Kommissionierverfahren

Picken – aber wie?

Kommissionierstrategien zeigen fundamentale Eignungsunterschiede. In der Kommissionierung sind Strategien gefragt, um die Flut an eingehenden Bestellungen und Retouren zu bewältigen.

Pick-by-Voice ist eine der bereits etablierten Möglichkeiten, die Kommissionierung zu beschleunigen.

Die Forderungen an eine Kommissionierlösung erscheinen simpel: Bitte schnell und fehlerfrei. Die Akzeptanz der jeweiligen Technik hängt dabei im Wesentlichen vom Nutzen ab. Nur wenn sich Arbeitsbedingungen verbessern und Prozesse durch den Einsatz optimieren lassen, sind Unternehmen bereit, die mitunter hohen Anfangsinvestitionen in Kauf zu nehmen. Zu den bewährten Kommissioniermethoden in der Logistik gehört zweifelsfrei Pick-by-Voice. Wie der Name schon verrät, funktioniert die Kommissionierung allein über die Stimme des Kommissionierers, sodass der Arbeiter stets beide Hände frei behält. Der Lagermitarbeiter erhält die Aufträge aus dem Lagerverwaltungssystem per WLAN auf einen Mobilcomputer, der die Textbefehle in Sprachanweisungen umwandelt. Von einer Computerstimme über ein Headset geführt, bestätigt der Mitarbeiter jeden einzelnen Schritt des Kommissionierprozesses ebenfalls durch Spracheingaben. Die Aufträge werden vom Lagerverwaltungssystem über Funk auf das Headset des Kommissioniers gesendet und die Ausführung direkt zurückgemeldet. Solche sprecherabhängigen Systeme werden auf ein bestimmtes Sprachprofil hin trainiert und passen sich der Stimme und den sprachlichen Eigenheiten ihrer Nutzer wie Aussprache, Akzent und Dialekt an, aber auch den komplett unterschiedlichen Sprachen des mobilen Arbeitsmarkts.

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Das einmalige Sprachtraining vor der ersten Nutzung des Systems dauert nicht lange, ist aber sehr wichtig: Permanente Hintergrundgeräusche von Gabelstaplern, Kühlaggregaten und Förderbändern stören den Spracheinsatz im Lager und werden durch das Sprachtraining herausgefiltert. Einmal eingespielt, bildet die Software die individuelle Sprechweise seiner Nutzer ab und ist in der Lage, auch Sprachanomalien, beispielsweise durch Müdigkeit am Ende eines Arbeitstages, fehlerfrei zu erkennen. Sprecherunabhängige Voice-Systeme hingegen kommen durch diese komplexe Geräuschkulisse und Diversität im Lager schnell an ihre Grenzen.

Das einfache Handling und die unkomplizierte Implementierung in das bestehende EDV-System machen Pick-by-Voice zu einem Dauerbrenner unter den gängigen Kommissionierverfahren und tragen zu der hohen Akzeptanz unter den Mitarbeitern bei.

Im Handumdrehen eingescannt

Zu einer festen Größe in der Kommissionierung gehört auch das Pick-by-Scan-Verfahren, bei dem mobile Handheld-Computer mit integriertem 1D- oder 2D-Barcodescanner zum Einsatz kommen. Der Kommissionierer erhält den jeweiligen Auftrag auf das Gerät, das ihn dann durch den Kommissionierprozess führt. Der Mobilcomputer zeigt die Daten des eingescannten Barcodes an, die der Mitarbeiter im nächsten Schritt bestätigen muss. So wird ein reibungsloses Qualitätsmanagement sichergestellt und Fehler vermieden. Die Angaben zum entnommenen Artikel oder auch Fehl- und Nullmengen werden an das Lagerverwaltungssystem übermittelt, sodass der aktuelle Status des Kommissioniervorgangs jederzeit einzusehen ist. Eine Installation des Datenterminals am Gabelstapler mit Verknüpfung zum Staplerleitsystem ist ebenso möglich.

Kombinierte Verfahren wie Voice- und Scan sind das nächste Highlight ambitionierter Kommissionierstrategien. (Fotos: Honeywell)

Die Kommissionierung via Scanner ist in der Logistik- und Transportbranche am verbeitesten und wird oftmals in Kombination mit lichtgeführten oder sprachbasierten Logistiksystemen bei großen oder schweren Artikeln genutzt. Die Identifikation von Gütern mittels Barcode bietet sich für viele Betreiber von Distributionszentren deswegen an, da sie einfach und preiswert zu erstellen sind, oftmals bereits auf der Verpackung angebracht und sicher gegenüber Fehllesungen sind.

Für einen eingeschränkten Anwenderkreis: Pick-by-Light

Bei Distributionszentren mit kurzen Laufwegen und der Kommissionierung von Schnelldrehern mit sehr hoher Pickleistung kann Pick-by-Light das passende Verfahren darstellen. Da es hierbei auf Geschwindigkeit ankommt, wird Pick-by-Light oftmals in Kombination mit automatisierten Lagersystemen eingesetzt, etwa zur Kommissionierung von Klein- und Bauteilen in der Automobil-und Fertigungsindustrie. Der Kommissionierer wird hierbei über eine Signallampe mit Display und mindestens einer Quittiertaste an jedem Lagerfach zum gewünschten Artikel geleitet. Das Display zeigt die zu kommissionierende Menge an, die der Mitarbeiter mit der Quittiertaste bestätigt. Dank der lichtgeführten Navigation weiß der Mitarbeiter genau, aus welchem Fach welche Ware zu entnehmen ist und die Wahrscheinlichkeit eines Fehlers sinkt.

Trotz Hype noch nicht ausgereift: Pick-by-Vision

Pick-by-Vision ist eines der neusten Kommissionierverfahren, indem es die Nutzung einer Spracherkennung mit der visuellen Anzeige von Informationen per Datenbrille kombiniert. Der Kommissionierer kann weiterhin ungestört freihändig arbeiten und erhält zusätzlich Informationen in Echtzeit auf seine Brille, sodass er den aktuellen Status seines Auftrags stets im Blick hat. Pick-by-Vision nutzt die Technologie von erweiterter Realität (Augmented Reality, AR), wodurch das Einblenden von relevanten Daten sowie unterstützenden Grafiken und Modellen ermöglicht wird. Pick-by-Vision ist zwar technisch schon ausgereift und lässt sich in moderne Lagerverwaltungssoftware integrieren, beschränkt sich im Moment aber noch auf Prototypen in Testumgebungen. Die Industrietauglichkeit scheitert an der Datenbrille selbst, die den permanenten Hochleistungsanforderungen einer professionellen Lagerumgebung noch nicht gewachsen ist. Dafür ist sie nicht robust genug und die Akkulaufzeiten bei Weitem nicht ausreichend.

Verfahren ergänzen einander

Warum aber ein einziges Verfahren implementieren, wenn man die Vorteile mehrerer Lösungen verbinden kann? Sprachtechnologien zum Beispiel spielen entlang der gesamten Logistikkette eine wichtige Rolle und überzeugen mit einer zuverlässigen und schnellen Pick-Leistung insbesondere bei der Kommissionierung von Kleinteilen. Dank der hohen Produktivität der Mitarbeiter und der geringen Fehlerquote ist und bleibt Pick-by-Voice eine sichere Investition. Dabei ist das Verfahren oftmals nicht als Einzellösung in Gebrauch, sondern komplementär zu anderen Applikationen. So wird im Lager nach wie vor auf Barcodescanner gesetzt, etwa beim Kommissionieren von Paletten. Der Lagermitarbeiter greift hierfür kurzzeitig auf ein Barcode- oder RFID-Lesegerät zurück und führt anschließend die Kommissionierung über sein Headset fort. Am Ende hat dasjenige System die Nase vorn, welches sich mit den Anforderungen des Kunden hinsichtlich Wirtschaftlichkeit, Qualität, Flexibilität und Effizienz deckt – nur dann werden Unternehmen bereit sein, in die Technik zu investieren.

Dirk Becker/bw

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