WLAN-gestütztes Warenwirtschafts- und Lagerverwaltungssystem

Ende der Zettelwirtschaft

Am neuen Standort von Jäger Direkt in Heppenheim hat der mittelständische Elektrotechnikhersteller und -händler die digitale Ära eingeläutet.

Mit digitalisierten Prozessen erhöht Jäger Direkt in seinem Lager die eigene Effizienz. (Bild: Jäger)

Tempo bestimmt das Geschäft – vor allem im Internethandel. Der Elektro-Systemanbieter Jäger Direkt, der neben dem Handel auch Elektroteile produziert, verspricht seinen Kunden auf seiner Website: „Bis 17 Uhr bestellt, am gleichen Tag per Lieferschnelldienst versendet“. Um dieses zentrale Versprechen einzulösen, nutzt das Unternehmen ein WLAN-gestütztes Warenwirtschafts- und Lagerverwaltungssystem.

Jäger Direkt profitiert vom aktuellen Bauboom und der Tatsache, dass in vielen Bereichen zunehmend mehr Elektronik zum Einsatz kommt: Das vernetzte Haus, kurz Smart Home, Elektromobilität und die Umstellung auf LED treiben das Geschäft an. Über die Jahre ergänzten die beiden Geschäftsführer ihre Firma, die sie einst in einer Garage gründeten, um eine Produktionshalle, in der sie Elektrokomponenten wie Kabeltrommeln oder Verteilerkästen herstellen. 2016 erwirtschaftete das Unternehmen einen Umsatz von rund 50 Millionen Euro – Tendenz steigend.

Unnötige Warentransporte – adé
Das schnelle Wachstum stellte das Unternehmen aber auch vor Probleme. Bis Ende 2015 waren Produktion und Lager noch auf drei verschiedene Standorte verteilt, was die Prozesse ineffizient machte. „Unsere Häuser lagen so weit auseinander, dass wir eine Spedition beauftragen mussten, die zwei Mal am Tag zwischen den Standorten im Kreis fuhr“, sagt Jens Fischer, Bereichsleiter Einkauf, Produktion und Logistik bei Jäger Direkt. „Wir waren einen großen Teil der Zeit damit beschäftigt, Ware hin- und herzufahren. Im ungünstigsten Fall erhielt ein Kunde drei verschiedene Pakete.“ Ein weiteres Sorgenkind war der innerbetriebliche Materialfluss. Die Mitarbeiter waren damals mit Handzetteln und Komissionierbelegen unterwegs. „Für jede einzelne Bestellung machte sich der Lagerarbeiter auf eine zeitaufwendige Suche nach dem richtigen Regal“, so Fischer. „Der Versand musste jede Bestellung noch einmal mit dem Kommissionierbeleg abgleichen, was erneut viel Zeit kostete.“

Anzeige

Neuanfang mit modernem Hochregallager
Als die Geschäftsleitung 2015 rund 15 Millionen Euro in einen neuen Standort im Gewerbegebiet Heppenheim investierte, war klar, dass sie die Gelegenheit nutzen würde, um den Warenfluss zu optimieren und die Prozesse zu digitalisieren. „Wir haben die neue Halle von innen nach außen entworfen“, sagt Fischer. Erst die Prozesse, dann das Gebäude. Das Ergebnis: Der neue Standort ist mit 14.500 Quadratmetern doppelt so groß wie der alte, ausgestattet mit einem modernen Hochregallager. In der neuen Elektrofabrik setzt Jäger Direkt auf Echtzeitortung, sowohl in der Produktion als auch in der Logistik. Über das Warenwirtschafts- oder Lagerverwaltungssystem ist nun jederzeit nachvollziehbar, wo sich Produkte und Komponenten in der Halle befinden. Benötigt wurde ein belastbares, drahtloses Netzwerk, das bis in den letzten Winkel des Hochregals reicht. Anbieter ist die Deutsche Telekom.

Eine Herausforderung war, dass die netztechnische Ausleuchtung der Elektrofabrik bereits während der Bauarbeiten am Gebäude erfolgen musste, also zu einem Zeitpunkt, als die funktechnischen Gegebenheiten noch nicht erfasst werden konnten. Ein leeres Regal hat eine völlig andere Ausleuchtungsnotwendigkeit als eines, das beispielsweise mit Kabeltrommeln gefüllt ist. Dies musste bereits bei der Planung berücksichtigt werden. Heute sorgen 190 Zugangspunkte, die überall in der Elektrofabrik verteilt sind, für eine störungsfreie WLAN-Infrastruktur.

Wegeoptimierung durch Staplerleitsystem
Die digitale Welt von Jäger Direkt unterscheidet sich deutlich von der Arbeitsweise der Vergangenheit. Heute zeigt das neue Warenwirtschaftssystem dem Lagermitarbeiter alle aktuellen Bestellungen auf einem Tablet an, das an einem Kommissionierwagen befestigt ist. Ein Staplerleitsystem führt ihn auf kürzestem Weg zum richtigen Lagerplatz, wo er die bestellten Produkte einscannt. Durch den Scanvorgang wurde die Endkontrolle, die früher im Versand stattfand, in die Kommissionierung verlagert. pb

Anzeige

Das könnte Sie auch interessieren

Anzeige

Lagertechnik

Modularer Fördertechnik-Baukasten

LT Fördertechnik fokussiert sich bei ihrem dritten Messeauftritt auf die Lager- und Fördertechnik für Behälter und Kartonnagen und zeigt ihre Neuentwicklungen für effizientes Handling, intelligente Lagerprozesse und automatisierte Transporte in der...

mehr...
Anzeige

xetto® transportiert, hebt, verlädt und fährt mit

Die von HOERBIGER entwickelte mobile Ladehilfe xetto® klettert nach der Fahrzeugbeladung aus eigener Kraft auf die Ladefläche. Somit kann eine Person schwere Lasten am Einsatzort allein entladen und bewegen. Neu: xetto® wird als Arbeitsmittel für körperlich beeinträchtigte Menschen vom Integrationsamt gefördert.

mehr...
Anzeige

Kleinteilelager

Die Sportausrüstung kommt automatisch

Für das E-Commerce Unternehmen Sport Okay in Innsbruck hat Hörmann ein vollautomatisches Kleinteilelager entwickelt. Mit dem Autostore-Konzept finden 55.000 Behälter Platz und 44 Roboter sorgen für rund 336 Einlagerungen und Retouren sowie 8.000...

mehr...

Steigtechnik

Sicher arbeiten in Industrie 4.0

Moderne Produktions- uns Wartungsanlagen müssen intelligent, effizient und erweiterbar sein. Günzburger Steigtechnikanlagen sorgen dafür, dass die Effizienzsteigerung nicht auf Kosten der Arbeitssicherheit erfolgt.

mehr...

Logimat 2019

Energie im Lager effizient nutzen

Kasto zeigt auf der Logimat ein Konzept zur Energierückspeisung und -speicherung in automatischen Lagersystemen. Betreiber können damit überschüssige Bewegungsenergie in elektrischen Strom umwandeln, zwischenspeichern und nach Bedarf nutzen.

mehr...