Lager und Logistik

Packende Spareffekte

Cemat 2005: Automatisches Kommissionieren und Palettieren
Wer übers Internet bestellt und lange auf seine Ware warten muss, neigt häufiger dazu sie zurückzuschicken, als jemand, der nur zwei Tage wartet. Hinzu kommt, dass in vielen Branchen die Bestellungen kleiner werden, die Zahl der Aufträge aber steigt. Das führt zu einer höheren Auslastung und Belegungsdichte der Förder- und Sortiereinrichtungen. Diese Trends erhöhen die Attraktivität von Automatisierungslösungen in der Logistik. Vor allem an den Schnittstellen Produktion/Lager und Lager/Versand lässt sich in vielen Unternehmen noch einiges verbessern.

Ob es darum geht, Bierkisten oder Pakete nicht mehr manuell zu kommissionieren oder gemischte Paletten für den Einzelhandel zu packen: In jeder Branche schlummert Potenzial für mehr Geschwindigkeit, zufriedenere Kunden und weniger Belastung der Mitarbeiter. In der Lebensmittelbranche beispielsweise müssen manche Packer pro Tag viele Tonnen bewegen. Körperliche Schäden am Rücken und im Schulterbereich sind da keine Seltenheit.

Entlastung können hier Industrieroboter bringen, die zudem die Fehlerrate der Kommissionierung senken – und damit Rücklaufquoten und Folgekosten. Hinzu kommt, dass auch erfahrene Packer bei gemischten Paletten nicht die Packdichte erzielen können, wie sie Roboter – in Zusammenarbeit mit der geeigneten Software – ermöglichen. Je höher die Packungsdichte, umso geringer ist der Transportmitteleinsatz, also der Bedarf an Paletten und LKW. Ein weiteres Plus stellt die Dokumentierbarkeit der Prozesse dar: Wer automatisch kommissioniert, erhält mit Sicherheit vollständige Lieferungen gemäß Lieferschein und eine Transparenz im Warenbestand, der Inventuren überflüssig macht.

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Für Uwe Spiekermann, bei Siemens Logistics and Assembly Systems in Offenbach zuständig für Robotik, ist es eine der „herausforderndsten Aufgaben in der Logistik, gemischte Paletten mit unterschiedlichen Artikeln und Paket- oder Gebindegrößen handhaben zu können“. Vor allem in der Lagerlogistik des Handels und in der Distribution werden Mischpaletten künftig eine größere Rolle spielen, und ganz speziell an der Schnittstelle von der Distribution zum Einzelhandel. Während die Rohstofflieferanten ihre Produkte weitgehend sortenrein automatisiert palettieren können, müssen Distributeure aus diesen sortenreinen Paletten gemischte Ladungen für den Einzelhandel zusammenstellen. Dazu sind automatische Kommissioniersysteme erforderlich, die neben einem Roboter in der Regel eine Sensorik zum Erkennen der Produktlage benötigen und ein fIexibles Greiferkonzept mit mehreren Greifern, die nicht nur die Waren, sondern auch die Paletten oder Ladehilfsmittel greifen können. Dazu kommen Werkzeugwechsler, eine Software für die gemischte, oft chaotische Palettierung sowie die passende Fördertechnik, die im Hintergrund auch automatische Lager- und Regalbediengeräte erforderlich machen kann.

Weil Siemens häufig als Generalunternehmer logistischer Anlagen auftritt, muss das Unternehmen in der gesamten Breite der Anforderungen kompetent sein. Dazu ging man eine Systempartnerschaft mit der Augsburger Kuka Roboter ein und kooperiert auch mit dem Fraunhofer-Institut für Produktionstechnik und Automatisierung (IPA) in Stuttgart. Siemens selbst bringt die Lager- und Fördertechnik in die Systeme ein. „Heutzutage verändert ein Roboter oft die Gestalt der gesamten Anlage“, sagt Spiekermann. „Es kommt nur selten vor, dass einfach ein Mitarbeiter-Arbeitsplatz durch einen Roboter ersetzt wird und die Anlage die alte bleibt.“ Diese Änderungen müsse ein Generalunternehmer vorhersehen und in die Planungen einbeziehen.

Zwar wächst die Branche rasant, doch sind derzeit eingesetzte Systeme in aller Regel noch Speziallösungen. „Keine Anwendung ist wie die andere“, erläutert Dennis Fritsch, wissenschaftlicher Mitarbeiter der Abteilung Robotersysteme des IPA. „Die Roboter kommen heute von der Stange. Aber Greifer und die Software zur Steuerung und Erkennung müssen jedes Mal individuell entwickelt werden.“ Dennoch setze die Industrie Roboter mit steigender Tendenz als kostengünstige und flexible Alternative im innerbetrieblichen Materialfluss ein. „Auch bisher rein manuell ausgeführte Prozesse der Intralogistik lassen sich durch die Fortschritte in der Greif- und Sensortechnik zunehmend automatisieren“, erklärt Fritsch.(gm)

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