Lagerlifte

Auf der Höhe der Zeit

In den 50er Jahren begann Hänel mit Lösungen für die Akten- und Materialbereitstellung. Heute gehört das Unternehmen in Bad Friedrichshall zu den weltweit führenden Herstellern von Lager- und Organisations-Systemen und ist in 60 Ländern vertreten. Über die Hintergründe dieses Erfolgs sprach handling-Chefredakteurin Petra Born mit dem Geschäftsleiter Joachim Hänel.

Geschäftsführer Joachim Hänel im Gespräch mit handling.

Herr Hänel, wessen Idee war es eigentlich, Lagersysteme in die Höhe zu bauen?

Hänel: Die Idee, in die Höhe zu lagern, ist wohl schon fast so alt wie die Menschheit selbst. Die Waren aber automatisch wieder in ergonomischer Höhe zur Verfügung zu stellen, wurde hauptsächlich in den 1950er Jahren entwickelt. Mein Vater Gerhard produzierte bereits 1957 als erster Hersteller in Europa serienmäßig Büropaternoster und war somit einer der Pioniere dieser Technik. In den 70er Jahren wurde diese Technik dann auch für Industrieanwendungen adaptiert. Hier konnte durch die meist hohen Hallen sehr viel Grundfläche eingespart werden. Deutschland ist das Land mit der höchsten Anzahl an Lagerliften absolut und relativ zur Größe der Bevölkerung. Dies ist auf die beengten Platzverhältnisse zurückzuführen. In den 90er Jahren hat Hänel den Lean-Lift mit Vertikallift-Technologie entwickelt, um die Produktpalette für die Industrie abzurunden.

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Sie bauen vier Vertikallift-Typen – den Lean-Lift, den Multi-Space, den Rotomat und den Lockomat – allerdings in unterschiedlichen Varianten und mit diversen Finessen. Ist trotzdem jede einzelne installierte Lösung ein individuelles Produkt?


Hänel: Jede Intralogistiklösung von Hänel ist so individuell, wie es auch die Kunden sind. Wir sind zwar Serienhersteller, unsere Produkte sind aber durch ihre modulare Bauweise flexibel an die Anforderungen des Kunden anpassbar. Die Spezialisten aus unserem Hause entwickeln zusammen mit den Kunden die jeweils optimale Lösung, um die maximale Effizienz zu erreichen. Ähnlich wie beim Kfz lassen sich die in Serienfertigung hergestellten Lifte durch intelligente Zusatzoptionen ausrüsten. So gleicht fast kein Lift dem anderen. Unsere Produktfamilie hat sich stark erweitert und wird dies auch in Zukunft weiter tun. Die Hänel-Lagerlifte sind Basis für eine intelligente Intralogistik. Durch die zahlreichen Zusatzoptionen lassen sich diese dann optimal auf die Bedürfnisse und Anforderungen der jeweiligen Lagersituation zuschneiden. Unsere Leistungen beschränken sich daher nicht nur auf die reine Lieferung und Installation von Lagersystemen, sondern auch bei der Beratung und Konzeption von Intralogistiklösungen ist das umfangreiche Know-how unserer Spezialisten gefragt.

Ihre Grundidee ist, dass nicht der Mensch zur Ware gehen muss, sondern die Ware zur Bedienperson kommt – welche Branche haben Sie noch nicht erobert?

Hänel: Die Bereiche, in denen unsere Lagerlifte eingesetzt werden, sind nahezu unbegrenzt. So stehen etwa Hänel-Lagerlifte bei Airbus, Boeing, der ESA und der NASA, bei fast allen deutschen Autokonzernen, bei Bosch, Siemens, Coca-Cola, ABB, BASF und Nestlé – um nur ein paar wenige zu nennen. Täglich kommen neue Branchen und Anwendungen hinzu, mit denen man gar nicht rechnet. So werden in 20 Hänel-Rotomat-Lagerliften beim Los Angeles Police Department (LAPD) Beweismittel gelagert, zum Beispiel auch vom O.-J.-Simpson-Prozess. Beim US Patent and Trademark Office (US-Patentamt) in Pennsylvania sind in 127 Hänel-Liften unter anderem auch die Hänel-Patente sicher verwahrt. Beim Familienweingut Antinori in Italien lagern in Hänel-Lagerliften Weinetiketten, bei der Pariser U-Bahn Metro Ersatzteile oder bei der Firma Steiff der berühmte Knopf für die Ohren der Plüschtiere. Auch für die Air Force One, dem Flugzeug des amerikanischen Präsidenten, werden Ersatzteile in mehreren Hänel-Lean-Liften gelagert. Und dies ist nur ein kleiner Auszug aus der Vielfalt unserer Kunden und Anwendungen weltweit.

Mit welchen technologischen Details statten Sie Ihre Lifte aus für die Ansprüche eines vernetzten oder gar autonomen Materialflusses? Konkret: Wie passt sich Hänel der Industrie-4.0-Entwicklung an?

Hänel-Werk und Democenter in Bad Friedrichshall.

Hänel: Den Anspruch, eine digitalisierte Intralogistik umzusetzen, verfolgen wir bereits seit vielen Jahren – und nicht erst, seit unter dem Begriff Industrie 4.0 die Digitalisierung der Industrie in aller Munde ist. Hänel bietet schon lange eine sehr effiziente Steuerungs- und Software-Technologie, mit der die Hänel-Lagerlifte in unterschiedlichste Intralogistiklösungen eingebunden werden können. Bereits seit den 80er Jahren können Hänel-Steuerungen in EDV-Systeme eingebunden und Daten ausgetauscht werden. Diese Erfahrung in Sachen Einbindung von Lagerliften in unterschiedlichste Netzwerkumgebungen macht Hänel heute zu einem der führenden Anbieter in seiner Branche. Heute sind die unterschiedlichen Hänel-Steuerungen wahre Teamplayer im Netzwerk. Vier unterschiedliche Betriebsarten sind in unseren MP12N-Steuerungen bereits standardmäßig integriert und bieten ideale Voraussetzungen, um die Hänel-Lagerlifte in jede erdenkliche EDV-Lösung zu integrieren. Ein Beispiel ist etwa die Unterstützung nahezu aller ERP-Systeme mittels unserer SOAP-Schnittstelle.

Welche Neuigkeiten kommen 2016 aus Ihrem Haus?

Hänel: Ganz im Sinne des Mottos „Smart Supply Chain Solutions“, was Leitsatz der diesjährigen Cemat war, haben wir in diesem Jahr den Fokus auf die digitale Vernetzung in der Intralogistik gelegt. Wir haben deutlich gemacht, dass wir einer der Vorreiter in unserer Branche beim Thema Einbindung von Lagerliften in EDV-Umgebungen sind und die Intralogistik noch effizienter gestalten können. Premiere hatte etwa unsere Steuerung MP14N mit optimalem Bedienkomfort dank des Zwölf-Zoll-Touchscreen-Displays. Auch die Lagerverwaltungssoftware Hänelsoft haben wir in der neuesten Version vorgestellt.

In welcher Hinsicht sehen Sie künftiges Entwicklungspotenzial?

Hänel: Die vielen Vorteile der Hänel-Lagersysteme, die offene Struktur der Hänel-Steuerungstechnologie und die leistungsstarken Prozessoren bieten heute schon die Voraussetzungen, um den Anforderungen von morgen gerecht zu werden. Unsere Schnittstellen ermöglichen es, eine effiziente Integration unserer Lagerlösungen zu garantieren. Wir sind mit unserer Technologie dem derzeitigen Standard in der Industrie voraus und werden dies auch in Zukunft weiter sein, da unsere Entwickler fortlaufend an zukunftsweisenden Lösungen arbeiten. Erfolg bringt die ganze Digitalisierung aber nur dann, wenn sie den Menschen dient, die diese einsetzen. Und dies ist das Erfolgsrezept, welches wir auch in den nächsten Jahren verfolgen werden.

Herr Hänel, besten Dank für das Gespräch!

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