Lager und Logistik

Logistischer Netzwerkknoten

Fraunhofer IML – Logistik jenseits von Maut und ­Dosenpfand
Der Fluss von Waren und Informationen wurde zur Lebensader unserer hoch arbeitsteiligen Industrie. Produktivität, Gütervielfalt und Kundenorientierung lassen sich nur durch logistische Planung und Steuerung aller Arbeitsprozesse erreichen. Das Fraunhofer-Institut für Materialfluss und Logistik IML in Dortmund gilt als eine erste Adresse für hochinnovative Lösungen. Hier entstanden unter anderem das Lager- und Abholsystem Tower24, das Warehouse Managementsystem myWMS sowie das Lager- und Transportsystem Multishuttle.

Lange Zeit als Anlagen toten Kapitals gesehen, haben Läger in den letzten Jahren ihre Rolle verändert. So hat die Automobilindustrie fast ihre gesamten Lagervorgänge im Beschaffungsbereich auf die Zulieferer – im wahrsten Sinne des Wortes – „ausgelagert“. Der fortschreitende Trend zum Systemlieferanten, der mehrere Einzelkomponenten zu Baugruppen montiert und diese dann „just-in-time“ oder „just-in-sequence“ in die Produktion der Automobilhersteller einschleust, führte zu immer stärker aufeinander angewiesene Netzwerke im Zuliefererbereich. Hier entstehen immer häufiger Kooperationen, die zur Vernetzung untereinander führen. Ob nun ein Logistikdienstleister in Anspruch genommen wird oder man seine eigene Logistik pflegt – ein sicheres und offenes System ist Voraussetzung für einen praktikablen Standard, der Ressourcen schonend, effizient und effektiv ist.

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Als Lösung für ein bezahlbares, maßgeschneidertes und offenes Warehouse Managementsystem (WMS) schuf das Dortmunder Fraunhofer-Institut für Materialfluss und Logistik IML die Open-Source-Lösung myWMS. Dieses Projekt ist ein Rahmenwerk (Framework), das offene Standardbausteine verwendet und sich daher jederzeit erweitern lässt. Das von Hardware, Betriebssystem und Datenbank unabhängige Software-Werkzeug ermöglicht unter anderem die Verteilbarkeit auf verschiedene Rechner mit unterschiedlichen Warehouse Managementsystemen – die in Logistik-Netzwerken häufig geforderte Möglichkeit eines Multilagers mit mehreren Mandanten. Schnittstellen zu Transportmitteln wie FTS oder dem Multishuttle tragen dem Trend zur Automatisierung mit kostengünstigen und leistungsfähigen Systemen Rechnung. Das Fraunhofer IML pflegt und entwickelt myWMS als gemeinsamen Standard. Die Umsetzung in Industrieapplikationen erfolgt jedoch immer durch Partner der myWMS-Usergroup.

Multishuttle – ausgezeichnetes Lager- und Transportsystem

Eine besonders innovative, leistungsstarke und preisgünstige Lösung für automatische Kleinteilelager stellt das Multishuttle dar, ein Gemeinschaftsprojekt von Fraunhofer IML und Siemens Dematic. Hierbei handelt es sich um ein modular aufgebautes und universell einsetzbares System, das Lagerung und Transport in einem durchgängigen Konzept vereint. Dieses basiert auf autonomen, schienengeführten Fahrzeugen zum Behältertransport, die innerhalb und außerhalb des Lagersystems verkehren. Ein spezielles Lastaufnahmemittel ermöglicht kurze Lastwechselzeiten sowie simultane Be- und Entladungen. Das System hat Fahrschienen, die in jeder Ebene des Shuttle-Racks installiert sind. Sie übernehmen neben der Führung auch die Spannungsversorgung der Shuttles. Der Verzicht auf Akkumulatoren an Bord der Fahrzeuge ermöglicht eine gewichtsoptimierte Gestaltung. Ihre Transportaufträge erhalten die Shuttles über ein WLAN.

Das Steuersystem besteht aus drei Schichten: Einer übergeordneten Lagerplatz- und Bestandsverwaltung, die aus myWMS-Standardkomponten „zusammengesteckt“ ist, dem Leitsystem zur Steuerung der Fahrzeuge und Betriebsmittel (Fahrstuhl, Drehtisch) sowie den Feldgeräten (Fahrzeug-Controller, SPS, Sensorik/Aktorik). Gegenüber herkömmlichen Lösungen spielt das Multishuttle-System besonders in Lägern mit niedriger Lagerkapazität und hohem Umschlag seine Vorteile voll aus. Ende März dieses Jahres erhielt das Fraunhofer IML gemeinsam mit Siemens Dematic den „Innovationspreis für Logistik 2004“ des VDI. Gunthart Mau

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