Lagerverwaltung

Mehr Puste im Lager

Kaeser stellt mit Viastore auf SAP Hana um. Kaeser Kompressoren ist einer der weltweit führenden Kompressorenhersteller und Druckluftsystemanbieter.

Nach der Umstellung auf SAP EWM und Hana ist die Zahl der Picks pro Tag um 40 Prozent gestiegen. (Foto: Viastore)

Das erfordert eine entsprechend leistungsfähige Supply Chain, deren Herz das Distributions-Center in Coburg ist. Durch eine Umstellung auf das SAP EWM mit Hana konnte Viastore die Leistungsfähigkeit des Lagers um ein Vielfaches steigern.

In mehr als 100 Ländern vertreibt Kaeser Druckluftanlagen. „Die Organisation der Supply Chain ist damit die wichtigste Aufgabe der IT“, sagt Falko Lameter, Chief Information Officer (CIO) der Kaeser Kompressoren Gruppe. Dreh- und Angelpunkt der Logistik ist das Distributions-Center in Coburg: Von hier wird nicht nur Europa mit Produkten und Ersatzteilen versorgt, sondern auch das Distributions-Center in den USA. Entstanden ist der Logistik-komplex 2001/2002. Schon damals wurde das Warehouse Management über SAP realisiert. Lameter: „Mit dem 2002 eingeführten SAP TRM (Task and Resource Management) hatten wir die Möglichkeit, in Verbindung mit dem SAP LES (Logistics Execution System) auch das automatische Hochregallager an SAP anzubinden.“ Damals fiel die Entscheidung nicht nur für SAP im Lager, sondern auch für Viastore: Die Stuttgarter lieferten die Lagertechnik und integrierten als SAP-Partner das damals neue Distributions-Center in SAP.

„Hana betrachten wir als potenziellen Wegbereiter für unser weiteres Wachstum“ , meint Falko Lameter, CIO der Kaeser Kompressoren Gruppe. (Foto: Viastore)

Neben dem Hochregallager wurden im Laufe der Zeit 19 Lagerlifte, ein Kleinteilelager, das fahrerlose Transportsystem, die Fördertechnik, sechs Kleinteilpackplätze, elf Palettenpackplätze sowie ein Pufferlager zur schnelleren Beladung der täglich bis zu 100 Lkw an SAP angebunden. Seitdem haben sich die Anforderungen an Logistik und Supply Chain grundlegend geändert, wie Falko Lameter erläutert: „Unsere Distribution hat sich in den vergangenen zehn Jahren immer mehr zum Direktversand entwickelt. Das liegt auch an der gestiegenen Variantenvielfalt – wir sind heute kein klassischer Serienfertiger mehr, der vorproduzierte Produkte auf Lager hat. Vielmehr montieren und verschicken wir zum großen Teil auftragsbezogen in der vom Kunden gewünschten Variante.“ Anders sieht es bei den Ersatzteilen aus: „Diese haben wir natürlich im Lager. Doch hier planen wir heute die Aufträge vor.“ Das heißt, die Teile werden exakt so beim Kunden angeliefert, dass sie gleichzeitig mit dem Monteur vor Ort sind. Mit den derartig gestiegenen Anforderungen an die Supply-Chain führte allerdings die Anbindung der zahlreichen Steuerungen zu Problemen, erklärt Rainer Kemmelmeier, Applications Manager Logistics in der IT-Organisation von Kaeser: Dies und andere Gründe führten dazu, dass sich Kaeser 2012 entschloss, auf die aktuelle Software-Version SAP Extended-Warehouse-Management (EWM) upzugraden.

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Einfachere Einbindung der Lagertechnik
Ein Vorteil von SAP EWM ist, dass die Steuerung der unterlagerten Systeme – automatische Paletten- und Kleinteilelager, Shuttles, fahrerlose Transportsysteme und Fördertechnik – direkt an die Lagerverwaltung und das Materialfluss-System angebunden werden kann. Zudem ermöglicht die Architektur des neuen Systems eine deutlich schnellere Kommunikation. Mit der Software SAP PCo (Plant Connectivity) wurde außerdem eine Standardplattform geschaffen, welche die Hardware-Steuerungen in das EWM-System integriert. Dennoch waren noch einige individuelle Anpassungen notwendig. Ein wesentlicher Fokus von Viastore Software lag dabei auf der Programmierung der User-Interfaces, also der Bildschirm-Dialoge für die Mitarbeiter an den Kommissionier- oder Packstationen. „EWM bietet in der Standardversion umfangreiche Leitstands-Funktionen und Features für mobile Transaktionen über Funk“, sagt Kemmelmeier. „Wir dagegen haben in unserem Distributions-Center auch viele stationäre Arbeitsplätze, für die der EWM-Standard keine geeigneten Dialoge bietet. Daher lag ein großer Part der Aufgaben für Viastore darin, hierfür auf unsere Anforderungen zugeschnittene Dialoge zu entwickeln.“

Auch die Steuerung der Liftlager ist jetzt in SAP EWM integriert. (Foto: Viastore)

Nach wenigen Monaten war das Distributions-Center auf SAP EWM installiert. Im nächsten Schritt wurde die gesamte Unternehmenssoftware von Kaeser auf SAP Hana (High Performance Analytic Appliance; also Hochleistungsanalyseanwendung) umgestellt. „Bei uns kommt der Software durch die Globalisierung eine hohe Bedeutung zu, es ist wichtig für uns, auch hier immer vorn dabei zu sein“, unterstreicht Falko Lameter noch einmal. „Als SAP-Anwender ist Hana daher unausweichlich. Zumal es Beispiele von enormen Datenmengen gab, die mit Hana verarbeitet werden können – das war hochinteressant für uns.“ Lameter vergleicht die Einführung von SAP Hana mit dem Architektur-Wandel vom Mainframe zum PC-Netz. „Heute hat das Internet einen solchen Reifegrad erreicht, dass man darauf eine neue Architektur aufbauen kann – für die Firmen bedeutet das wahrscheinlich einen größeren Wandel als damals der Umstieg auf Client-/Server-Lösungen.“ Lameter betont dabei, dass Hana eine völlig neue Software ist, die zudem auf einer neuen Art von Datenbank basiert. „Bei Hana hat man im Prinzip nur noch eine Tabelle der Belege, der Originalbuchungen“, erklärt der IT-Leiter von Kaeser. „Auswertungen werden „on-the-fly“ gemacht – erst bei einer Anfrage werden sie berechnet und nirgendwo gespeichert. Mit dieser Architektur ergibt sich eine erhebliche Verkleinerung der Datenbank.“

Kaeser begann also Schritt für Schritt mit der Umstellung – erst das Customer Relationship Management, dann das SAP BI, danach die Absatz-, Distributions- und Produktionsplanung in SAP Apo und schließlich das Warehouse-Management. Doch bevor eine Migration auf SAP Hana möglich war, musste die gesamte existierende Software-Landschaft auf den aktuellen Stand gebracht werden. Das galt auch für das SAP EWM, das ja in der Version 7.1 eingeführt wurde – doch mittlerweile gab es bereits die Version 9.1.

Heute verlassen deutlich mehr Packstücke das Distributions-Center. (Foto: Viastore)

Die Aufgabe von Viastore lag bei der Umstellung auf Hana unter anderem darin, das Update von SAP EWM 7.1 auf 9.1 durchzuführen und anschließend die Kompatibilität zu kontrollieren. Mit der Umstellung verkürzten sich die Reaktionszeiten des Systems, die Prozesse im Distributionslager sind im Vergleich zur alten Lösung heute deutlich schneller: Angelieferte Waren werden 20 Prozent schneller bearbeitet, 40 Prozent mehr Picks können gezählt werden, der Packvorgang ist um 50 Prozent schneller, Lageraktivitäten und Auswertungen erfolgen 20 Mal so schnell. Rainer Kemmelmeier: „Der Ausstoß des Distributions-Centers ist heute viel höher; wir sind viel schneller – in jedem Bereich.“ bw

Halle 7, Stand D05

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