Vertikalförderer

Schwebende Fördertechnik als innovative Logistiklösung

Wie bindet man eine Bestandshalle an eine neue Lagerhalle an, die beide durch eine Feuerwehrzufahrt getrennt sind und deren Geschossebenen, bedingt durch ein geländebedingtes Gefälle, einen erheblichen Unterschied aufweisen? Wie kann der Transport gemeinsam mit der Pufferung von fertigen und halbfertigen Produktionsgütern zwischen den Hallen realisiert werden, ohne zusätzliche Investitionen in weitere Baumaßnahmen tätigen zu müssen? 

Mithilfe einer Förderanlage wird der Niveauunterschied zur Brücke über die Feuerwehrzufahrt überwunden. © HaRo

Viele Fragen – eine Antwort: Fördertechnik von HaRo. Das im sauerländischen Rüthen ansässige Unternehmen für Intralogistiklösungen ist nicht mehr nur für seine Standardkomponenten bekannt, längst sind es besondere Herausforderungen wie diese, denen sich der Familienbetrieb stellt, um eine innovative Lösung zu konzipieren.

Ungewöhnliche Aufgabe
Und eine durchaus ungewöhnliche Anfrage war es, die KEB Automation, Entwickler, Hersteller und Systemlieferant innovativer Steuerungs- und Antriebstechnik, an die HaRo-Gruppe stellte. Das Barntruper Unternehmen ist seit über 15 Jahren Kunde des Fördertechnikherstellers. Mit der Verbindung zweier Hallen unter zusätzlicher Berücksichtigung von besonderen Bedingungen war dies das bislang anspruchsvollste Projekt in der gemeinsamen Zusammenarbeit. Von Beginn an waren die Anforderungen dabei seitens KEB Automation klar definiert: „Es galt eine Lösung zu finden, eine neue Halle mit der bestehenden Produktionshalle mittels einer automatisierten Logistiklösung zu verbinden“, erklärt Gerald Müller, Betriebsleiter der Produktion Elektronik bei KEB Automation. Das Besondere war, dass nicht nur, dass zwischen den Gebäuden ein erheblicher Gefälleunterschied herrschte, auch die angrenzende Feuerwehrumfahrt durfte durch die Verknüpfung der beiden Gebäude nicht beeinträchtigt werden. Die Lösung war eine Brücke. Doch bedurfte es hier keiner gewöhnlichen Brücke, ging es doch in erster Linie darum, die fertigen und halbfertigen Erzeugnisse zwischen den beiden Hallen zu transportieren. Und das in Zeiten von Automatisierung und Industrie 4.0 möglichst ohne manuelle Eingriffe.

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Die HaRo-Mitarbeiter entwickelten zusammen mit den künftigen Anwendern ein ganzheitliches Projekt, das den anfangs formulierten Bedingungen gerecht werden sollte: Im Erdgeschoss des bereits bestehenden Gebäudes werden die Fördergüter – Europaletten - per Gabelstapler an die Rollenbahn übergeben. „Eine Konturenkontrolle prüft eventuelle Überstände an den Fördergütern, um zu verhindern, dass Paletten, die nicht der konzipierten Größe entsprechen, später zu Kollisionen auf den Rollenbahnen oder im Vertikalförderer führen“, erklärt der Projektleiter der HaRo-Gruppe, Thorsten Koopmann.

Die Rollbahnen auf der Verbindungsbrücke können auch als Produktionspuffer dienen. Die Anlage überwacht kontinuierlich das zulässige Gesamtgewicht. © HaRo

Gewichtsprüfung
Zusätzlich sind die Aufgabebereiche an den Rollenbahnen mit einer Waage ausgestattet, die das Gewicht der Paletten aufnimmt, prüft und abgleicht. „Dies ist besonders wichtig, damit die maximale Gesamtbelastung der Brücke nicht überschritten wird“, ergänzt Thorsten Koopmann. Schließlich handelt es sich bei der Brücke um eine freitragende Verbindung der beiden Hallen, deren maximale Traglast nicht überschritten werden darf. Nachdem eine Palette die Brücke passiert hat, wird ihr Gewicht schließlich wieder abgezogen, sodass stets die aktuelle Belastung auf den Förderanlagen in der Brücke abrufbar ist. Dieser Punkt ist nicht nur für die Beförderung der Paletten von elementarer Bedeutung, denn neben dem eigentlichen Transport dienen die Rollenbahnen auch als Pufferplatz für nicht benötige (halb-) fertige Erzeugnisse - durchaus eine praktische und effiziente Lösung.

Mit der Brücke konnte also bereits ein Baukonzept gefunden werden, um die Feuerwehrzufahrt an den Hallen nicht zu beeinträchtigen. Doch auch für die Überwindung der Höhendifferenzen zwischen den beiden Hallen galt es eine Lösung zu finden. Und wenn es um die Verbindung mehrerer unterschiedlicher Etagen geht, eignet sich kaum eine Anlage besser, als der HaRo-Vertikalförderer. Völlig automatisiert, effizient und zuverlässig transportiert der Senkrechtförderer Güter sämtlicher Art, Gewicht und Größe über mehrere Ebenen hinweg. Da er sich in den meisten Fällen zudem problemlos an bereits bestehende Anlagen anbinden lässt, präsentiert er im Projekt von KEB Automation die effektivste Möglichkeit, die Höhendifferenz zwischen neuer und alter Halle zu überwinden. Genauso können die Fördergüter natürlich auch in der neuen Lagerhalle an den Vertikalförderer übergeben und hinauf zur Rollenbahn befördert werden. In diesem Falle werden die Paletten auf der parallelen Strecke zurück in die Produktionshalle befördert. „Durch zwei Rollenbahnlinien ist ein paralleler Transport der Fördergüter möglich, somit kommt es nicht zu Warteschleifen an den Anlagen“, erklärt Vertriebler Thorsten Koopmann.

Erweiterung offen
Und noch eine Besonderheit ist in diesem Projekt erwähnenswert: Auch KEB Automation ist für ihr breites Produktportfolio, das von Motoren über Frequenzumrichter bis hin zu Antrieben und Bedienpanels im Bereich Automotive, Elektromobilität und Windenergie reicht, bekannt. „Für uns war es eine Selbstverständlichkeit, dass sämtliche Antriebskomponenten einschließlich der Steuerung der Förderanlagen aus unserem Hause kommen“, so Gerald Müller.

Und auch für die Zukunft hat KEB Automation mit der HaRo-Förderanlage bereits vorgesorgt: So ist auch in den kommenden Jahren eine Erweiterung der Produktions- und Lagerflächen geplant, die sodann flexibel an die bestehenden Hallen und Förderanlagen angeschlossen werden können: Der Vertikalförderer wurde bereits so ausgeführt, dass auch eine Anbindung an eine dritte Halle problemlos möglich ist. Hierfür wurde der Vertikalförderer vorsorglich mit einer Dreheinrichtung ausgestattet, die die Übergabe vom Vertikalförderer an angrenzende Förderanlagen ermöglicht. dsc

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