Orbiter System

Per Shuttle auf den Platz

Kanallagertechnik mit Orbiter-System
Totalansicht des Kanallagertechnik- Systems.
Im neuen Distributionszentrum Hünxe setzt Kontraktlogistiker Logistik Group International auf moderne Kanallagertechnik. Die Lösung: das neue Orbiter-System von SSI Schäfer. Bereits nach wenigen Wochen Betriebszeit zeigt sich, dass das Shuttle-System hinsichtlich Antriebstechnik, Energieeffizienz und Sicherheitstechnik neue Maßstäbe setzt.

Wenn binnen kurzem ein hohes Volumen bewegt werden muss und ein relativ geringes Artikelspektrum gelagert wird, ist der Einstieg in dynamische Lagertechnik mit modernen Kanallagersystemen sinnvoll, meint Hermann Holsten, Manager Real Estate der Logistik Group International (LGI) in Böblingen. Mit einer Logistikfläche von insgesamt mehr als 650.000 Quadratmetern und rund 2.000 Mitarbeitern zählt die Tochtergesellschaft von Willi Betz zu den größten industriellen Kontraktlogistikern in Deutschland. Ende Juni hat der Dienstleister in Hünxe ein neues, multimandantenfähiges Distributionslager offiziell in Betrieb genommen. Neben einem Blocklager setzt LGI in dem 40.000 Quadratmeter großen Logistikzentrum auf Kanallagertechnik. Besonderheit: Die 30.000 Palettenstellplätze des Kanallagers werden von dem modernen und sicherheitstechnisch anspruchsvollen Shuttlesystem bedient – dem Schäfer Orbiter System (SOS) von SSI Schäfer. Mit ihm erhalten statische Regalkonstruktionen einen dynamischen Ansatz zur Effizienzsteigerung der Prozesse. Die intelligente Systemkonzeption ermöglicht es, Staplerbewegungen und Einlagerungsprozesse parallel laufen zu lassen. Auf diese Weise ließ sich ein Verdichtungsgrad von 90 Prozent erzielen und der Auslastungsgrad von Lager und Mitarbeitern erhöhen.

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Kombiniertes Lager- und Transportsystem

Das SOS ist die jüngste Entwicklung unter den dynamischen Lagersystemen von SSI Schäfer. Mit einem einfachen Arbeitsprinzip sorgt die Shuttle-Lösung für höchste Verfügbarkeit bei relativ geringem Automationsgrad und einer entsprechend überschaubaren Investition. Damit ist das SOS optimal auf Effizienzsteigerung bei einfachen Lagerprozessen in der Speditionsbranche und der Kontraktlogistik ausgelegt.

Das System ist ein kombiniertes Lager- und Transportsystem und besteht neben dem speziellen Stahlbau für das Kanallager vor allem aus Shuttle-Fahrzeug und Andockstation. Das Funktionsprinzip: Dockingstation und Shuttle-Fahrzeug (Orbiter) sind eine Einheit, die flexibel im Lager bewegt werden kann. Regalkanäle, in denen das Shuttle-System eingesetzt werden soll, sind frontseitig mit einer Zentrierkonsole ausgestattet. Die Stapler nehmen die Dockingstation samt Orbiter auf und setzen sie in die Zentrierkonsole des gewünschten Regalkanals ein. Bei diesen Transporten ist der Orbiter in der Dockingstation arretiert. Großzügig bemessene Einfahrtoleranzen sorgen bei Einhängen des Systems für sicheres und schnelles Handling. Mit dem Einsetzen in die Zentrierkonsole ist die Shuttle-Lösung in dem jeweiligen Regalkanal verfügbar.

Im nächsten Arbeitsschritt nehmen die Stapler Einlagerungspaletten auf und setzen sie auf dem Orbiter-System ab. Ein seitlich in die Dockingstation integrierter Palettenerkennungssensor erfasst und signalisiert das ordnungsgemäße Aufsetzen. Während der Stapler sich anschließend um die Aufnahme der nächsten Einlagerungspalette kümmert, übernimmt der Orbiter die Palette durch leichten Hub und befördert sie mit einem Meter pro Sekunde an den gewünschten Stellplatz im bedienten Regalkanal. Die Fahrbefehle werden dem SOS via kabelloser Fernbedienung mitgeteilt. Einfach verständliche Piktogramme ermöglichen eine System-Nutzung ohne Festlegung auf eine bestimmte Bedienersprache. Zwölf Schäfer Orbiter sind bei LGI in Hünxe im Einsatz. Das von SSI Schäfer installierte Kanallagersystem ist an allen rund 450 Kanälen auf seinen vier Lagerebenen mit Zentrierkonsolen ausgestattet. Alle Kanäle können von SOS bedient werden.
Da Kontraktlogistiker in einem Volumengeschäft arbeiten, sind in Stoßzeiten hohe Ein- oder Auslagerungsmengen zu bewältigen. Daher sind die Kanäle in ihrer Kapazität auf das gängige Palettenvolumen ganzer Containerladungen ausgelegt. An den 65 Laderampen des Distributionszentrums herrscht dann Hochbetrieb. Weil jeweils ganze Regalkanäle abgefüllt beziehungsweise geleert werden, erfolgen Lager- und Kommissionierstrategien nach dem First-in-first-out-Prinzip bei LGI nicht auf Paletten-, sondern auf Kanalebene. Sollte dies auch auf Palettenebene angewendet werden, könnte das SOS auch für eine Be- und Entladung von beiden Seiten der Regalkanäle eingesetzt werden. Auch Inventurfunktionen sind möglich.

Fast geräuschlos bewegen sich die Orbiter auf ihren jeweils acht Rädern mit gefederten Seitenlaufrollen in den Kanälen, setzen eine Palette an die nächste. Der Abstand zwischen den Paletten wird bei der Inbetriebnahme im System hinterlegt. Über Inkrementalgeber und Lichtsensorik gesteuert setzen die Orbiter die Paletten punktgenau im Regal ab – ohne die vorherige Palette anzustoßen. Bei der Verbringung sorgen die Räder für optimale Lastverteilung der bis 1.500 Kilogramm schweren Paletten und komfortable Fahreigenschaften bei deren Transport.

Power Cap Technologie

Eine Shuttle-Lösung an sich ist nichts Neues in der Intralogistik. Wichtige Entscheidungsgründe von LGI für das SOS waren die von SSI Schäfer realisierten, wettbewerbsdifferenzierenden Merkmale, mit denen das Orbiter System auf die Sicherheits- und Effizienzanforderungen des europäischen Marktes zugeschnitten wurde, etwa das Antriebskonzept: Die Orbiter werden mit jeweils vier hochauflösend geregelten Antrieben, Hochleistungskondensatoren und einer integrierten Stromversorgung am Regalsystem in Bewegung gehalten – Power Cap Technologie (Kondensatortechnik). Bei jedem Andock- und Palettenauf- oder abgabezyklus werden die Powercaps der Shuttles mit Energie versorgt. Innerhalb von sechs bis 24 Sekunden ist der jeweilige Ladevorgang abgeschlossen. Währenddessen kann die Dockingstation mit der nächsten einzulagernden Palette bestückt beziehungsweise die ausgelagerte Palette entnommen werden.

Weitere Vorteile der wartungsfreien Power Cap Technologie: Die langlebigen, robusten und verbrauchsarmen Komponenten optimieren die Lebenszykluskosten der Anlage, Batteriewechsel entfallen ganz. Und noch ein Aspekt, der dafürspricht: Auch der Einsatz im Tiefkühlbereich ist möglich. pb

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