Automatisches Tiefkühllager für Energieeffizienz und Prozesssicherheit

Hähnchen à la Kiev

Eine hohe Warenqualität bei gleichzeitig niedrigen Herstellungskosten und stetigen Investitionen - das ist das Erfolgsrezept des ukrainischen Landwirtschaftsunternehmens Myronivsky Hliboproduct (MHP), dem größten Geflügelfabrikanten des Landes. Im Zuge einer Wachstumsstrategie entschied sich MHP für den Bau eines neuen automatischen Tiefkühllagers mit unterbrechungsfreier Kühlkette und hoher Energieeffizienz.

Über eine Förderstrecke gelangen die Paletten mit dem Hühnerfleisch in das automatische Tiefkühllager. (Foto: Viastore)

Geht man in der Ukraine durch einen Supermarkt, trifft man dort mit großer Wahrscheinlichkeit auf die Erzeugnisse von Myronivsky Hliboproduct. Das Unternehmen aus Kiev gehört zu den größten industriellen Landwirtschaftsbetrieben des Landes. MHP verfügt über ein umfassendes Netzwerk aus Farmen, Verarbeitungsstätten und Verteilzentren. Etwa 30.000 Mitarbeiter erwirtschafteten 2013 einen Umsatz von mehr als 1,4 Milliarden US-Dollar.

Das Kerngeschäft des Unternehmens ist Geflügel: Über eine Milliarde Dollar hat Myronivsky Hliboproduct 2013 allein mit Hühnerfleisch umgesetzt. Das entspricht einer verkauften Menge von 475.000 Tonnen Geflügel - mehr als 50 Prozent der gesamten ukrainischen Hühnerproduktion. Dabei ist MHP in die komplette Wertschöpfungskette involviert: Vom Anbau und der Verarbeitung von Futtermitteln über Aufzucht- und Mastbetriebe bis zu Schlacht- und Kühlhäusern sowie Distributionszentren. Das Geflügel wird in eigenen Anlagen zu Nahrungsmitteln weiterverarbeitet und schließlich gekühlt oder gefroren an konzessionierte Händler und Supermärkte verkauft. Für die Auslieferung betreibt das Unternehmen eine eigene Flotte mit rund 500 Lkw. 2013 exportierte der Konzern zudem rund 25 Prozent seines Geflügels in die GUS, den Mittleren Osten, nach Zentralasien und Afrika. Das Unternehmen hat damit begonnen, auch die westeuropäischen Märkte für sich zu erschließen. "Wir sind bereits jetzt einer der größten Geflügelproduzenten Europas", erklärt Anastasiya Sobotyuk, die bei MHP für Anlegerbeziehungen verantwortlich ist. "Daher ist es für uns nur logisch, unsere Waren auch den Kunden in Westeuropa anzubieten." Dafür jedoch muss MHP sämtliche Qualitätsstandards der EU und anderer westeuropäischer Staaten erfüllen.

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Eine der wichtigsten Anforderungen an die Hersteller von gekühlten und gefrorenen Lebensmitteln ist die Einhaltung einer unterbrechungsfreien Kühlkette. Nur so kann eine gleichbleibend hohe Produktqualität gewährleistet werden. MHP entschied sich deshalb für den Bau eines Tiefkühllagers am Standort Ladyzhyn in der Region Vinnytsia, um die hohen europäischen Standards erfüllen zu können. Doch auch andere Faktoren flossen in die Planung ein, erklärt Sergei Ivanov, Konstruktions- und Planungsleiter bei MHP: "Wir suchten nicht nur nach einer effizienten Lösung für eine durchgängige Kühlkette. Das neue Lager sollte auch den vorhandenen Platz optimal nutzen und die Herstellungskosten niedrig halten." Einen Partner für das Projekt fand MHP in Viastore Systems. Besonders überzeugt zeigte sich MHP von der Beratungskompetenz der Schwaben: Diese begann mit einer gemeinsamen Beratungsphase, bei der die Experten des international erfahrenen Tiefkühllager-Spezialisten verschiedene Vorschläge für die Umsetzung des Projekts unterbreiteten. In den Gesprächen mit Viastore kam man schnell zu dem Ergebnis, dass für diese Aufgabe nur ein Automatiklager in Frage kommen würde.

Hohe Lagerdichte für mehr Energieeffizienz
MHP entschied sich schließlich für ein dreigassiges Automatiklager mit mehrfach-tiefer Lagerung, denn dieses nutzt den vorhandenen Platz am besten aus. "Bei diesem System ist die Lagerdichte besonders hoch", erläutert Frank Heptner, Spezialist für Tiefkühllager bei Viastore. "Dadurch braucht das Lager weniger Raum und ist somit besonders energieeffizient." Energiekosten sind bei einem Tiefkühllager zentraler Kostenfaktor, denn schließlich muss es das ganze Jahr über die geforderte Temperatur halten. Um die Energie so effizient wie möglich zu nutzen, muss der Kälteverlust so niedrig wie möglich sein. "Das erreicht man am besten, indem man die Grundfläche des Lagers gering hält", weiß der Viastore-Experte, "denn die meiste Kälte geht über das Dach verloren."

Hier haben Automatiklager einen klaren Vorteil: Während bei einem manuell bedienten Lager die Regalhöhe aufgrund der Hubhöhe von Gabelstaplern auf maximal zwölf bis 14 Meter begrenzt ist, nutzen automatische Hochregalsysteme die vorhandene Fläche wesentlich effektiver. Im neuen dreigassigen Tiefkühllager von MHP schaffen neun Ebenen mit einer Fläche von 68 mal 55 Metern auf einer Gesamthöhe von 20 Metern Platz für 20.300 Paletten. Deren Ein- und Auslagerung übernehmen drei Regalbediengeräte (RBG) vom Typ Viapal. Diese sind für die mehrfach-tiefe Lagerung mit Shuttles ausgerüstet. Bis zu neun Paletten pro Lagerkanal können damit hintereinander gelagert werden.

Das Hühnerfleisch wird nach der Verarbeitung zunächst schockgefroren, dann in Boxen gepackt und auf Paletten gestellt. Diese werden per Stapler auf die automatische Fördertechnik gesetzt und in das Lager transportiert. Dort übernimmt sie das RBG und fährt sie in eine der drei Gassen. Vom RBG aus bringt ein Shuttle die Palette mit der Ware in den Kanal. Vergleichbar funktioniert die Auslagerung und der Transport ins Verteilzentrum, wo die Ware palettenweise zum Versand in die Märkte in Lkw verladen wird. Das Warehouse-Management-System (WMS) Viadat steuert die gesamten Prozesse vollautomatisch. Sergei Ivanov: "Die Prozesssicherheit und die Effizienz sind beeindruckend. In manuell bedienten Lagern kommt es immer wieder zu Fehlern: Mal wird ein Produkt im Regal vergessen, mal werden MHD-Daten nicht richtig ausgelesen, mal landet eine Palette am falschen Platz." Und noch einen Vorteil gibt es: "Weil alle Lager- und Transportprozesse vollautomatisch ablaufen, muss sich auch keiner unserer Mitarbeiter mehr im Tiefkühlbereich aufhalten. Das macht deren Arbeitsbedingungen angenehmer."  bw

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