Kommissionierung ausgetauscht

Küchenfronten sicher auslagern

Mit dem kompletten Tausch der Kommissioniergeräte und einer Modernisierung der Fördertechnik brachte Kardex Mlog die Kommissionierung beim Küchenhersteller Nobilia auf den Stand der Technik.

Eines von drei Frontenkommissioniergeräten in Verl – bestehend aus einem Verteilerwagen mit Hub und mitfahrendem Kanallagerfahrzeug. © Kardex

Als Deutschlands größter Hersteller von Einbauküchen und einer der Marktführer in Europa baut Nobilia individuell geplante Küchen. Jährlich verlassen über 727.000 Küchen die beiden Werke am Stammsitz Verl in Ostwestfalen – das entspricht mehr als 30.300 einzelnen Küchenschränken pro Tag. Hinzu kommen etliche Kilometer Arbeitsplatten und 5.000 täglich ausgelieferte Elektrogeräte verschiedener Hersteller und Preisklassen.

Ermöglicht wird die logistische Meisterleistung unter anderem durch einen hohen Automatisierungsgrad in Produktion und Materialfluss, der kontinuierlich weiter ausgebaut wird. So hatte Kardex Mlog unter anderem bereits 2008 am Werk II ein komplett neues Hochregallager für Arbeitsplatten errichtet und wenige Jahre später um eine dritte Gasse erweitert, um dem gestiegenen Kapazitätsbedarf Rechnung zu tragen.

Nun war die Kommissionieranlage für Küchenfronten an der Reihe. Diese war 1998 mit zwei Kommissioniergeräten eines Drittanbieters realisiert und 2008 um ein weiteres ergänzt worden. Nach jahrelanger intensiver Nutzung im Zweischichtbetrieb zeigten sich erste Verschleißerscheinungen an den Geräten, Fahrschienen und den Schleifleitungen.

Im September 2017 erhielt Kardex Mlog den Auftrag zur Modernisierung der Anlage. Weniger als ein Jahr später, im August 2018, konnte diese mit neuen Geräten und deutlich höherer Durchsatzleistung wieder in Betrieb genommen werden. Im selben Zuge wurden die Versorgung der Kommissionieranlage durch die Einrichtung zusätzlicher Palettenpufferplätze in der Fördertechnik optimiert und das Sicherheits- und Zugangskonzept auf den neuesten Stand gebracht.

Anzeige

Individuelle Kundenwünsche fordern die Logistik
Ob Designobjekt mit glatten Oberflächen, Landhauseinrichtung mit modernen Holzdekoren und Strukturen oder die schlichte Eleganz klassischer Modelle – im Nobilia-Lager gibt es fast so viele Frontentypen wie Geschmäcker. „Über die Front ergeben sich unzählige Gestaltungsvarianten. Genau diese Möglichkeit, seinen individuellen Lebensstil ausdrücken zu können, suchen Kunden bei unseren Küchen“, so Rüdiger Sturz, Projektleiter der Modernisierungsmaßnahme bei Nobilia, „wir müssen diesen Anspruch unsererseits technisch und logistisch abbilden.“

Neues Kanalfahrzeug im Einsatz. © Kardex

Geräteaustausch wirtschaftlicher
Somit ist die Frontenkommissionierung Dreh- und Angelpunkt in der Produktion, die ausschließlich Unikate hervorbringt: Jede einzelne Küche wird individuell geplant und gefertigt. Ein Ausfall der Kommissionierung hätte gravierende Folgen. Daher entschied sich Nobilia zeitig für eine langfristige Sicherung der Anlagenverfügbarkeit und der Ersatzteilversorgung. Die drei vorhandenen Geräte wurden aus Gründen der Wirtschaftlichkeit nicht instand gesetzt, sondern ausgetauscht. Um den Wechsel mit möglichst kurzen Stillstandzeiten realisieren zu können, wurden die neuen RBG zunächst bei Kardex Mlog aufgebaut und getestet.

Als Kommissioniergeräte kommen eigens für Nobilia entwickelte Verteilerwagen mit Hub und mitfahrenden Kanallagerfahrzeugen zum Einsatz. „Wir wachsen mit den Anforderungen unserer Kunden. Mit der neuen Anlage können wir schneller und noch verlässlicher kommissionieren. Das gibt uns mehr Raum für Individualität“, so Rüdiger Sturz.

Alle drei Geräte fahren, mit überlappenden Arbeitsbereichen, in derselben Gasse. Bei den Trägerfahrzeugen handelt es sich um eine komplette Neukonstruktion. Die höchste Fahrgeschwindigkeit liegt bei 120 Meter pro Minute, die maximale Hubgeschwindigkeit bei 0,5 Meter pro Sekunde, jeweils bei einer maximalen Beschleunigung von 0,5 Meter pro Sekunde.

Die Steuerung übernehmen S7-1515 F SPS auf den Trägerfahrzeugen. Beim Austausch gegen die vorhandenen S5-Steuerungen wurde das Anwenderprogramm nach Kardex Mlog Standard adaptiert, um eine stringente, einheitliche Softwareumgebung mit den Nachbaranlagen zu gewährleisten. Die Interbustechnologie wurde durch Profinet- und Profibuskomponenten abgelöst.

Die S7-Steuerungen auf den Trägerfahrzeugen steuern auch die mitfahrenden Tochtergeräte. Die Kanallagerfahrzeuge mit einfachtiefer Teleskopgabel erreichen Geschwindigkeiten von 60 Meter pro Minute (Fahrwerk) oder 20 Meter pro Minute (Hubwerk) und 60 Meter pro Minute (Gabel, unbeladen). Die Übergabefördertechnik wurde optimiert. Die Geschwindigkeit der Rollenförderer wurde auf 0,3 Meter pro Sekunde erhöht. Das Gesamtsystem bringt jetzt zehn Prozent mehr Durchsatz im Vergleich zu vorher.  

Einbringung der Regalbediengeräte über das Dach des Frontenkommissionierlagers. © Kardex

Reibungsloser Austausch dank Testbetrieb
Für die erste Phase des Umbaus stand mit den Nobilia-Werksferien lediglich ein dreiwöchiges Zeitfenster zur Verfügung. Um das Gerät im Echtbetrieb testen zu können, wurden die Frontenkommissioniergeräte komplett mit Kommissioniergängen in einer Testumgebung aufgebaut und über einen längeren Zeitraum getestet und optimiert. „Dank des Testaufbaus konnte beim eigentlichen Umbau vor Ort bereits eine eingespielte Technik installiert und in Betrieb genommen werden. Der Austausch der Kommissioniergeräte verlief reibungslos und termingerecht“, so Rüdiger Sturz.

Spezielle Anforderungen der Branche
Kardex Mlog gehört seit langem zu den Anbietern von Logistiklösungen für die Möbel- und Küchenindustrie. Für deren spezielle Anforderungen an eine ebenso effiziente wie flexible Handhabung von Teilen unterschiedlichster Dimensionen, Formate und Materialien – von der Front bis zur Arbeitsplatte – hat der Spezialist individuelle Technologien entwickelt, die sich beispielsweise im Zuge einer Modernisierung auch nachrüsten lassen. So können die Regalbediengeräte beispielsweise mit Sauggreifern als Lastaufnahmemittel für die besonders oberflächenschonende Ein- und Auslagerung schwerer und großformatiger Teile im Arbeitsplattenlager ausgestattet werden. as

Anzeige

Das könnte Sie auch interessieren

Anzeige

Employee Engagement

Ohne Mitarbeiter läuft nichts

Engagement und Miteinbeziehung von Mitarbeitern sind wichtig in Zeiten des Fachkräftemangels um Erfolge zu sichern und Unternehmen wettbewerbsstark aufzustellen. Diesen Herausforderungen müssen sich auch Warehouse Manager vermehrt stellen.

mehr...

EWPS-Lagersystem

Handling von EWPS-Ladungsträgern

Unitechnik hat ein Hochregallager für EWPS-Paletten (European Wheel Pallet System) bei Otto Fuchs am Standort Meinerzhagen entwickelt. Die Spezialladungsträger kommen vor allem beim Transport von Lkw- und Pkw-Rädern zum Einsatz.

mehr...
Anzeige
Anzeige

Selbstlernende Software

KI hilft sparen

Mit der Lager-Optimierungs-Software (LOS) von Heureka Business Solutions sollen die Durchlaufzeiten im Lager um mehr als 30 Prozent sinken. Die Entwicklung der Software war getrieben durch den Umstand, dass die industriellen Intralogistik-Prozesse...

mehr...
Anzeige
Anzeige
Anzeige
Anzeige