unternehmen Sonderlösungen für deutsche und internationale Kunden, vorwiegend aus der Holz-, Aluminium- und Stahlindustrie, und nimmt diese in Betrieb. Zu den Produkten gehören motorische Längenmessanschläge, Rollenbahnen, NC-Positioniersysteme und eben auch die Mehrachs-Bohrautomaten. Die größte Anlage, die das Unternehmen im Programm hat, ist ein Fünf-Achs-Bohrautomat mit Servomotorpositionierung und vier Bohrachsen. "Diese Anlage ist für das Bohren von Rund- und Rechteckrohren, Winkelprofilen, Flach- und Vollmaterialien ausgelegt", erklärt Peter Diethei. Die vier Bohreinheiten verfahren zeitgleich CNC-gesteuert nach jedem Bohrvorgang quer in die nächste Bohrposition. Das angebaute Vorschubsystem fährt das Material ebenfalls gesteuert auf die nächste Position.

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Individuell – aber aus dem Baukasten

Der Fünf-Achs-Bohrautomat: Über das Pushersystem wird das Material der Maschine zugeführt. Der Bohrkopf führt nur die Hubbewegung aus. (Fotos: Tretter)

"Um unsere Lösungen zu einem guten Preis-Leistungs-Verhältnis anbieten zu können und damit vor allem wettbewerbsfähig zu sein, stellen wir sie nach den individuellen Wünschen der Anwender aus einem umfangreichen Baukastensystem zusammen", erklärt Diethei. Weil das Unternehmen alle Fertigungsteile zukauft, sind die Anforderungen an die Zulieferer für den Maschinenbauer besonders hoch. Wichtig sind nicht nur Zuverlässigkeit und Termintreue, sondern vor allem Vertrauen. Denn nur damit ist eine gute Zusammenarbeit gewährleistet. "Unsere Maschinen sollen nicht nur ihre Aufgabe erfüllen, sie sollen dem Anwender erhebliche Steigerungen an Effizienz, Präzision und Produktivität ermöglichen und das zu einem guten Preis", erläutert der Geschäftsführer. Dafür müssen die Zulieferer schon in der Konstruktionsphase als Partner mit im Boot sitzen. Seit mehr als 15 Jahren setzt Diethei Meßsysteme deshalb auf die Zusammenarbeit mit Dr. Erich Tretter aus dem baden-württembergischen Rechberghausen. "Wenn wir eine Maschine oder Anlage nach individuellen Vorgaben konstruieren, unterstützen uns die Spezialisten von Tretter bei der Wahl der geeigneten Führungssysteme", ergänzt Diethei.

Schienenführungen als wirtschaftliche Lösung

Um Bauteile präzise bearbeiten zu können, ist der Fünf-Achs-Bohrautomat mit einem schweren Maschinenständer aus verschweißten Stahlplatten ausgeführt. Er bildet die Grundlage für die hohe Bohrleistung bei einer äußerst genauen Positionierung. Für die genauen Verfahrwege und den guten Lauf, beispielsweise für die Hubbewegung des Bohrkopfs, setzt Diethei auf die NSK-Schienenführungen der LH- und SH-Serie. "Diese sind in vielen verschiedenen Ausführungen erhältlich, so dass wir nahezu alle Linearbewegungen der Anlage damit umsetzen können", erklärt Diethei. Zum Einsatz kommen sie beispielsweise für das Pushersystem oder im Bohrkopf für die präzise Hubbewegung. Für eine genaue Arbeitsweise sind die Schienenführungen vorgespannt. Die LH-Serie wurde speziell für den Einsatz im Handling sowie im Vorrichtungsbau konzipiert. Sie ist leichtgängig und besitzt eine hohe Tragfähigkeit. Die Führungsschienen sind in den Laufbahnen oberflächengehärtet, die Wagen komplett einsatzgehärtet. Um auch den Einsatz auf nicht ganz ebenen Flächen zu ermöglichen, wurde für den Aufbau des Kugelsystems die X-Anordnung gewählt. Dies gestattet eine gewisse Verkippung des Führungswagens gegenüber der Schiene. Dabei treten keine allzu hohen inneren Kräfte auf.

Keine Kollision, keine Reibung

Die SH-Serie ist mit Distanzstücken aus Kunststoff ausgestattet, die sich zwischen den Kugeln befinden. Gegenseitige Kollisionen und Reibung werden damit aufgehoben. Das verringert Schwingungen und senkt den Geräuschpegel. Ein gleichmäßiges Laufverhalten ist somit gewährleistet. In den Anlagen sind die Führungen in unterschiedlichen Baugrößen eingesetzt. Die Kugelführungswagen liefert Tretter serienmäßig erstbefettet. Um einen wartungsfreien Betrieb zu ermöglichen, sind die Wagen mit der bewährten K1-Schmiereinheit ausgestattet. Dieser selbstschmierende Kunststoffabstreifer wurde speziell für NSK-Schienenführungen entwickelt. Das synthetische Grundmaterial enthält in seinen Poren Schmiermittel, das bei Bewegung des Führungswagens kontinuierlich abgegeben wird und so eine Langzeitschmierung ermöglicht. "Der Anwender spart mit dieser Lösung erhebliche Kosten ein, beispielsweise für die Wartung", sagt Diethei. Der Zulieferer bietet die Schienenführungen mit Längen bis zu mehreren Metern an. "Wir bekommen die Komponenten einbaufertig, wir müssen sie nur noch in der Länge anpassen", freut sich Diethei. Der Sondermaschinenbauer verbaut Schienenführungen in der Normalklasse für übliche Handling- und Positionieraufgaben. Mit diesen Linearführungen hat Diethei wirtschaftliche Maschinenelemente im Einsatz, die die Anforderungen der Anwender erfüllen und zudem sehr stabil sind.

Vertrauen in die Qualität

"Sicher könnten wir unsere Bauteile auch von Zulieferern aus Ländern wie China beziehen", sagt Geschäftsführer Diethei. "Diese wären vielleicht sogar noch preiswerter." Doch eines würde fehlen - und das sei Vertrauen. Um hochwertige Maschinen zu liefern, müssen alle Komponenten exakt abgestimmt sein. "Was ist, wenn die Qualität nicht stimmt? Und wen spreche ich an, wenn das gelieferte Produkt nicht meinen Anforderungen entspricht? Außerdem kann ich kein chinesisch", sagt er mit einem Augenzwinkern. Der Anwender würde in der Anschaffung die preiswerteren Bauelemente nicht spüren. Aber im laufenden Betrieb. Ein weiterer wichtiger Punkt für ihn ist die räumliche Nähe. Die Techniker von Tretter seien schließlich wesentlich schneller bei ihm vor Ort als Mitarbeiter eines asiatischen Unternehmens, schmunzelt Diethei. Wichtig sei es zudem, immer einen Ansprechpartner zu haben, sollte schnell Hilfe notwendig sein. bw

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