Lagertechnik

Praktisches Tool

Behälterkonzept für optimalen Materialfluss
Die exakt zugeschnittenen Inlays sind mühelos entnehmbar und flexibel einzusetzen. (Fotos: SSI/Bosch)
Mit einem neuen, individuell entwickelten Behälterkonzept überzeugte SSI Schäfer, Neunkirchen, die Robert Bosch GmbH, Hildesheim. Die speziell auf die Anwendungen des Automobilzulieferers zugeschnittenen Werkstückträger sorgen nun als intelligente Mehrweglösung für optimierte, flexible Prozesse.

Einer für alle, alle für einen. Kaum eine andere Lösung beschreibt zutreffender die Umstellungsprozesse, die im Werk Hildesheim bei Robert Bosch abgeschlossen werden. Für die Just-in-time-Versorgung der Produktionslinien hat der Automobilzulieferer veraltete Systembehälter bei laufendem Betrieb durch 50.000 neue Werkstückträger ersetzt. Den Zuschlag für das Projekt erhielt SSI Schäfer in Neunkirchen.

Rund fünf Millionen Starter werden in Hildesheim jährlich für die gesamte Automobilbranche montiert. Täglich verlassen 18.000 Anlasser die hochautomatisierten Fertigungslinien. Unter Einsatz von Robotern erfolgt dort im Drei-Sekunden-Takt die Montage der in ganz Europa begehrten Starter. Sieben unterschiedliche Baugruppen werden dabei mit dem Antriebslager verheiratet. Die Bereitstellung der einzelnen Baugruppen für die automatisierte Endmontage erfolgte seit den 80er Jahren in thermoplastischen Schaumguss-Behältern – Träger und Fixierung der Baugruppenteile aus einem Stück. „Diese Behältnisse waren teuer und oft schwerer als ihre Inhalte. Sie ließen auch keine Optionen für Produktänderungen zu. Ein Zustand, der den Anforderungen moderner Produktionskonzepte mit sich stets wandelnden Geschäftsprozessen und Produktkomponenten nicht gerecht wurde“, urteilt Helmut Lehmann, Abteilung Auftrags- und Lieferplanung/Logistikprojekte. Ein neues Behälterkonzept musste her.

Anzeige

Modulares Konzept mit austauschbaren Inlays

Ein Projekt, das einige Herausforderungen stellte. Die Behälter mussten den bestehenden Prozessen angepasst werden. Zugleich aber sollten sie die Prozesse optimieren, flexibilisieren und künftige Investitionen in die Kleinladungsträger gering halten. Die Montage sollte weiterhin in automatisierten Produktionslinien unter Einsatz der vorhandenen Roboter erfolgen. „Zudem war es erforderlich, eine Behälterfläche von 400 mal 400 Millimeter zu übernehmen“, so Lehmann. „Mit Standardkomponenten war eine Lösung nicht zu realisieren“, sagt Thomas Jettkant, Leiter Vertrieb Behälter bei SSI Schäfer und zuständiger Projektleiter. „Wir setzten auf eine modulare Konzeption mit einem gänzlich neu zu entwickelnden, einheitlichen Behältertyp, der durch verschiedene, austauschbare Einsätze exakt auf die Anforderungen der jeweiligen Baugruppen zugeschnitten wird“,

Im Speziellen galt es, auf den vorgegebenen 400 mal 400 Millimeeter Grundfläche einen effizienten und flexiblen Korpus zu entwickeln. Zudem mussten für die erforderlichen Inlays geeignete Materialien ausgewählt und Konstruktionen erdacht werden, um die Einsätze genau zu positionieren. Andererseits sollten die Inlays recht mühelos entnehmbar, aber dennoch so fest mit den Behältern verbunden sein, dass sie bei einem Roboterzugriff nicht mit heraus gehoben würden. Die Lösung galt zuerst der Entwicklung des Systembehälters, der inzwischen unter der Bezeichnung WT 44250 (Werkstückträger) das Repertoire der Konstruktivverpackungen von SSI Schäfer ergänzt. Hinsichtlich seiner Gestaltung weist der Polypropylen-Behälter im modernen KLT-Design mit dem klassisch blauen Farbton neben dem Grundmaß eine Reihe weiterer Besonderheiten auf. So ist der Behälterboden unterseitig durch Rippen verstärkt und bietet eine Traglast von bis zu 40 Kilogramm. „Ein statisches Optimum mit einer Traglast von bis zu 70 Kilogramm pro Behälter“, erklärt Jettkant.

Jetzt nur noch ein Behältertyp

Bei Gewichten von mehr als 15 Kilogramm werden bei Bosch im Handling Hebegeräte eingesetzt. Für den Zugriff ihrer Gabel sind die Behälter äußerlich an zwei Seiten mit einer Gabelnut ausgestattet. Als Zentrierhilfe dient ein einfaches, mittig ausgerichtetes Kreuzraster, mit dem der Behälterboden innen versehen ist. Ein passendes Gegenstück markiert den Boden der Inlays. Zum Festsetzen der Inlays wurde überdies in der Mitte der Behälterwände direkt über dem Boden jeweils eine Nut eingelassen, in die spezielle Steckelemente der Inlays einrasten. Damit sich die Inlays zwar ohne viel Aufwand lösen und wechseln lassen, aber beim Zugriff der Roboterarme nicht gelockert werden, sind an zwei gegenüberliegenden Wandseiten im Zentimeterabstand Rasternasen angebracht, in denen sich die Inlays in einem solchen Fall verkeilen würden.

Die Module zur Fixierung der Baugruppen im Systembehälter sind die Inlays. Gegenwärtig sind sieben verschiedene solcher Einsätze bei Bosch in Gebrauch. Sie sind in ihrer Form exakt auf die jeweilige Baugruppe zugeschnitten, lassen sich aber mit ihren Fixierelementen komfortabel in die einheitlichen Systembehälter einklinken. „Nach Abschluss der Umstellung wurde die Vielfalt der bei uns einst eingesetzten 13 Behältertypen durch die modulare Lösung von SSI Schäfer auf einen einzigen Behältertyp reduziert. Im Vergleich zu der vorigen Anwendung ist die Neue deutlich kostengünstiger und flexibler“, fasst Lehmann zusammen. Inzwischen sind alle 50.000 Behälter, insgesamt 50.000 Inlays in sieben Varianten sowie 20.000 Deckel bei Bosch im Umlauf. Die schweren Altbehälter werden sukzessive ausgesondert. „Die Lösung mit einem Systembehälter-Typ und den verschiedenen Inlays hat unsere Erwartungen vollauf erfüllt“, resümiert Lehmann. „Ein praktisches Tool für die Boschwelt.“

Anzeige

Das könnte Sie auch interessieren

Anzeige

AKL-Behälter

Universelle Behälter

Der Behälterhersteller Bekuplast stellt seine neue AKL-Behältergeneration vor. Diese Euro-Norm-Behälterserie ist für den Einsatz sowohl im Food- als auch im Non-Food-Bereich konzipiert und erfülle alle Anforderungen eines modernen AKL-Behälters, so...

mehr...

C-Teile-Management

Volle Transparenz

E-Logistics: intelligente Material- und Informationssteuerung für C-Teile. Keller & Kalmbach, Spezialist für Verbindungs- und Befestigungstechnik sowie C-Teile-Management, stellt eine IT-basierte Plattform zur automatisierten...

mehr...
Anzeige

Behälter

Behälter zum Lift

Mit dem Logimat bietet SSI Schäfer einen Lagerlift, der als autonomes System oder integriert in eine automatische Anwendung zur Lagerung, Bereitstellung und Kommissionierung von Kleinteilen eingesetzt werden kann.

mehr...
Anzeige

Highlight der Woche

Produktionsanlagen effizient und kostenoptimiert automatisieren
Hirata bietet sowohl schlüsselfertige Komplettanlagen als auch die Teilautomatisierung einzelner Produktionsschritte: Palettieren, Montieren, Messen/Prüfen, Kleben/Vergießen, Lasermarkieren usw. Dadurch können unterschiedlichste Aufgabenstellungen sowohl technisch als auch wirtschaftlich optimal gelöst werden. 

Zum Highlight der Woche...
Anzeige

Highlight der Woche

FMB 2018: Innovationen für Maschinenbau und Produktion
Vom 7. bis 9. November 2018
finden Sie auf der 14. FMB – Zuliefermesse Maschinenbau in Bad Salzuflen die neusten Technologien, Produktinnovationen und Automatisierungslösungen in den zentralen Bereichen Konstruktion, Fertigung und Montage. Hier treffen Sie Branchenpartner und Entscheider mitten im Spitzencluster für intelligente technische Systeme.

Zum Highlight der Woche...

Stapelbehälter

Kombiniert in den Karton

In der Lebensmittelindustrie wird oft mit verschiedenen Behältertypen gearbeitet, die sich nur schlecht kombinieren oder stapeln lassen und so zu ineffizienten Leerstellen im Lager, in der Überverpackung, auf den Versandpaletten und auf den...

mehr...

UnIntralogistikleasing

Sparen im Pool

Nicht ausgeschöpftes Potenzial im Supply Chain Management der Automobilindustrie sieht Chep Automotive and Industrial Solutions beim Behältermanagement. Bis zu 25 Prozent der gesamten Logistikkosten könnten Fahrzeughersteller und Zulieferer entlang...

mehr...