Warehouse Management

Bilingual kommissionieren

Ersatzteile für Automobilhändler. In sechs Monaten hat Thomas + Partner für das neue Logistikzentrum der EF Parts & Logistic Service ein Warehouse-Management-System realisiert und installiert. Es ist auf die slowakische und englische Sprache internationalisiert und kann über eine Middleware mehrere Lagerverwaltungssysteme steuern.

Da die SPS keine Logik benötigt, kann TUP jede Fördertechnik anbinden. © TUP

Bei dem Lager handelt es sich um eine Anlage mit rund 12.000 Quadratmeter Fläche in der Halle sieben des Logistikparks P3 in Lozorno, rund 25 Kilometer von Bratislava, Slowakei, entfernt. Derzeit werden exakt 361.852 Teile vorgehalten, die zentral aus Frankreich angeliefert werden. Aus dem Logistikzentrum werden Automobilhändler des französischen PSA-Konzerns in Osteuropa mit Ersatzteilen versorgt. Das Spektrum umfasst Teile für Fahrzeuge der Marken Peugeot, Citroen, DS und Vauxhall. Beliefert werden Händler in der Slowakei, Ungarn, Kroatien, Slowenien und der Tschechischen Republik.

Bevorratet und bereitgestellt werden die Artikel in unterschiedlichen Lagertypen: Zum einen im Schmalganglager, das von Schmalgangstaplern (Man-Down) des Typs BT-Vector von Toyota Material Handling bedient wird, zum anderen im Hochregallager mit Schmalgangstaplern (Man-up). Die Fördertechnik umfasst unter anderem auch die beiden Lifte, welche die drei Ebenen des Kleinteilelagers im Distributionszentrum fördertechnisch miteinander verbinden. Für reibungslose und schnelle Intralogistikprozesse werden die Kommissionier-Behälter im Weiterreichprinzip zwischen den Ebenen transportiert. Fertig kommissionierte Behälter werden zum Warenausgang gefördert und dort nach Zielland sortiert.

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Wie Oliver Chimbo, Projektleiter bei Dr. Thomas + Partner, (TUP), Stutensee, erläutert, hat TUP den Auftrag für die Realisierung der Logistik-Software des Lagers im März 2017 erhalten, wobei zwei Inbetriebnahme-Stufen definiert wurden. In der ersten Stufe wurde alles realisiert, was Wareneingang, Transportverwaltung, Lagerverwaltung sowie Geräte und Bestandsverwaltung betrifft; gleichzeitig wurde das Lager mit den angelieferten Teilen aus Frankreich gefüllt, erklärt Oliver Chimbo.

Seit Oktober kommissionieren die die Mitarbeiter bis zu 10749 Teile pro Tag. © TUP

Stufe zwei der Inbetriebnahme erfolgte mit dem Go live der weiteren TUP-Module Auftrags- und Tourenverwaltung, Kommissionier-Verwaltung, Warenausgang sowie Retouren- und Inventurverwaltung. „Somit konnten wir das Projekt innerhalb von sechs Monaten fertigstellen, das ist ein Rekord“, betont Chimbo weiter.

Zu dieser kurzen Realisierungszeit trug auch bei, dass TUP auf ein umfassendes Logistiksystem als Basis zurückgreifen konnte, das die Software-Spezialisten zuvor für die EF Logistik (EFL), ebenfalls ein Unternehmen der Emil Frey Gruppe, realisiert hat. Das hochkomplexe System war an zwölf Standorten von EFL in Deutschland ausgerollt worden. Das Emil-Frey-Logistik-System (EFLS) leistet sowohl das standortübergreifende globale Datenmanagement als auch die komplette autarke Verwaltung und Steuerung jedes der zwölf Autoteile-Zentren mit möglichst schlanken Datensätzen. Alle Lagerstandorte werden in einem zentralen Dialogsystem koordiniert; neue Mandanten lassen sich in kürzester Zeit aufschalten.

Neu hinzugekommen im Logistikzentrum Bratislava ist die Internationalisierung für die slowakische Sprache. „Dies ist auch interessant für künftige Kunden aus weiteren Ländern, denn wir können unsere Software in der jeweiligen Landessprache zügig zur Verfügung stellen“, sagt Projektleiter Chimbo. „So ist im Dialogsystem des Logistikzentrums in Lozorno im Profil des betreffenden Mitarbeiters die passende Landessprache hinterlegt. Meldet sich der Mitarbeiter am System an, startet die Kommunikation für den Kommissionierer zum Beispiel automatisch auf Slowakisch.“ Das deutsch- oder englischsprechende Leitstandpersonal kann zwischen den Sprachen umschalten.

„Die Systemlandschaft des neuen Logistiksystems und die Kommunikationswege sind komplex. Unsere Software erhält die Aufträge vom ERP-System unseres Kunden. Das Efit getaufte System steht für Emil Frey IT und ist eine EF-eigene Entwicklung“, so Oliver Chimbo. „Allerdings setzen wir für die Kommunikation und Weitergabe der Daten an unser System eine Middleware und damit eine Software ein, die in der Lage ist, unterschiedliche Warehouse-Management-Systeme zu steuern. Zwar handelt es sich im neuen Logistikzentrum derzeit nur um ein WMS, wenn aber der Kunde künftig weitere Systeme im selben Land oder in anderen Ländern installieren möchte, lassen sich diese mit der jetzt installierten Middleware problemlos steuern.“ Die Bezeichnung für die Middleware lautet Epalos, dies steht für EF Parts & Logistic Service. Somit übermittelt Efit die Auftragsdaten an die Middleware Epalos, die die Daten an das TUP.WMS weiterleitet. Efit wiederum erhält eine Übermittlungsstufe davor die Auftragsdaten von unterschiedlichen Importeurs- und Händlersystemen.

Das bei Emil Frey eingesetzte Importeurs-System Asfi (Applikationssystem für Fahrzeugimporteure) für den Fahrzeughandel wurde von TUP bereits 1998 konzipiert und permanent weiterentwickelt. Allerdings ist das WMS nicht direkt an das Asfi angeschlossen, sondern die Kommunikation läuft über das ERP-System Efit und Epalos zum WMS.

So werden die über das TUP-Asfi-System kontinuierlich einlaufenden Auftragsdaten der slowakischen Händler über Efit und Epalos an das TUP.WMS im Logistikzentrum in Lozorno übermittelt und im Dialogsystem angezeigt. Die Mitarbeiter erhalten die Kommissionier-Aufträge auf den mobilen Datenterminals oder den Stapler-Terminals angezeigt. Auf dem gleichen Datenkommunikationsweg werden die Wareneingangs-Avis-Daten der permanent aus Frankreich angelieferten Teile in das System eingespeist und an das Warehouse-Management-System übermittelt.

Als vorerst letzter Schritt wurde dann der Materialflussrechner (MFR) von TUP in Betrieb genommen. Dies zunächst in den Kommissionier-Bereichen, aber, wie Chimbo betont: „Die TUP.MFC (Materialflusssteuerung), ist in der Lage, die Waren vom Wareneingang über sämtliche Kommissionier-Bereiche bis zum Warenausgang zu steuern.“ Die TUP.MFC nutzt die hauseigene Protokoll-Spezifikation namens TP-RADT (TUP Reliable Application Data Transfer) und koppelt die Speicherprogrammierbare Steuerung (SPS) der von Smartlog installierten Fördertechnik mittels der standardisierten TP-RW Methode an. Dieses Kürzel steht für TUP Richtungsweiser für Flach-Fördertechnik, eine eigene Entwicklung von Dr. Thomas + Partner. „Somit bleibt die gesamte Logik des Materialflusses beim Materialflussrechner und die SPS-Anlage kann ohne eigene Routingfähigkeit gesteuert werden“, erklärt Chimbo.

Reinhard Irrgang/as

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