Sprachgesteuerte Kommissionierung

Freie Hände, freie Sicht

RS Components kommissioniert mit Sprachtechnologie von Honeywell Vocollect voice Solutions. Hiermit schaffen die Kommissionierer 70 Picks pro Stunde – und übertreffen die frühere Methode mit Picklisten um rund 17 Prozent.

Die Kommissionierer befüllen an den einzelnen Stationen pro Stunde bis zu 1.400 Wannen.

In Bad Hersfeld sind Arbeitskräfte knapp. Die heimliche Logistikhauptstadt in der Mitte Deutschlands beeindruckt mit annähernder Vollbeschäftigung, so dass die ortsansässigen Unternehmen im Wettbewerb um gute Mitarbeiter stehen. Vor diesem Hintergrund setzt das deutsche Distributionszentrum von RS Components auf bestmögliche Ergonomie, maximale Sicherheit und Entscheidungsfreiheit. Dies gilt besonders für die mehr als 90 Kommissionierer, die hier den größten Teil der Belegschaft stellen. In drei Schichten kommissioniert die Mannschaft rund 6.000 Lieferungen mit Elektronik, Automations- und Steuerungselementen, Werkzeugen und Verbrauchsmaterialien, die üblicherweise am nächsten Tag bei den Kunden eintreffen. Mehrere Hundert Positionen aus dem Sortiment von RS Components stammen von Honeywell. Die Palette reicht von diversen Mikro- und Endschaltern über Hall-Effekt-Sensoren, Rollenstößel bis hin zu Handschuhen. Damit gilt RS Components als einer der großen und wichtigen Distributoren von Honeywell.

Bessere Arbeitsbedingungen

Jede Bestellung wird in einer oder mehreren Kunststoffwannen zusammengestellt, die auf Rollen- und Gurtförderern mit einer Gesamtlänge von 2,2 Kilometern durch die verschiedenen Lagerbereiche fahren. Pro Stunde werden hier bis zu 1.400 Wannen bewegt, die an den einzelnen Stationen gestoppt und von den Kommissionieren befüllt werden. Für eine weitere Verbesserung der Arbeitsbedingungen sowie mehr Qualität und Leistung entschied sich RS Components bereits 2014 für das Umstellen der Kommissionierprozesse von Papierlisten auf Pick-by-Voice. „Wir wollten, dass unsere Mitarbeiter beim Picken beide Hände und das Blickfeld frei haben und sich somit besser auf die eigentliche Arbeit konzentrieren können“, berichtet Markus Schmerer, der bei RS in Bad Hersfeld das operative Geschäft verantwortet.

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Talkman nach Wahl

Die Wahl fiel auf eine Lösung von Honeywell Vocollect voice Solutions, die Dematic implementiert hat. Für Honeywell sprachen unter anderem die guten Erfahrungen, die der Distributor mit den Komponenten und Produkten des amerikanischen Mischkonzerns bereits gesammelt hatte.

Die Voice Console liefert einen Überblick über die aktuellen Nutzer der Voice-Geräte und die Anwendungsart. (Bilder: Honeywell)

Im Juni 2015 stand die neue Technik bereit. Vorausgegangen war eine rund viermonatige Projektphase, bei der vor allem die Schnittstellen zwischen dem Lagerverwaltungssystem (LVS) Sicalis, der Spracherkennungs-Software Voice Catalyst und der Voice Console von Honeywell geschaffen wurden. Die Voice Console ist eine browserbasierte Anwendung zur Verwaltung von Geräten, Arbeitskräften und Konfigurationseinstellungen sowie zur Systemdiagnose. Sie unterstützt verschiedene Betriebssysteme, Datenbanken und Browser. Managementfunktionen für Geräte und Bediener geben einen Überblick darüber, wer gerade Voice-Geräte einsetzt und welche Anwendungen auf den Geräten jeweils laufen. Zudem können neue Benutzerprofile angelegt und angepasst werden.

Kommissionierqualität gestiegen

Die Kommissionieraufträge werden direkt aus dem LVS via WLAN an das Sprachsteuerungsgerät – den so genannten Talkman – gesendet. Dort wandelt die Software Voice Catalyst die Informationen in Sprachbefehle um, die dann per Bluetooth zum Headset des Mitarbeiters gesandt werden. Bei RS Components sind zwei verschiedene Talkman- und Headset-Typen im Einsatz, unter denen die Mitarbeiter jeden Tag frei wählen können. Den größten Anteil haben die Talkman-Geräte vom Typ A730 mit integriertem Scanner und kabellosem Headset; hiervon stehen insgesamt 28 Einheiten zur Verfügung. Hinzu kommen fünf Talkman-Geräte vom Typ A720 mit kabelgebundenem Headset.

Die Kommissionierleistung ist um rund 17 Prozent gegenüber früher gestiegen. Hierzu trugen unter anderem die schnelleren Prozesse bei Minder- oder Fehlmengen am Entnahmeort bei. Schneller als früher geht auch die Einarbeitung vonstatten. Mit der Sprachsteuerung ist auch die Qualität gestiegen: Der Fehlerindex verbesserte sich nochmals von 99,7 auf jetzt 99,9 Prozent.

Nicht zu vernachlässigen ist auch der „Wohlfühlfaktor“ der Belegschaft: Die Kommissionierer können sowohl zwischen den verschiedenen Talkman-Modellen wählen als auch die Feinheiten der Prozesse bestimmen. Dafür stehen sogenannte „Task-Pakete“ bereit, die der Mitarbeiter im Sprachdialog festlegen kann. So kann sich zum Beispiel jeder Mitarbeiter aussuchen, ob die Lagerortadressen in Form einzelner Buchstaben (N) oder gemäß Funkalphabet (Nordpol) in Worten angesagt werden. Außerdem stehen für sämtliche Abläufe bebilderte Anleitungen oder „Helpcards“ zur Verfügung. Die Task-Pakete werden fortwährend verbessert. Änderungen und Anpassungen der Task-Pakete übernimmt Projektbegleiter Dematic; die Materialfluss-Experten hatten bereits das 2003 eröffnete Distributionszentrum geplant und gebaut.

pb

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