Lager und Logistik

Wenn der Postmann nicht mehr klingelt

Automatisches Lagersystem Tower 24
Angesichts der hohen Zeitbelastung vieler Berufstätiger erfordert die Zustellung von Warensendungen eine moderne Lösung. Fraunhofer IML und SSI Schäfer Noell fanden sie: Gemeinsam schufen die beiden Logistikspezialisten den Tower 24. Im „Logistikvalley“ Dortmund trägt das automatische Lager- und Abholsystem zur Belebung des Versandhandels bei. Vor allem jedoch hilft es, die Kosten der „letzten Meile“ des Warentransports zu ­senken.

Trotz zahlreicher Pleiten in der Vergangenheit entwickelt sich das Geschäft im Internethandel – und im Versandhandel allgemein – gut. Ein wesentlicher Punkt für den Erfolg ist eine effektive Lösung für die letzte Meile. Denn die großen und kleinen Pakete müssen zuverlässig beim Kunden ankommen. Eine Möglichkeit ist der Tower 24. Seit Mitte 2003 können nun Internetkäufer in der Region Dortmund von der automatischen Abholstelle profitieren. Bei Lieferung klingelt nicht mehr der Postbote, sondern das Handy oder der Computer. Zu jeder Tages- und Nachtzeit bestellt, erwartet der Kunde die schnelle und kostengünstige Lieferung der Waren.

Im Jahr 2002 wurden in Deutschland über 1,5 Milliarden Standard- und Expresspakete ausgeliefert. Ein Teil davon stammt aus dem Internethandel – Tendenz steigend. Das Problem bei herkömmlichen Lieferungen: Oft ist der Kunde nicht zu Hause, wenn der Postmann klingelt. Zentrale Abholstellen mit flexiblen Öffnungszeiten rund um die Uhr etablieren sich als Alternativen, beispielsweise die Packstationen bei der Post, Schließfachsysteme in Wohnanlagen oder Bahnhöfen.

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Das Fraunhofer-Institut für Materialfluss und Logistik IML und die SSI Schäfer Noell GmbH haben ein eigenes Konzept entworfen und umgesetzt – den Tower 24. Der Turm ist eine automatische Lager- und Abholstelle, die Kunden und Lieferanten Vorteile bietet: einen leichten Zugang sowie ein einfaches und sicheres Log-in-System. Zudem hat der Turm zwei Temperaturzonen: einen Bereich mit Normaltemperatur und einen Frischebereich mit zwei bis sieben Grad. Dort lassen sich Obst und Gemüse problemlos einen Tag lagern. Ein wichtiges Argument für das ortsansässige Kaufhaus Konze, sich am Internethandel zu beteiligen. „Die meisten Abholsysteme können keine frischen Waren aufnehmen“, erklärt Projektleiterin Anke Jaspers vom IML. „Die Kühlung des Tower 24 wird durch ein natürliches Kühlsystem unterstützt, denn er ragt etwa vier Meter tief in den Boden. Wie ein Keller nutzt er die Isolation durch das umgebende Erdreich.“ Egal ob der Kunde frische Eier, Butter, Bier, CDs, Bücher oder Kleidung bestellt – abholen kann er alles am Tower 24.

RBG übernimmt Be- und Entladung

Insgesamt fasst der vier Meter dicke und zehn Meter hohe Turm 280 Standardbehälter mit 60 mal 40 Zentimeter Grundfläche, in denen zwei Kisten Sekt oder Wein Platz haben. Diese Kunststoffkisten sind leicht, lassen sich automatisch transportieren und sind einfach zu reinigen. Damit reibungslos ein- und ausgeladen werden kann, arbeitet ein Regalbediengerät der Firma TGW, A-Wels, im Inneren des Turms. Das Fördersystem ist fest im Boden verankert und kann sich in einer Drehbewegung (!) sowohl horizontal als auch vertikal bewegen. Ein Greifer schiebt sich wie ein Brett unter den jeweiligen Behälter und transportiert ihn in die Mitte. Von dort aus kann jedes der Lagerfächer innerhalb kürzester Zeit erreicht werden.

Sobald der Lieferant die Waren im Tower deponiert, werden sie vom System erfasst und identifiziert. Diese Meldung geht an das Steuersystem. Es wählt im Bruchteil von Sekunden ein freies Fach, das dann automatisch angesteuert wird. Gleichzeitig erhält der Kunde eine Nachricht, dass seine bestellten Waren eingetroffen sind – per SMS aufs Handy oder per E-Mail an den Computer. Darüber hinaus werden auch Erinnerungsmails verschickt, etwa wenn die Sendung nicht innerhalb einer bestimmten Frist abgeholt wurde.

Ist die Ware geliefert und abgeholt, bezahlt der Kunde mit der EC-Karte am Terminal oder per Rechnung. Bei Nicht-Gefallen oder Reklamation geht‘s einfach wieder zurück: Jede Sendung erhält eine individuelle Vorgangsnummer. Die gibt der Kunde am Terminal ein und legt das Paket zurück in den Tower. Der Lieferant wird benachrichtigt und holt die Ware wieder ab. Beate Koch (gm)

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