Lager- und Kommissioniersysteme für Dorfläden und Tankshops:

Lebensmittel für den Landwirt

Die Detailhandelskette Volg gehört zur Fenaco, der Unternehmensgruppe der schweizerischen Agrarwirtschaft. Fenaco versorgt die Landwirte mit Produktionsmitteln, übernimmt deren Erzeugnisse, veredelt diese und vermarktet sie. Mit rund 8.500 Mitarbeitern erzielt die Unternehmensgruppe einen Jahresumsatz von etwa 5,4 Milliarden Schweizer Franken. Volg beliefert in der Schweiz 872 kleinflächige Lebensmittel-Verkaufsstellen, 542 Volg-Dorfläden, 274 sogenannte Freie Detaillisten und 56 TopShops in den Agrola-Tankstellen. Der Umsatz liegt bei 1,3 Milliarden Schweizer Franken und konnte von 2010 auf 2011 trotz starkem und nach wie vor steigendem Wettbewerb um über 20 Millionen erhöht werden. Die Größe der zu beliefernden Läden und Shops liegt zwischen 60 und 400 Quadratmetern. Die Aufträge, die in den verschiedenen Volg-Verteilzentren eingehen, haben meist ein kleines bis mittleres Volumen. Das neueste Verteilzentrum, das speziell für Frischdienst-Produkte konzipiert ist, wurde am Standort Oberbipp eingerichtet. Bei diesem Projekt flossen die Erfahrungen der anderen Verteilzentren der Volg-Gruppe ein. Es wurde auch darauf geachtet, das geplante Wachstum ohne weiteren großen Investitionsaufwand bewältigen zu können.

Vielfältiges Spektrum

Die Rollenbahneinlegesegmente aus Stahl machen aus einem statischen Palettenregal ein dynamisches Stückgutdurchlaufregal. (Fotos: Bito)

"Mit unserer Strategie, sowohl Dorfläden, Märkte mittlerer Größe, als auch Tankstellen-Shops kontinuierlich und schnell versorgen zu können, müssen wir in ganz anderen Kategorien denken", sagt Erich Ackermann, Bereichsleiter Frischdienst und Leiter des neuen Verteilzentrums. "Denn bei uns geht es nicht um halbe Wagenladungen, sondern um Kleinaufträge, die wir im Rahmen unserer Liefertouren pünktlich auszuführen haben." Doch auch bei diesen Aufträgen gilt es, aus einem Warensortiment von 1.550 Frischartikeln termingerecht zu kommissionieren und zu liefern. "Bei der Kommissionierung dieser Aufträge lohnt sich nur ein kleiner Automatisierungsgrad", erklärt Ackermann. "Jedoch gibt es unterschiedliche Ratio-Potenziale, die wir im neuen Verteilzentrum konsequent aufgegriffen und erschlossen haben." Dazu zählt die Lager- und Kommissioniertechnik. Für die Umsetzung holte sich die Volg-Gruppe Bito-Lagertechnik mit Sitz in Rotkreuz (Schweiz) und in Meisenheim (Deutschland) ins Boot.

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Leise und stabil soll es sein…

Der Lagerspezialist konnte während einer intensiven Evaluation unter den potenziellen Lieferanten von Lagerausrüstungen mit Detaillösungen überzeugen. "Wir benötigten nicht nur Palettenlager und Steckregale", erläutert Ackermann. "Wir hatten auch ganz bestimmte Anforderungen an die Tauglichkeit für den Kühlraum- und Lebensmittelbereich, an die Lauffähigkeit von Kartons und Kunststoffbehältern in verschiedenen Größen und mit Gewichten bis maximal 40 Kilogramm, an geräuscharm laufende Tragrollen mit hoher Stabilität, an Prozesssicherheit und an die Lebensdauer." Die Rollenbahnen der potenziellen Lieferanten wurden genau geprüft ¿ und enttäuschten. Erst als Marco Bossert von Bito seine Rollenbahnen vorstellte, waren Ackermann und sein Team überzeugt. Denn diese sind nicht mit Kunststoffrollenleisten, sondern mit durchgehenden stabilen Metallrollen ausgerüstet und in einem engen Raster bestückt.

…und rationell

Das Frischezentrum in Oberbipp ist in verschiedene Kältezonen unterteilt. Die dort installierten Bito-Regale kommen entweder als Lager-, Puffer- oder Kommissionierregale zum Einsatz. Die Palettenregale für Früchte, Gemüse und Blumen dienen ausschließlich zur Vorratslagerung. In den zwei Frischebereichen für Fleisch und Fisch sowie Eier- und Backwaren werden die Regale nicht nur als Lager- oder Puffer-, sondern auch als Kommissionierregale genutzt. Beide Zonen sind mit Steckregalen ausgestattet, die in je zehn Felder aufgeteilt sind, einfachtiefe Palettenregale mit fünf oder sechs Feldern sowie doppeltiefe Regale mit je drei Feldern. Um einzelne Artikel zu kommissionieren, werden in den doppeltiefen Palettenregalen Rollenbahnsegmente mit durchgehenden Stahlrollen eingelegt. Einzelne Kartons werden dort im FiFo (First-in-First-out)-Prinzip bereitgestellt. Zur Kommissionierung ganzer Verpackungseinheiten oder von großen Mengen sind auf den Bodenplätzen ganze Paletten gelagert.

Aus dem Karton oder von der Palette

Der größte Bereich ist für die Frischprodukte vorgesehen. Insgesamt bilden sechs Reihen mit doppeltiefen Regalen dort das Kommissionierzentrum. Die unterschiedlichen Frischeartikel sind entsprechend ihrer Umschlaghäufigkeit in unterschiedliche Regaltypen gelagert oder zur Kommissionierung bereitgestellt. Eine Reihe ist als Paletteneinschubregal ausgelegt, die nächste Reihe ist eine Kombination aus Paletten- und Stückgutdurchlaufregalen. Bei den Durchlauf- und Einschubrollenbahnen ist eine Tragkraft von maximal 1.000 Kilogramm pro Palette gegeben, bei den Tuning-Rollenbahnen sind es maximal 160 Kilogramm pro Kanal. Die doppeltiefen Regale in Reihe drei sind statische Palettenregale mit ebenfalls eingelegten Rollenbahnsegmenten in der ersten Ebene. Aus diesen Regalen erfolgt die Kommissionierung von Stückgutware und palettierter Ware. Benötigt der Kommissionierer bei der Zusammenstellung des Auftrags nur einzelne Artikel, entnimmt er diese aus den Kartons in den Stückgutdurchlaufkanälen, ganze Verpackungseinheiten kommissioniert er direkt von der Palette. Die Palettenregale der anderen drei Reihen dienen hauptsächlich als Pufferregale und nur teilweise als Kommissionierregal. Zwei einfachtiefe Palettenregalreihen an den Wänden runden das Konzept im Frischproduktebereich ab.

Nicht länger als zwei Tage

Ein wichtiger Aspekt bei der Gestaltung des neuen Verteilzentrums war es, für die unterschiedlich frequentierten Artikel die passenden Lager- und Kommissioniersysteme einzusetzen. Die Konzeption in Oberbipp ist dabei so ausgelegt, dass kein Frischprodukt nie mehr als zwei Tage gelagert wird. Somit ist garantiert, dass an die unterschiedlichen Verkaufsstellen ausschließlich frische Waren geliefert werden. Aber auch die Hygiene spielte bei der Regaleinrichtung eine wichtige Rolle: Früher wurden oft noch Holz- statt Fachbodenregale aus Stahl eingesetzt. Um Sauberkeit und Hygiene zu wahren, war dies jedoch kritisch. Der Wechsel bei den Stückgutdurchlaufregalen von Kunststoff- auf Stahlrollen geschah nicht nur aus Gründen der Lautstärke. Denn auch hier spielt eine leichte Reinigung eine wichtige Rolle. Das Verteilzentrum wird jeden Tag von circa 80 Lieferanten versorgt. Mitarbeiter transportieren die Waren mit Staplern in das Lager. Dabei sind die Kommissionier- und die Nachschubgänge voneinander getrennt damit die Bediener ungehindert arbeiten können. Ein- und ausgelagert oder kommissioniert wird in zwei Schichten an sieben Tagen in der Woche. Pro Tag verlassen rund 750 Rollis auf 22 Lkw das Verteilzentrum und beliefern zuverlässig die 430 Kunden.

Prozesssicheres Gebinde-Handling

Für Erich Ackermann ist die Funktionsfähigkeit der Regalanlagen und besonders der Rollenbahnen ein entscheidender Faktor für die gestiegene Kommissionier-Produktivität und das wirtschaftliche Handling von Kleinaufträgen. "Die installierten Regalanlagen sind sehr zuverlässig. Besonderes Lob verdienen die Stahlrollenbahnen. Denn leichte Ware muss genauso gut laufen wie schwere und diese sollte nach Entnahme nicht nach vorne schießen, sondern zuverlässig vorlaufen und dabei möglichst wenig Lärm verursachen. Das hängt eben nicht nur vom Gefälle ab, sondern auch von der Leichtgängigkeit der Rollenbahnen", resümiert Ackermann. Die unterschiedlichen Behälter und Gebinde laufen einwandfrei. Dazu werden die Durchlaufregale wie geplant flexibel und damit universell für unterschiedliche Produkte eingesetzt. Zehn Monate nach der Inbetriebnahme und der zwischenzeitlich gesammelten Erfahrung erreicht das Verteilzentrum pro Tag und Bediener 1.050 Zugriffe. Jeder Kommissionierer arbeitet einen Auftrag komplett ab, bei größeren Aufträgen arbeiten zwei oder mehrere Mitarbeiter parallel. Und da die Aufträge von 25 bis mehrere Hundert Einzelpositionen beinhalten können, sind Zugriffe in dieser Höhe pro Person eine beachtliche Leistung. Die Kapazitätsausweitung und Produktivitätssteigerung führten dazu, dass immer mehr Kunden von der Leistungsfähigkeit des neuen Volg-Verteilzentrums für Frischprodukte überzeugt sind. Darauf ist der Zuwachs von 350 auf aktuell 430 Kunden zurückzuführen. Schließlich bieten sowohl die Lager- als auch die Kommissionier-Kapazitäten noch Reserven, um bei Bedarf bis zu 600 Verkaufsstellen von Oberbipp aus beliefern zu können. bw

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