Wettbewerbsvorteile durch Retrofit

Die Lieferfähigkeit ist marktbestimmend

Wettbewerbsvorteile durch Retrofit. Veraltete Technik drohte, die Logistikprozesse bei KTR zum Stoppen zu bringen – und damit das gesamte Geschäft des Spezialisten für Antriebstechnik. Im laufenden Betrieb und nahezu ohne Ausfallzeiten modernisierte viastore Gasse für Gasse des automatischen Paletten- und Behälterlagers.

Im Behälterlager lagert KTR Bauteile und Fertigwaren von einem Gewicht bis zu 40 Kilogramm. © Viastore

„Wir sind existenziell darauf angewiesen, dass unsere Logistikprozesse funktionieren“, erklärt Olaf Korbanek, Leiter IT und Organisation bei KTR Systems. KTR in Rheine fertigt Antriebstechnik für industrielle Anwendungen und ist vor allem für Kupplungen bekannt. Kunden sind Landwirte bis zu internationalen Großkonzernen – und alle erhalten ihre Lösungen aus dem Lager in Rheine. Das Logistikzentrum leistet noch viel mehr: Es versorgt die Produktion mit Halbfertigzeugen – nicht nur am eigenen Standort, wie Benedikt Bußmann, Leiter Logistik bei KTR, erläutert: „Wir haben einen Eigenfertigungsanteil von rund 22 Prozent. Der größere Anteil unserer Kupplungen wird von Produktionsbetrieben in der Umgebung gefertigt.“ Von Rheine aus werden auch die 24 Tochtergesellschaften und über 90 Vertriebspartner mit Fertigprodukten beliefert.

Dafür wurde 2004 ein hochmodernes Logistikzentrum gebaut. viastore, Spezialist für schlüsselfertige Intralogistiksysteme, installierte damals ein viergassiges automatisches Behälterlager sowie ein zweigassiges automatisches Palettenlager inklusive Fördertechnik, Warehouse Management Software und Visualisierung. Die Geschäfte von KTR liefen in den Folgejahren so gut, dass das Lager kontinuierlich ausgebaut wurde: 2015 bestand es aus sieben Gassen im automatischen Kleinteilelager und sieben Gassen im Palettenlager.

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„Die Lieferfähigkeit ist gerade in der jetzigen Konjunkturlage entscheidend und marktbestimmend“, betont Olaf Korbanek die wichtige Aufgabe des Lagers. „Heute gewinnt derjenige ein Geschäft, der liefern kann. Weil wir liefern können, haben wir die Chance, Marktanteile hinzuzugewinnen.“

Neben den abgekündigten Frequenzumrichtern modernisierte Viastore an den RBG die Distanzmessgeräte, die Datenlichtschranken, das gesamte Bussystem sowie die Kabelketten. © Viastore

Drohender Stillstand aufgrund abgekündigter Technik
Alles schien soweit gut für KTR, das Unternehmen war mit dem Logistikzentrum bestens aufgestellt. Doch 2015 fielen Olaf Korbanek und Benedikt Bußmann aus allen Wolken: „Damals wollten wir den Materialflussrechner von Windows XP auf ein aktuelles Betriebssystem updaten. Für viastore war das kein Problem – allerdings erklärte man uns, dass wir eine viel größere Herausforderung bei den Frequenzumrichtern hätten.“ Denn die waren zwischenzeitlich veraltet, Ersatzgeräte gab es so gut wie keine mehr auf dem Markt. Auch die Bustechnik war inzwischen abgekündigt: „Früher hatte man auf Interbus gesetzt, doch das wurde mittlerweile von dem schnelleren Profinet verdrängt“, schildert Frank Hemme, der bei KTR für die Instandhaltung und Gebäudetechnik zuständig ist. Am Interbus hingen weitere Systeme: „Die Distanzmessgeräte der Regalbediengeräte genauso wie der Visualisierungs-PC – wir hätten also bei dem Ausfall einer dieser Komponenten in ein ziemliches Loch fallen können.“

Retrofit der Regalbediengeräte
Als erste Maßnahme hat sich KTR den Zugriff auf die letzten bei viastore gelagerten Frequenzumrichter des verbauten Typs gesichert. „Danach haben wir sehr schnell ein Retrofit-Projekt konzipiert, freigegeben und umgesetzt“, sagt Korbanek. Dafür mussten die Lagergassen zeitweise stillgelegt werden, doch die Auslastung des Lagers war zu hoch. Deshalb entschied sich KTR, das Behälterlager um drei Gassen zu erweitern – in Summe stehen heute 88.000 Behälter- und rund 9.000 Palettenstellplätze zur Verfügung. „Mit diesen zusätzlichen Kapazitäten konnten wir spielen; sie waren Voraussetzung für das Stilllegen einzelner Gassen und damit für die Modernisierung der Anlage“, erklärt Bußmann.

Das Retrofit-Projekt umfasste bei den Regalbediengeräten den Austausch der Frequenzumrichter, der Distanzmessgeräte, der Datenlichtschranken, des gesamten Bussystems sowie der Kabelketten. Zudem ersetzte viastore die mitfahrenden Schaltschränke der RBG. Auch den Steuerungsrechner wechselten sie aus. Dazu bildeten die Retrofit-Experten von viastore mit den Instandhaltern von KTR ein Team, das Gasse für Gasse vorging. „Ursprünglich hatten wir für die Modernisierung einer Gasse eine Woche Arbeit veranschlagt“, legt Hemme dar. „Aber viastore konnte eine modernisierte Gasse bereits nach vier Tagen übergeben.“

Höhere Energieeffizienz als Nebeneffekt
Das Retrofit sichert nicht nur die Verfügbarkeit des Lagers, sondern bringt weitere Vorteile mit sich. „Mit den neuen Frequenzumrichtern können wir jetzt die Bremsenergie der RBG rückspeisen“, nennt Hemme ein Beispiel. „Theoretisch kann man damit bis zu 20 Prozent Energie einsparen – wie groß unsere Ersparnis tatsächlich ist, kann ich erst sagen, wenn alle RBG modernisiert sind.“ Im ersten Retrofit-Projekt wurden fünf RBG modernisiert, die restlichen werden demnächst mit neuster Technik ausgerüstet. Anhand der aktuellen Anlagen-Visualisierung, die unter dem WMS viadat läuft, verbesserten die Intralogistik-Profis zudem die Möglichkeiten der Fehlererkennung und -lokalisierung. 

„Die Umsetzung des Retrofits war außerordentlich gut“, lautet das Fazit von Olaf Korbanek. „Wir hatten keine nennenswerten Ausfälle.“ Zurzeit bereitet das KTR-Instandhaltungs-Team bereits die Modernisierung der letzten RBG mit veralteter Technik vor, wie Bußmann berichtet: „Wir verteilen Schnell- und Normaldreher aus den zu modernisierenden Gassen in andere Bereiche, um Zugriffssicherheit zu haben. Dadurch können wir immer zwei Gassen gleichzeitig modernisieren.“

Seitens viastore wird das gleiche Team zum Einsatz kommen – ein wichtiger Aspekt für Benedikt Bußmann: „Es ist für uns von enormer Bedeutung, intern wie extern auf das gleiche starke Team zurückgreifen zu können. Denn es ist einfach wichtig, ein gutes Miteinander zu haben. Bei viastore haben wir Ansprechpartner, mit denen wir offen und ehrlich reden können.“ as

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