Transportlogistik (Fachartikel 1)

Wirtschaftlichkeit und technische Kompatibilität

Telematiksysteme im Gütertransport
Erst die militärisch genutzte Ortung von mobilen Objekten auf der Grundlage des Einsatzes von Satelliten eröffnete die Möglichkeit, auch Objekte unabhängig von vorher definierten Aufenthaltsorten der Erfassung bezüglich ihrer zeitlichen und räumlichen Eigenschaften zu beschreiben. Die Anbringung von Transpondern (Transmitter + Responder) an beweglichen Ladegefäßen zur Sendungsverfolgung von Containern und Bahnwaggons sowie die Ortung von Last- und Personenkraftwagen mittels GPS-Antennen zum Zwecke des Tracking und Tracing war dann entwicklungstechnisch gesehen nur eine logische Konsequenz.

Für den Einsatz von Telematiksystemen im Straßen- oder Schienengüterverkehr benötigt jedes Fahrzeug Peripheriegeräte, um die Daten aufnehmen und weitergeben zu können. In vielen Systemen findet man Bordcomputer (mit angeschlossenem GPS-Empfänger, GSM-Handy, Handheld-Computer, Barcode-Scanner, Drucker). Hierbei muss darauf geachtet werden, dass eine Schnittstelle zwischen Fahrzeug und Bordcomputer existiert.

Die Schnittstelle kann über CAN-Bus erfolgen, der eine Verbindung zwischen Sensoren und Bordcomputer bildet und somit eine Erfassung und Bündelung von Daten ermöglicht. Verschiedene System­anbieter haben hierzu gemeinsame Schnittstellenprotokolle entwickelt, um eine Kompatibilität zwischen den in der Regel fahrzeugabhängigen Systemen zu ermöglichen. Es ist hierbei zu beachten, dass der Einsatz von Bordcomputer-Systemen einen großen Funktionsumfang hat, da nahezu alle Informationen von Unternehmen aus eingesehen und gegebenenfalls sogar kontrolliert und gesteuert werden können. Die Übertragungsart kann hierbei sowohl über Global Standard for Mobile Communications (GSM)-Netz, Satellitenkommunikation als auch Global Positioning System (GPS)-Ortung erfolgen.

Anzeige

Des Weiteren werden einfache kostengünstige Mobilfunktelefon-Lösungen gerade in KMU (kleinen und mittelständigen Unternehmen) angewandt, um Kosten zu sparen und einen Einstieg in die Telematik zu bekommen. Die Daten – Standort oder Auftragsdaten – werden über Wireless Application Protocol (WAP) oder Short Message (SMS) übertragen, wobei beides GSM-gestützte Lösungen über Handy sind, die nicht für alle Anwendungsfelder der Telematik einsetzbar sind, jedoch die Möglichkeit bieten, internetbasierte Daten dem Kunden zur Verfügung zu stellen.

Anwendungen im Straßengüterverkehr

Für die Transportlogistik, speziell im Straßengüterverkehr, gibt es zahlreiche Anwendungen der Telematik. Wichtige Applikationen sind das Auftragsmanagement und die Transportplanung sowie das Flottenmanagement und die technische Fahrzeugüberwachung. Zwischen der Auftragsannahme und der Transportdurchführung lassen sich Softwaresysteme wie elektronische Disposition, Tourenplanung oder Auftragsverwaltung einordnen, die sich auf Telematikanwendungen stützen. Beispielsweise können Änderung der Daten des Auftrages (wie Bestimmungsort) in Echtzeit über Telematik an das Softwaresystem im Unternehmen übertragen und berücksichtigt werden. Ein wesentlicher Zusammenhang besteht zwischen den Instrumenten der Tourenplanung und der Telematik, da sich Standortänderungen der Fahrzeuge direkt durch den Fahrer in das System (zum Beispiel Map & Guide) einpflegen lassen.

Bei der Sendungsverfolgung kann mit Hilfe von sogenannten Tracking & Tracing-Systemen der zeitliche Ablauf eines Transportes erfasst und als Kundeninformation weitergegeben werden. Hierbei werden quasi sichere Daten, wie Zeitpunkt des Verlassens der Ware vom Lieferanten, Umfang der Sendung laut Lieferschein (Kontrolle durch Kommissionierer oder über elektronische Identifikation) kombiniert mit telematischen Ortungen, um den Lauf der Ware aufzuzeigen und an den Kunden zu übermitteln. Die Informationen werden den Kunden nicht nur per Telefon oder Fax bei Anfrage, sondern auch nach Bedarf im Internet zur Verfügung gestellt. Dies trägt im Wesentlichen zur Erhöhung der Serviceleistungen bei und erhöht die Kundenbindung.

Harmonisierungsbedarf bei Mauterhebung

Im Zuge der Mauterhebung für deutsche Autobahnen finden telematische Systeme ebenfalls Anwendung. Die für die Mautgebühr relevanten Fahrzeugdaten werden einmalig in einer On-Board Unit (OBU), die in die Fahrzeuge eingebaut ist, gespeichert. Die Präzision von GPS lässt das System auch unterscheiden, ob der LKW eine mautpflichtige Autobahn oder eine parallel daneben verlaufende Landstraße nutzt.

Zur Überprüfung der Einsatzmöglichkeiten der Verkehrstelematik bieten sich vor allem in Südeuropa Länder an, die einen hohen wirtschaftlichen Stellenwert haben. So lässt sich zum Beispiel eine Studie italienischer Transportverbände heranziehen, die folgende Einflussfaktoren darstellt: Der Alpen querende Straßengüterverkehr wird in den nächsten Jahren zusammenbrechen, sollte der LKW-Transport um jährlich 2,5 Prozent wachsen. Im Zuge einer Transportplanung muss somit eine Effizienzsteigerung der Transporte durch die Vermeidung von Leerfahrten und Tourenoptimierung erfolgen.

Die Mauterhebung verläuft in Italien über die eigene normierte DSRC-Technologie (Dedicated Short Range Communication, auch Mikrowellen-Kurzstreckenfunk genannt), die sowohl Autobahnen, als auch Brücken und Tunnel bemautet. In Bezug auf die Mauterhebung ist somit Harmonisierungsbedarf vorhanden.

Grundsätzlich treten bei der Auslieferung an Bestimmungsorte für ortsunkundige Fahrer Probleme in der Orientierung und Navigation auf, die zu verzögerten Auslieferungszeiten und somit zu verminderter Lieferqualität führen. Ein erheblicher Wettbewerbsnachteil entsteht deutschen Transportunternehmen durch die teilweise Mineralöl-Steuererstattungen, die es ausländischen Transportunternehmen ermöglicht, unter dem Preis deutscher Transportdienstleister anzubieten.

Risikomanagement mit Verkehrstelematik

Risiken sind Bestandteil jeder Geschäftstätigkeit und bedeuten sowohl eine Gefahr als auch eine Chance für unternehmerischen Erfolg. Gerade durch den bewussten und kontrollierten Umgang mit Risiken können Wettbewerbsvorteile realisiert werden, wenn das Risiko selbst als Steuerungsgröße begriffen und die aktive Gestaltung ermöglicht wird. Grundsätzlich gilt es somit, leistungswirtschaftliche Risiken als Betrachtungsobjekt zu identifizieren, da spezifische Bedingungen zu typischen Risikosituationen führen, die es zu untersuchen und zu bewerten gilt. Erst wenn die Höhe des Risikos festgestellt ist, kann dessen Bewertung erfolgen, wobei bei deutschen Transportdienstleistern im Allgemeinen von risikoaversen (risikoscheuen) Unternehmen auszugehen ist. Dies bedeutet, dass versucht wird, jedes Risiko in seiner Höhe und Ausprägung zu minimieren. Die Speditionswirtschaft kann durch Anstrengungen im Risikomanagement in Verbindung mit Bestrebungen zur Erhöhung der Logistiksicherheit darüber hinaus einen Bonus bei Transportversicherern erreichen. Grundsätzlich ist zu sagen, dass Versicherer Eigeninitiative durch Analysen der Unternehmen und damit einhergehender Steuerung des Risikos laut Presseinformationen der Schutz- und Aktionsgesellschaft für die Entwicklung von Sicherheitskonzepten in der Spedition (s.a.f.e.), Bonn, bei der Ausarbeitung von Versicherungsverträgen belohnen.

Die Probleme, die die Anwendung der Telematiksysteme in europäischen Ländern erschweren, sind einerseits die Übertragungsformen der Daten und andererseits die funktionale Anwendbarkeit der telematischen Systeme. So ist beispielsweise bei Verwendung von GSM-Lösungen zur Übermittlung von Standorten die Netzabdeckung schlechter und der Versand der Daten kostenintensiver.

Beim Einsatz von Telematiksystemen mit Dateneingabe oder -abfrage sind vor allem bei Speditionen, die ausländische Frachtführer einsetzen, Probleme vorhanden. Bei fehlendem Sprachangebot können diese Systeme auch bei funktionierender Datenübertragung nicht die zugedachte Aufgabe erfüllen. Die bisher dargestellten Anwendungsfelder der Telematik ermöglichen eine Risikoreduktion für Transporte, zum Beispiel über die genaue Ortung der Fahrzeuge und die Datenabfrage für Aufträge. Dies ermöglicht die Realisierung oben genannter Vorteile der Telematik und erhöht die Zuverlässigkeit der Aussage über Lieferzeitpunkt und Auftragsstruktur. Claus Berg, Rolf Jansen

Anzeige

Das könnte Sie auch interessieren

Anzeige

Lagersysteme

Blechlager nach Maß

Trafö Förderanlagen hat bei Oswald in Miltenberg ein automatisches Blechlager installiert. Das RBG erfasst bei jeder Ein- und Auslagerung die Beladehöhe der Palette, die durch das Lagerverwaltungssystem einem entsprechenden Platz zugeordnet wird.

mehr...

Versandsoftware

Versandabwicklung mit AR

Automatisierte Versandabläufe, eine Verladekontrolle in Echtzeit und Augmented Reality: Das sind Themen von Beo. Das Unternehmen hat die Erweiterungen der Versandsoftware Beo-Expowin vorgestellt.

mehr...
Anzeige
Anzeige

Highlight der Woche

Trays oder KLTs direkt vom Bodenroller palettieren

Das Palettiersystem der SAST-Serie von Hirata ist besonders kompakt und benötigt nur eine geringe Standfläche. Es palettiert und depalettiert Trays oder KLTs direkt von handelsüblichen Bodenrollern.

Zum Highlight der Woche...
Anzeige
Anzeige

Highlight der Woche

Läger optimal planen
Die Planung staplerbedienter Palettenläger stellt eine große Herausforderung dar, gilt es doch, den Zielkonflikt aus Lagergröße bzw. Stellplatzanzahl, Umschlagleistung und Investitionsaufwand bestmöglich aufzulösen. Das Kompetenzzentrum Fabrikplanung der Hinterschwepfinger Gruppe unterstützt mittelständische Unternehmen bei der idealen Auslegung von staplerbedienten Lägern und Logistikzentren.

Zum Highlight der Woche...

Regalbediengeräte

RGB mit neuen Patenten

Jungheinrich hat das erste Hochleistungs-Regalbediengerät für Kleinteile aus eigener Entwicklung vorgstellt. Technologien und Bauweise des STC 2B1A sollen Leistungsstärke bei gleichzeitiger Effizienzsteigerung und Kostenoptimierung garantieren.

mehr...