Shuttle- und Lagertechnik

Was der Zahnarzt so braucht

Dürr Dental ist Entwickler und Herstellung von Zahnmedizintechnik. Für das neue Logistikzentrum lieferte Bito die Regal- und Lagertechnik sowie das batteriebetriebene, ferngesteuerte Kanalfahrzeug Promotion Shuttle. 

Das Kleinteilelager: Die Stückgut-Durchlaufregalsysteme werden von hinten bestückt, von vorn kann der Mitarbeiter die Teile entnehmen. Der Nachlauf der Behälter erfolgt selbstständig.

Fast jeder, der beim Zahnarzt auf dem Behandlungsstuhl sitzt, kommt mit Produkten von Dürr Dental in Kontakt. Zum Produktprogramm des Anbieters dentaler Medizintechnik aus Bietigheim-Bissingen gehören Druckluft- und Absaugtechnologien sowie digitale Röntgensysteme. Von den 430 Mitarbeitern am Standort beschäftigen sich rund 150 mit Forschung und Entwicklung. Die im benachbarten Kornwestheim sitzende Tochter Orochemie stellt Hygienepräparate her, eine Filiale in Gechingen bei Calw kümmert sich um den immer wichtiger werdenden Markt für bildgebende Systeme. Weltweit beschäftigt das Unternehmen etwa 1.000 Mitarbeiter. 2013 wurde die Lagerhalle durch ein Feuer vollständig zerstört – der Schaden war verheerend. „Wir haben die Reste der Lagerhalle abgerissen, dafür Zelte errichtet und schon zwei Tage nach dem Brand unter stark erschwerten Bedingungen weiterproduziert“, blickt Produktions- und Logistikleiter Thomas Strobel zurück. Die Arbeiten für ein neues Gebäude beginnen 2014, im Sommer 2015 kann das Unternehmen den modernen Bau mit einer Fläche von 7.500 Quadratmetern einweihen. Er beinhaltet Verwaltung, Montage und Logistik, das Rechenzentrum, ein Betriebsrestaurant und sogar ein Fitnessstudio.

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Eine Chance des Neubeginns war die Verbesserung der Warenflüsse innerhalb des Betriebs, zum Beispiel die Versorgung der Montagearbeitsplätze sowie die Auslieferung der fertigen Produkte und Systeme. Im alten Gebäude befanden sich überwiegend statische Palettenregale, nun sollten effizientere Lager- und Kommissionierlösungen zum Einsatz kommen. Dürr Dental entschied sich für Bito-Lagertechnik: Der Komplettanbieter aus Meisenheim lieferte und installierte verschiedene Regallösungen wie Kragarm-, Stückgut- und Paletten-Durchlaufsysteme.

„Entwicklung und Montage befinden sich bei uns im Haus“, sagt Strobel. „Die einzelnen Teile lassen wir fast ausschließlich von externen Partnern fertigen.“ Im Haus selbst werden lediglich Bleche, Dreh- und Frästeile bearbeitet. Kommen die Zuliefer-Komponenten, deren Gewichte und Größen sehr unterschiedlich sind, am Wareneingang an, werden diese geprüft und sortiert. „Etwa 80 Prozent der A- und B-Artikel lagern wir im neuen Logistikzentrum, der Rest wandert direkt zu den Kollegen in die Montage“. C-Artikel kommen in eine ältere Halle gleich gegenüber auf der anderen Straßenseite.

Für Kleinteile befinden sich im neuen Logistikzentrum mehrere Stückgutdurchlaufregalsysteme (SDS) mit Platz für mehrere tausend Behälter. Fertiger aus der Umgebung liefern die Produkte oft in Boxen; das erleichtert die Arbeit deutlich; das Umpacken aus Kartons entfällt. Benötigt die Produktion entsprechende Teile, entnehmen die Werker den kompletten Behälter und bringen ihn an die Arbeitsplätze. Auch dort befinden sich SDS. Diese werden von hinten bestückt, und von vorn kann der Mitarbeiter die Teile für die Montage entnehmen – die Artikel sind durch den selbstständigen Nachlauf der Behälter stets greifbar.

Bei den Großgebinden bestand die Herausforderung darin, leichte, großvolumige Komponenten wie geschäumte Gehäuse für Drucklufterzeuger oder Saugmaschinen nach dem Li-Fo-Prinzip (Last in, Firstout)zu handhaben. Die passende Lösung hierfür ist das batteriebetriebene, ferngesteuerte Kanalfahrzeug Promotion-Shuttle. Dürr Dental erreicht damit eine hohe Warenverfügbarkeit, und die vorhandene Fläche lässt sich optimal nutzen. Gegenüber Standard-Regallagern mit nur einer Ladeeinheit pro Fach kommen Kanallager auf eine höhere Packungsdichte. Allein der Raum- oder Volumenanteil für Bediengassen fällt deutlich geringer aus. Im Vergleich zu Paletten-Durchlaufregalen lässt sich mit dem Shuttle-System die Höhe des Lagers besser nutzen. Je länger der Kanal ist, desto mehr wirkt sich das aus. Beim Paletten-Durchlaufregal besteht ein Gefälle von vier Prozent. Das heißt: Nach 25 Metern Tiefe ist rechnerisch ein Meter verloren. Beim Shuttle-Lager wirkt sich dagegen die Tiefe des Kanals nicht auf die Höhe der Anlage aus, denn die Schienen werden waagerecht in den Kanälen angebracht. Die Anlage ist insgesamt 14,6 Meter breit, knapp acht Meter tief und etwa zehn Meter hoch. „Wir lagern zehn Paletten nebeneinander, zwölf hintereinander und je nach Höhe der Produkte drei oder vier übereinander“, beschreibt Strobel. Insgesamt hat die Anlage eine Kapazität von 420 Stellplätzen.

Produktions- und Logistikleiter Thomas Strobel. (Fotos: Bito)

Bito hat das Promotion-Shuttle mit einem umfangreichen Sicherheitspaket ausgestattet. An den Stirnseiten ist jeweils ein Personen-Laserscanner angebracht, der in Fahrtrichtung Körper und Gegenstände erkennt. Auf der Stirnseite befindet sich zudem ein Not-Aus-Schalter. Damit das Fahrzeug nicht aus dem Regal fällt, misst ein Sensor den Abstand zum Kanalende. Etwa 80 Zentimeter davor wird es langsamer, automatisch schaltet sich ein induktiver Sensor ein, der sich am Metall des Regals ausrichtet. Das Shuttle ist zudem mit einem Paletten-Überhangsensor ausgestattet. Dieser setzt ein, wenn die Palette schief gepackt ist und die Ware über den Ladungsträger ragt. Der Sensor erkennt den Überhang und stoppt das Kanalfahrzeug entsprechend früher, damit der erforderliche Abstand zwischen den Waren immer eingehalten ist. „Mit dem Shuttle haben wir jetzt eine sehr effektive Lösung im Einsatz“, ist Strobel überzeugt. Aktuell kommt der Betrieb mit einem Fahrzeug gut zurecht. Bewegt wird dieses etwa 20 bis 30 Mal am Tag.

Andere Großgebinde, die seltener umgeschlagen werden, sind in einem Palettenregalsystem vom Typ Pro aufbewahrt, das sich direkt gegenüber der Shuttle-Anlage befindet. Aufgeteilt ist die Anlage in zwei Einfach- und drei Doppelregalreihen. Diese haben Gesamtbreiten von 14 bis 17 Metern, sind acht Meter hoch und bieten Platz für knapp 900 Paletten. Ausgestattet sind sie mit Gangzeilenschildern, Stellplatznummerierungen sowie Tiefenauflagerahmen mit Durchschubsicherung.

Für rollfähige A-Artikel gibt es Paletten-Durchlaufregale, mit denen sich das Fi-Fo-Prinzip (First in – First out) einfach umsetzen setzen lasst. Denn die Ladeeinheiten rücken selbstständig bei Entnahme durch den Gabelstapler nach. Durch den ausreichenden Nachschub werden Leerzeiten beim Kommissionieren vermieden. Die kompakte Anordnung der Durchlaufkanäle neben- und übereinander führt zudem zu einer hohen Lagerdichte.

pb

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