Rohrlager verkürzt Lieferzeiten

Durchgängiger Materialfluss

Um den steigenden Anforderungen des Stahlmarktes gerecht zu werden, konsolidierte Benteler Distribution International mehrere deutsche Lagerstandorte im Zentrallager in Duisburg. Mit Kasto entstand dort das größte Rohrlager Europas. 

Das Benteler-Zentrallager ist das größte Rohrlager in Europa. Herzstück sind zwei Regalbediengeräte in Portalbauweise, die jede Kassette vollautomatisch ein- und auslagern. (Bild: Kasto)

Im Stahlhandel gehören zunehmend kleinere Losgrößen, individuelle Aufträge und kurze Lieferzeiten in den meisten Betrieben zum Alltag. Auch der Wunsch nach bereits angearbeitetem Material ist mittlerweile Standard. Klassische Stahlhändler entwickeln sich deshalb oft zu Komplettanbietern, die für ihre Kunden sämtliche Aufgaben von der Beschaffung über die Bevorratung und verschiedene Bearbeitungsschritte bis zur termingerechten Anlieferung übernehmen. Um das zu schaffen, sind zeit- und kosteneffiziente Prozesse existenziell, gerade auch in der Intralogistik: Die Abläufe zwischen Warenein- und -ausgang bieten Handelsunternehmen ein gewaltiges Potenzial, um ihre Lieferzeiten zu verkürzen, Fehler bei der Kommissionierung und der Auslieferung zu vermeiden, ihre Lagerkapazitäten und damit ihr Sortiment zu vergrößern und gleichzeitig die Bestandstransparenz zu wahren. Ein Beispiel dafür liefert Benteler Distribution International mit dem neuen Zentrallager am Duisburger Hafen. Das Unternehmen mit 53 Standorten in 29 Ländern beliefert rund 15.000 Kunden in aller Welt, die meisten davon in Europa. Das erfordert ein umfassendes Vertriebs- und Logistiknetzwerk, enge Beziehungen zu den Lieferanten, ein breites Produkt- und Dienstleistungsportfolio sowie hohe Verfügbarkeit und kurze Lieferzeiten.

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Das Zentrallager in Duisburg ist der wichtigste Knotenpunkt: Auf einer Fläche von 35.000 Quadratmetern bietet es Platz für rund 27.000 Tonnen Material – in sämtlichen Längen, Durchmessern und Beschaffenheiten. Die Kunden stammen unter anderem aus dem Maschinenbau, der Hydraulikzylinderproduktion, der Automotivebranche, dem Energiesektor, der Gesundheits- und Konsumgüterindustrie, der Baubranche oder dem Handel. Entsprechend umfangreich ist das Sortiment: von nahtlosen und geschweißten Präzisionsstahlrohren über Zylinderrohre und Kolbenprodukte, Dick-, Normalwand- und Drehteilrohre, Hohlprofile, Kessel- und Wärmetauscherrohre bis hin zu Edelstahl- und Leitungsrohren.

Bis vor kurzem hatte der Standort Duisburg nur die Hälfte der heutigen Lagerkapazität. Weitere Lager waren dezentral über mehrere Standorte verteilt. Wenn ein Kunde eine Bestellung mit unterschiedlichen Artikeln aufgab, konnte es sein, dass Teile aus verschiedenen Lagern zusammengeführt werden mussten. Auch der Bestandsüberblick war problematisch. Die Entscheidung fiel daher darauf, mehrere Standorte im Zentrallager Duisburg zu konsolidieren. Dazu war jedoch eine deutliche Kapazitätssteigerung erforderlich. Kasto installiert für das neue Zentrallager das Wabenlagersystem Typ Unicompact 3.5. mit 120 Metern Länge, 25 Metern Höhe, 15.000 Quadratmetern Lagerfläche und 10.000 Systemkassetten. Es ist nun das größte Rohrlager in ganz Europa – und damit für beide Seiten ein echtes Vorzeigeobjekt. 15.000 Tonnen Material mit bis zu acht Metern Länge finden darin Platz. Aufbewahrt werden die Rohre in Kassetten, die ein Gewicht bis 3,5 Tonnen tragen. Herzstück des Lagers sind zwei Regalbediengeräte (RBG) in Portalbauweise, die jede Kassette auf Knopfdruck vollautomatisch ein- und auslagern. Mit diesem Ware-zum-Mann-Prinzip lassen sich Aufträge schnell und ergonomisch abwickeln.

Die Hochregalanlage ist in einen durchgängigen Materialfluss eingebunden: Auf der Längsseite befinden sich drei Einlagerstationen, welche die Lieferanten direkt mit dem Lkw anfahren können. Zum Handling des angelieferten Materials stehen zwei Deckenkräne zur Verfügung. Damit befördern die Mitarbeiter die Rohre in die Systemkassetten, die anschließend von den RBG in ein passendes freies Lagerfach transportiert werden. Das Lager ist in drei unterschiedliche Bereiche gegliedert – weil Edelstähle und Kohlenstoffstähle wegen Korrosionsgefahr nicht direkt beieinander gelagert werden dürfen. Die intelligente Lagerverwaltungs-Software Kasto-lvr sorgt dafür, dass jedes Material im dafür vorgesehenen Bereich landet. Zudem ermöglicht sie Benteler jederzeit den Überblick über Position und Inhalt jeder einzelnen Kassette. Das bedeutet maximale Bestandstransparenz und hilft, Fehler bei der Kommissionierung und der Auslieferung zu vermeiden.

Auf der gegenüberliegenden Seite des Lagers schließt nahtlos die Produktionshalle an. Über eine von zehn Auslagerstationen gelangt das Material entweder zu den Bearbeitungsmaschinen oder wird gleich für den Versand kommissioniert. Der Maschinenpark umfasst Hochleistungs-Kreis- und Bandsägemaschinen für alle Materialien und Dimensionen, Entgratungsmaschinen, Bündelungsanlagen sowie Horizontalwickler und Schrumpfhaubenanlagen. Von dort geht es ohne Umwege in den Warenausgang, die Lkw docken direkt an die Halle an. Dieser nahtlose Ablauf verringert die Durchlaufzeiten und die Fehleranfälligkeit deutlich. Auch auf IT-Ebene ist das neue Lager eingebunden: Kasto entwickelte hier eine Schnittstelle zwischen dem Lagerverwaltungssystem und der unternehmensweit eingesetzten Software-Suite von SAP. Um die Einführung zu erleichtern, wurde diese zunächst an der kleineren, bereits bestehenden Anlage getestet.

Die Bauzeit des kompletten Lagerkomplexes betrug lediglich ein Jahr. Im Oktober 2015 ging die Anlage in Betrieb, mittlerweile läuft sie im Drei-Schicht-Betrieb rund um die Uhr. Rund 50 Lkw docken jeden Tag an den Toren des Warenein- und -ausgangs an.

pb

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