WMS

Fit durch die Saison

Das Zentrallager des Sportbekleidungs-Herstellers Odlo liefert derzeit rund sechs Millionen Teile an rund 4.500 Verkaufsstellen weltweit: Dynamische Erweiterungen sind im WMS von Dr. Thomas + Partner vorprogrammiert.

Das Zentrallager des Sportwäschehersteller Odlo versendet in jedem Jahr rund sechs Millionen Teile – und will den Output auf zehn Millionen Kleidungsstücke steigern. Dafür wurde ein neues Zentrallager notwendig, das vom WMS des Logistikdienstleister Dr. Thomas + Partner gemanagt wird. (Foto: Odlo)

Das Neue Zentrallager (NZL) war durch „stetiges Wachstum, gesteigerte Anforderungen und dementsprechend höheren Platzbedarf erforderlich geworden“, so Bernd Wolf, Geschäftsführer der Odlo Logistik in Brüggen. Die Anlage, deren jährliche Auslieferkapazitäten von derzeit sechs auf rund zehn Millionen Teile gesteigert werden können, wird als weltweites Logistikzentrum fungieren und hat bereits die Aufgaben der bisherigen sechs Lagerstandorte übernommen. Dr. Thomas + Partner, kurz TUP, haben für Odlo die Integration bei laufendem Betrieb mit adaptiv einsetzbaren IT-Tools unterstützt. Ein Blick auf einige Kennzahlen von Odlo verdeutlicht das Anforderungsprofil an die Prozess-Organisation – gerade hinsichtlich der Flexibilität, die wegen der Saisonalität des Odlo-Geschäfts und den damit verbundenen differierenden Durchsatzvolumina erforderlich ist.

Odlo produziert Funktionswäsche für den Sportbedarf in den Bereichen „Underwear“, „Running“, Bike“, „Tec-Shirts“, „Outdoor“ und Cross-Country. Das Unternehmen beliefert in weltweit 20 Ländern rund 4.500 Verkaufsstellen: Sportfachhändler ebenso wie Handelsketten, Retailer und Online-Anbieter. Für diese umfassenden Aufgaben bietet das NZL 26.000 Quadratmeter Nutzfläche, 4.200 Euro-Palettenstellplätze und 80.000 Lagerfach-Koordinaten im Kommissionierbereich, die bei einem weiteren Ausbau auf 160.000 erweitert werden können.

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Bernd Wolf ist Geschäftsführer der Odlo-Logistik und weiß, wie die Modebranche funktioniert. Auch bei Sportwäsche ist Leistung gefragt. (Foto: Odlo)

Flexibilität durch flexibles Personal
Die im Sportbereich immer noch gültigen zwei Saisonalitäten, nämlich Frühjahr und Sommer sowie Herbst und Winter, sind auch für Odlo relevant. Die Wintersaison dauert von Mitte August bis Mitte Februar und die Sommersaison von Mitte Februar bis Mitte August. Allerdings gibt es innerhalb dieser saisonalen Grobunterteilung unterschiedlichste Liefertermine und signifikant unterschiedliche Auftragsvolumina. Gerade hier macht sich die durch die IT unterstützte und den vergleichsweise geringen Technik-Einsatz erreichte hohe Prozess-Flexibilität bezahlt, die auch einen flexiblen Personaleinsatz ermöglicht: So lassen sich, wie Wolf ausführt, bei geringen Auftragsmengen nur ein bis zwei Kommissionierer einsetzen, während bei hohen Auftragsvolumina in den Spitzenmonaten wie September und Oktober bis zu 40 bis 60 Kommissionierer gleichzeitig arbeiten. Über Arbeitszeitenkonten werden in der Saison Stunden aufgebaut, die in schwächeren Zeiten wieder abgebaut werden.

Die gesamte Logistikabwicklung vom Wareneingang bis zum Warenausgang ist beleglos organisiert. Die Mitarbeiter sind für die wegeoptimierte Durchführung ihrer Tätigkeiten wie Kommissionieren oder Nachschubvorbereitung mit mobilen Datenerfassungsgeräten ausgestattet. Die Software von TUP vereinfacht die manuellen Prozesse und unterstützt effizientes Arbeiten“, betont Wolf. Denn die Mitarbeiter werden nicht mit dem „relativ komplexen Hintergrund der Prozesse konfrontiert“, sondern erhalten leicht fassbare Informationen auf ihre MDE-Displays.

Fehlerfreie Kommissionierprozesse
Die Mitarbeiter melden sich am Pickplatz an und kommissionieren die betreffenden Artikel MDE-geführt mit exakten Informationen, welche und wie viele Teile in welcher Größe und Farbe zu entnehmen und in welchen der Auftragskartons auf dem Pickwagen sie zu legen sind. Mit dem Scan des Kartons wird angezeigt und sichergestellt, dass die gepickten Waren exakt in dem vorgesehenen Karton landen – erst dann zeigt das MDE den nächsten Pick-Ort an. Die fertig kommissionierten Kartons werden versandgerecht verpackt. Da jeder Karton oder jeder spezielle Auftrag wie eine Tour behandelt wird, lässt sich ein „virtueller Datenpool“ bilden, für den jeder Karton angescannt wird. Ist die Sendung komplett, stehen die jeweiligen Tourdaten gebündelt zur Verfügung und können beispielsweise an Zollstellen für die Ermittlung der Verzollungsdaten und Dokumentenerstellung übergeben werden.

Als eine der wesentlichen Besonderheiten ist die Intralogistik des NZL auf die unterschiedlich dimensionierten Liefervolumina ausgelegt. So können Sendungen aus nur einem einzigen Teil bestehen, etwa einem Shirt oder auch beispielsweise aus 100.000 Teilen, die an einem Tag an einen Kunden gesendet werden. Zudem schlägt das LVS aus sieben unterschiedlichen Kartongrößen die jeweils passende vor und veranlasst für jede VE ein Barcode-Etikett, mit dem die nachfolgenden zusätzlichen Funktionen beleglos über MDE abgearbeitet werden. So unterstützt das LVS auch die Abbildung von Mischkartons, so dass bei Retouren die Einzelteile mit einem relativ geringen manuellen Aufwand wieder dem Logistikprozess zugeführt werden können.

Schnelle Nachlieferung sei kein Problem
Der Logistikprozess des NZL ist auf die Multi-Channel-Anforderungen ausgerichtet. Derzeit beziffert sich das Verhältnis stationärer Handel zu Online-Handel auf rund 90:10 – mit steigender Tendenz für den Online-Handel. Für die Funktionalitäten wie die Performance der Logistik bei Odlo und damit die Intralogistik des NZL galt und gilt es eine Reihe von Herausforderungen physisch wie IT-mäßig für die Optimale Prozess-Gestaltung zu bewältigen.

Eine hohe Priorität genießt die „Bottle-Neck-Behebung“, wie Wolf betont. So werden derzeit rund 30 Prozent der Artikel vor dem Versand mit added value services bearbeitet. Hierzu zählen Preisauszeichnung, Sicherungsetiketten, E-Commerce-spezifische Aufmachungen, Länder-Spezifika sowie die Generierung der Cross-Docking-Fähigkeit. Insgesamt werden 50 bis 60 unterschiedliche von Kunden geforderten Mehrwert-Leistungen durchgeführt. Für den effizienten Prozess-Flow ist hier entscheidend, dass im LVS hinterlegt wird, ob die Auftragskartons gleich in die Packerei transportiert oder ob sie zuvor in einen der Bereiche für zusätzliche Serviceleistungen gefördert werden müssen.

Ebenso wichtig ist für Odlo das „NOS-Programm“. NOS steht für „Never Out of Stock“. „Wir haben ein sehr starkes Nachorder-Geschäft und sind daher auf ein hochleistungsfähiges NOS-Programm angewiesen, das den Händlern eine Reihe erheblicher Vorteile bietet“, erläutert der Geschäftsführer: Sie können bei hohen aktuellen Nachschub-Bedarfen die entsprechende Ware schnell ordern und müssen stets nur ein bestimmtes Sortiment von Odlo vorhalten. Wolf: „Damit reduziert der Retailer seine räumlichen Kapazitäten und seine Kapitalbindung, denn wir sichern ihm zuverlässige und schnelle Nachlieferung zu.“

Reinhard Irrgang

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