Automatisierte Warenströme

Millionenauftrag: Swisslog und Kuka bauen Logistikzentrum

Mit mehreren Fertigwarenlagern auf Palettenbasis sowie einem vollautomatisierten Kommissionier- und Warenverteilzentrum sorgt Swisslog beim saudischen Lebensmittelkonzern Almarai für mehr Effizienz. In dessen neuem Logistikzentrum kommen auch drei Kuka-Anlagen zum Einsatz, die an sechs Stationen Kundenpaletten kommissionieren.

Der Kuka-Portalroboter nimmt jeweils eine ganze Lage mit Getränkekisten mittels mechanischer Greifer auf. (Bild: Kuka/Swisslog)

Es sind komplexe Warenströme, die Almarai tagtäglich bewältigen muss. Der saudische Konzern gehört zu den größten Milchverarbeitungsunternehmen der Welt. Er produziert zudem Säfte, Backwaren, Geflügel und Kindernahrung – haltbare Lebensmittel ebenso wie Frisch- und Kühlware. In Al Kharj, gut eineinhalb Autostunden von der saudischen Hauptstadt Riad entfernt, steht das größte Almarai-Werk. Hier wird die komplette Distributionslogistik automatisiert. Ein Millionen-Projekt, das Swisslog, ein Unternehmen der Kuka-Gruppe, stemmt. Unterstützung bekommt der Automatisierungs- und Anlagenspezialist dabei von den Experten von Kuka Industries, die ihre Systemerfahrung auf dem Gebiet der roboterbasierten Zellen in das Projekt einbringen.

Mit der Automatisierung der Warenströme lässt sich die Effizienz der Logistik deutlich steigern. Prozesse werden beschleunigt, die Durchlaufzahlen erhöht und Kosten reduziert. Darüber hinaus fallen durch die Automatisierung beschwerliche und unergonomische Arbeitsschritte weg, was wiederum den Mitarbeitern zugutekommt. „Indem wir die Logistikprozesse optimieren, können wir Almarai klare Wettbewerbsvorteile verschaffen“, sagt Urs Hofer, Projekt Manager bei Swisslog. Für Almarai verantwortet der Automatisierungsspezialist mehrere Fertigwarenlager auf Palettenbasis und ein vollautomatisiertes Kommissionier- und Warenverteilzentrum. Bis 2020 soll das Mammut-Projekt abgeschlossen sein. In fünf Teilprojekten wird Swisslog die Intralogistik-Systeme in den verschiedenen Fabriken implementieren; Schritt für Schritt, damit der laufende Betrieb aufrechterhalten werden kann.

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Der Millionen-Auftrag umfasst die Lieferung und Installation von Regalbediengeräten, Förderanlagen, Kühlwagen (Automatic Reefer Loading System, ARLS), Systemen zur automatischen LKW-Beladung, automatischen Kommissioniermodulen von Kuka sowie elektrischen Hängebahnsystemen (Monorails). Zum Gesamtpaket gehört auch die passende Software, mit der Materialflüsse und Daten intelligent und effizient gesteuert werden können – entsprechend der Anforderungen von Almarai integriert Swisslog das Lagerverwaltungssystem von SAP, SAP EWM (Extended Warehouse Management).

Neues Logistikzentrum soll 2018 eröffnen

Dreh- und Angelpunkt der Automatisierung wird ein in Teilen neu errichtetes Logistikzentrum (Consolidation Facility) sein, das im Frühjahr 2018 in Betrieb gehen wird. Es bietet Platz, artikelreine Ganzpaletten zwischenzulagern, Kundenpaletten zu kommissionieren und versandfertig zu machen – größtenteils ohne aufwändige Handarbeit. Der gesamte Warenfluss wird in einem Tag komplett umgeschlagen. Deshalb ist jeder Bereich des Logistikzentrums gekühlt, so dass alle Waren dort zeitnah verarbeitet werden können.

Ein Hängebahnsystem fördert Paletten innerhalb des ausgedehnten Almarai-Produktionskomplexes. Allein im Logistikzentrum sind 40 Monorail-Trolleys im Einsatz. (Bild: Kuka/Swisslog)

Die Consolidation Facility befindet sich in unmittelbarer Nähe zu den Fertigungsgebäuden, in denen unterschiedliche Güter hergestellt oder verarbeitet werden. Diese Waren – von Milchprodukten und Babynahrung bis hin zu Säften – kommen zunächst in die jeweiligen Produktionslager oder gehen von dort weiter in das zentrale Verteilzentrum. Im Erdgeschoss des Logistikzentrums werden die Paletten ins Hochregallager zur Zwischenlagerung transportiert. In der Auslagerung im ersten Stock kommissionieren drei Kuka-Anlagen an sechs Stationen die artikelreinen Paletten zu Kundenpaletten.

Durchsatzstarkes Kommissionieren

Die Kommissionierstationen sind zentral für die Warenzusammenstellung. Alle artikelreinen Paletten durchlaufen die Kuka-Anlagen, wo sie entsprechend des Kundenauftrags auf Versandpaletten umgepackt werden. In den Anlagen sind zwei Roboter für die in Schutzfolie verpackten Kartonschachteln (Cases) mit kleineren Flaschen und Tetrapaks bis 300 Milliliter verantwortlich, vier weitere Roboter übernehmen die größeren Getränkekisten (Crates). Die Cases werden in Lagen über die von Swisslog konzipierte Fördertechnik stapelweise in Reichweite des jeweiligen Roboters gebracht. Dieser nimmt jeweils eine ganze Lage mithilfe eines Sauggreifers auf und legt sie auf eine vom übergeordneten SAP EWM vorgegebene Position innerhalb des Flächenpuffers ab. Dabei arbeitet der Roboter nicht starr von einer Position aus. Die Anlage besteht aus einem Flächenportal mit zwei eigenständigen Portalen, von denen jeder einem eigenen Bereich von je 15 Metern besitzt.

Im Fall einer anstehenden Wartung kann jedes Portal die Aufgabe des jeweiligen anderen Portals übernehmen. Zudem kann er in Höhen bis zu 2,5 Metern arbeiten und sich auf einer Drehachse um 180 Grad um die einzelnen Lagen bewegen. Die Crates werden mithilfe eines mechanischen Greifers durch den Roboter gegriffen – ein sensibler Job, sind doch viele der Plastikkisten bei der Auslieferung der Waren enormem Verschleiß ausgesetzt.

Das automatische Regalbediengerät Vectura von Swisslog sorgt für das zuverlässige Handling von Paletten im Almarai-Hochregallager. (Bild: Kuka/Swisslog)

Angekoppelt an die automatisierten Stationen ist ein manueller Arbeitsbereich. Ein Almarai-Mitarbeiter entfernt beispielsweise die Schutzfolien oder entnimmt einzelne Kisten, wenn weniger als eine komplette Lage auf die Palette geladen werden soll. Sind die Kundenpaletten fertig, werden sie zum Swisslog-Hochregallager transportiert und dort zwischengelagert, bis die Bestellung komplett ist. Vom Hochlager gelangen die Kundenpaletten via Fördertechnik und Monorail-Systemen in die Bereitstellungszone, wo sie auf Lastwagen geladen werden. Der ganze Prozess geschieht vollautomatisch und ist gesteuert von der Swisslog Warehouse Management Software. Dadurch ist stets nachvollziehbar, welche Artikel sich wo genau im Logistikzentrum befinden und den höchsten regulatorischen Anforderungen bezüglich Lebensmittelverarbeitung und -handling werden Rechnung getragen.

Lieferketten-Verwaltung und Wartung

Um alle Lager- und Kommissioniersysteme exakt aufeinander abzustimmen, vertraut Almarai auf das Know-how von Swisslog als langjährigem Schnittstellen- und Service-Partner von SAP. Zur Steuerung sämtlicher Warenbewegungen wird Swisslog die Lagerverwaltungssoftware auf Basis des SAP-Lagerverwaltungsmoduls EWM aufsetzen. Das System unterstützt den planmäßigen und effizienten Ablauf aller logistischen Prozesse innerhalb des Almarai-Lagers. Steuerungen für Regalbediengeräte, Monorails, Förderanlagen oder Roboter können nahtlos an die SAP-Ebene angebunden werden. Dynamische Simulationen ermöglichen, sämtliche Daten vom Warendurchsatz bis hin zur Systemleistung zu visualisieren und zu optimieren.

Damit der Betrieb der neuen Logistik reibungslos funktioniert, nutzt Almarai zusätzlich das System Operation-Servicekonzept von Swisslog. Es beinhaltet die Betreuung des Almarai-Wartungsteams durch Service-Techniker von Swisslog vor Ort, sieben Tage die Woche, rund um die Uhr. Möglich ist künftig auch der direkte Draht zu ausgebildeten Swisslog-Fachkräften über die Hologramm-Brille „Hololens“, mit deren Hilfe die Anlagen gewartet werden können. Dabei lässt sich etwa ein Videochatfenster mit dem Techniker ins Blickfeld des Werkers einblenden. Der Techniker bekommt dabei einen Einblick in die Anlage und kann den Werker entsprechend anleiten. as

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