Vollautomatische Hochregallager

Schneller Materialfluss und optimaler Kundenservice

Ein vollautomatisches Hochregallager hat die Logistik bei der Rösler Oberflächentechnik optimiert. Das vom Intralogistik-Spezialisten Viastore Systems realisierte Projekt sorgt für einen schnellen und reibungslosen innerbetrieblichen Materialfluss, es vereinfacht gleichzeitig die Kundenbelieferung.

Blick in das vollautomatische, 90 Meter lange und 26 Meter hohe Hochregallager bei Rösler, das mit drei Regalbediengeräten ausgestattet ist. (Foto: Viastore)

Die Rösler Oberflächentechnik ist internationaler Marktführer bei der Herstellung von Gleitschliff- und Strahlanlagen, Verfahrensmitteln (Schleifkörper und Compound) und Technologie für die rationelle Oberflächenbearbeitung (Entgraten, Entzundern, Entsanden, Polieren, Schleifen ...). Das Familienunternehmen betreibt neben den beiden deutschen Werken in Untermerzbach (Unterfranken) und dem benachbarten Bad Staffelstein Produktionsstätten in Spanien, Frankreich, Italien, der Schweiz, den USA und Brasilien.

Um den ständig wachsenden Marktanforderungen Rechnung zu tragen, investierte der Strahl- und Gleitschlifftechnik-Spezialist in den vergangenen Monaten insgesamt 8,5 Millionen Euro in den Standort Untermerzbach. Neben zwei Hallenneubauten zur Erweiterung der Laserfertigung und zusätzlichem Equipment zum Ausbau der Fertigungstiefe, war die Errichtung des neuen Hochregallagers die signifikanteste Erweiterung. Durch den Ausbau an Lagerkapazität für Verfahrensmittel (Compound und Schleifkörper) sowie Maschinen- und Ersatzteile möchte Rösler zukünftig noch schneller für den Kunden reagieren können.

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Wichtige Kundengruppen des Unternehmens sind die Automobil-, Stahl- und Luftfahrtindustrie. Darüber hinaus beliefert Rösler weitere Branchen und ist breit im Markt aufgestellt. Der Erfolg des Unternehmens und das Umsatzwachstum der vergangenen Jahre haben hohe Anforderungen an die innerbetrieblichen Strukturen gestellt - so auch an die Logistik.

Auf der Suche nach potenziellen Intralogistik-Partnern sondierte das Unternehmen den Markt und kam schnell mit dem Intralogistik-Spezialisten Viastore in Kontakt. Aus drei verbleibenden Wettbewerbern fiel die Wahl schließlich auf das Stuttgarter Unternehmen. "Viastore beherrscht SAP sehr gut, was für uns überaus wichtig ist. Außerdem hat uns Viastore äußerst kompetente und erfahrene Mitarbeiter zur Seite gestellt. Bei einem Projekt dieser Größenordnung ist es wichtig, dass man sich auf seinen Partner verlassen kann. Mit Viastore haben wir den für uns geeignetsten Partner gefunden", schildert Marcus Henkel, Bereichsleiter.

Die besonderen Anforderungen von Rösler bestanden unter anderem darin, unterschiedliche Palettentypen zu lagern und verschiedene Materialien zu bewegen, etwa schwere Maschinenteile oder flüssige Chemikalien in sogenannten IBC (Intermediate Bulk Container), die alle im gleichen Lager abgestellt werden. Hier sind die Regalbediengeräte gefordert: Sie müssen so gesteuert werden, dass bei der Fahrt keine Kipp- und Schwankbewegungen entstehen. Diesbezüglich wurden mehrere Tests gefahren. "Die Ergebnisse von Viastore waren besser als die der Wettbewerber", sagt Marcus Henkel.

Herausforderungen: Mechanik und Steuerungstechnik
Für Veit Roskamp, Projektleiter bei Viastore, bestanden die besonderen Herausforderungen des Projekts zum einen im mechanischen, zum anderen im steuerungstechnischen Bereich. "In den IBC mit einem Fassungsvermögen von 1.000 Litern werden Chemikalien mit unterschiedlicher Viskosität transportiert. Außerdem sind die Füllstände verschieden", beschreibt er. Viastore setzte deshalb geregelte Antriebe ein, die unterschiedliche Beschleunigungen und Verzögerungen fahren, um das Kippen der Behälter zu verhindern. Auch die Vielfalt der Ladeeinheiten erforderte eine flexible Steuerungstechnik. Eingelagert werden Europaletten, IBC, Gitterboxen und Industriepaletten. Teilweise entstehen auf den Paletten Überstände. Die Viastore-Lösung ermöglicht problemlos seitliche Überstände bis 150 Millimeter.

Dem Bau der Anlage folgte eine laut Marcus Henkel "knackige, sechswöchige Testzeit". Die erste Palette wurde kurz vor Weihnachten eingelagert. "Wir mussten in dieser Phase zunächst die Grundbedürfnisse des Ein- und Auslagerns sicherstellen und uns dann weiter an die volle Leistungsfähigkeit herantasten. Auch in dieser Zeit war das Engagement der Viastore-Mitarbeiter hervorragend."

Viastore realisierte in Untermerzbach ein dreigassiges Hochregallager mit insgesamt 7.731 Palettenstellplätzen in einfach tiefer Zwei-/Drei-Platz-Lagerung. Drei Regalbediengeräte vom Typ Viapal übernehmen das Ein- und Auslagern. Das Lager ist 90 Meter lang, 14 Meter breit und 26 Meter hoch. Die Zwei-/Drei-Platz-Lagerung ermöglicht, dass ein Regalfeld wahlweise mit zwei Industriepaletten oder drei Euro-Paletten belegt werden kann. Die Paletten werden gewogen, die Daten im SAP-WM hinterlegt. "SAP muss das flexibel abbilden können", schildert Veit Roskamp. Es stehen vier Kommissionierplätze zur Verfügung. Die fördertechnische Anbindung des Lagers an den Kommissionier- und Versandbereich erfolgt über einen Doppel-Querverschiebewagen. Die Fördertechnik- und Regalbediengerätesteuerung läuft über SAP-TRM (Task and Resource Management). Dabei handelt es sich um den SAP-Standard mit Viastore-Erweiterung für die Automatiklager-Steuerung. Ebenfalls in SAP integriert sind acht Lagerlift-Systeme mit jeweils bis zu 80 Tablaren.

Vorteile in mehreren logistischen Bereichen
Mit der von Viastore konzipierten Lösung erzielt Rösler deutliche Verbesserungen in allen Logistik-Bereichen. "Wir haben den Staplerverkehr für die Ein- und Auslagerung fast auf null reduziert. Diese Aufgaben übernimmt jetzt die automatische Fördertechnik", schildert Marcus Henkel. Außerdem sei das "Mann-zur-Ware"-Prinzip abgeschafft worden. Heute werde "Ware-zum-Mann" praktiziert, wodurch die Ware schneller für den Transport bereitgestellt werden könne und sich nun viel besser takten lasse. Die von Anfang an gute Integration der Mitarbeiter in den SAP-Prozess sei durch das Projekt nochmals gesteigert worden.

"Die Umschlagsleistung hat sich deutlich erhöht. Wir haben einen großen Performance-Sprung gemacht", berichtet Henkel. Dennoch gebe es bei der Logistik künftig weiteren Handlungsbedarf. Man strebe beispielsweise bei der Kommissionierung die absolute Null-Fehler-Quote an. Auch ein verändertes Kundenverhalten stelle Anforderungen an die Logistik. Heute werde immer häufiger, aber in immer kleineren Mengen gekauft. Das müsse logistisch bewältigt werden. "Wir werden uns nie mit dem Stand der Dinge zufrieden geben und uns immer weiter entwickeln", meint Henkel.

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