APS-Software

Präziser Eingriff in die Supply Chain

Advanced Planning and Scheduling Software. Serag-Wiessner senkt die Bestände und verbessert die Lieferbereitschaft mit APS-Software.

In den Branchen Pharma und Medizin gehört hohe Lieferbereitschaft zu den wichtigsten Kriterien, die Hersteller zu beachten haben. (Foto: Serag-Wiessner)

In den Branchen Pharma und Medizin ist neben der einwandfreien Produktqualität eine hohe Lieferbereitschaft ein wichtiges Kriterium, das Hersteller zu beachten haben. Viele Unternehmen reagieren mit höheren Sicherheitsbeständen, was allerdings viel Liquidität bindet. Serag-Wiessner hat diesen Balanceakt mithilfe der Advanced Planning and Scheduling Software (APS) Diskover SCO gemeistert.

Wenn die Bestellung bei Serag-Wiessner eingeht, muss es schnell gehen: Nahtmaterial verschiedener Resorptionsstufen, textile Implantate oder Spül- und Infusionslösungen müssen oft innerhalb von 24 Stunden vor Ort sein. Für die Hersteller solcher Produkte ist das mit einem erhöhten Lagerbestand verbunden, da man auch bei Bedarfsschwankungen sowie Störungen in der Beschaffungskette lieferfähig bleiben muss. Zur Erfüllung dieser Anforderungen werden Bestände im Fertigwarenlager vorgehalten, die auf Basis der ERP-Bestellvorschläge von Planern und Disponenten dimensioniert wurden. Im Falle von Serag-Wiessner bedeutet das, dass von den rund 3.000 Artikeln, die das Unternehmen anbietet, rund 1.500 Artikel ab Versandlager vorgehalten werden müssen, statt sie erst auf Bestellung fertigzustellen. Nur so können die etwa 25.000 Kunden, zu denen Krankenhäuser, niedergelassene Ärzte und Großhändler im In- und Ausland zählen, die Ware innerhalb der geforderten Lieferzeit erhalten. Da in diesen Beständen viel gebundenes Kapital und damit auch hohes Einsparpotenzial liegt, strebte Serag-Wiessner eine Bestandsreduzierung an. Es folgte die Suche nach einer das ERP-System effektiv und nachhaltig ergänzenden Lösung zur Dispositionsoptimierung. Das Tool sollte Zielgrößen aktiv steuern können und selbstregelnd Abweichungen vom Soll-Ziel darstellen, um Handlungsempfehlungen abzugeben. Zudem mussten einige Zielgrößen zwingend erreicht oder eingehalten werden: Lieferzeiten von 24 bis 48 Stunden sowie eine durchschnittliche Ziellieferbereitschaft von 96 Prozent. Außerdem sollten die Fertigungsaufträge und die damit verbundenen Rüstvorgänge auf 1.200 pro Monat limitiert sein. All diese Rahmenbedingungen schränken den Disponenten ein, wenn er Bestände senken soll. Dennoch ist es am Ende geglückt, die Bestände nachhaltig zu senken.

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ERP-System allein reicht nicht aus
Zu Beginn des Projekts wurde die Lieferkette auf Herz und Nieren geprüft: Wie steht es um die Dispositionsprozesse und die logistischen Kenngrößen wie Reichweite, Lieferbereitschaft und Lagerumschlag? Auch das ERP-System wurde dahingehend untersucht, ob alle Werkzeuge verfügbar sind, mit denen man die Disposition verbessern und Bestände effektiv und dauerhaft senken kann. Hier zeigte sich, dass mit dem ERP-System allein diese Ziele nicht zu erreichen sind, weil ERP-Systeme keine Spezialsysteme für Prognose und Disposition sind. Zwar kann der Anwender diese Aufgaben mit gewissen Einschränkungen erledigen, das Ergebnis ist aber nicht optimal, denn Automatismen zur kontinuierlichen Optimierung der Dispo-Parameter sind praktisch nicht vorhanden.

Geringere Bestandsmengen und hohe Lieferbereitschaft kann der Anwender in unterschiedlicher Qualität erzielen. Zielorientiert und gesamtkostensenkend ist jedoch erst die simulationsbasierte Planungsautomatisierung. (Foto: SCT)

Quasi alle bekannten ERP-Systeme arbeiten ausschließlich mit statistischen Verfahren, die eine normalverteilte Nachfrage unterstellen, etwa Mittelwertverfahren oder exponentielle Glättung. Doch in der Praxis ist eine normalverteilte Nachfrage praktisch nie anzutreffen. Vielmehr unterliegt die Nachfrage ständigen saisonalen, konjunkturellen oder anderen Schwankungen. Die Konsequenz: Berechnungen unter Annahme einer normalverteilten Nachfrage führen zu systematisch falschen Bedarfsprognosen und Bestandsfehlern. Neben dem übergeordneten ERP-System sind also noch präzisere Spezialwerkzeuge erforderlich, um optimal disponieren zu können: Advanced Planning and Scheduling Software – oder kurz APS-Software.

Differenzierte Simulationen
Bei der Suche nach dem passenden APS-Tool wurde Serag-Wiessner bei SCT und deren Supply-Chain-Optimierungssoftware Diskover SCO fündig. Vor allem die umfangreichen Simulationsfunktionalitäten und die hohe Prognosegenauigkeit haben überzeugt. Bei der Einführung wurden mithilfe differenzierter Simulationen zunächst die Einflüsse von Lieferbereitschaft, Beständen und des Rüstaufwandes ermittelt. So ließ sich herausfinden, mit welchen Einstellungen für die genannten Parameter die Ziellieferbereitschaft bei geringstmöglichen Beständen erreichbar ist. Auf Basis dieser Daten können die Disponenten präzise in die Supply Chain eingreifen und diese optimieren. Dabei berücksichtigt Diskover auch differenzierte Regelwerke für die Disposition verschiedene Produktgruppen, die den Kriterien der ABC- und XYZ-Kennzeichen sowie der Lagerhaltigkeit und den Marktanforderung der verschiedenen Produktgruppen Rechnung tragen. So können etwa unterschiedliche Ziellieferbereitschaftsgrade oder höhere Reichweiten für die Losgrößen für geringwertige C-Artikel definiert werden. Das ist gerade für Unternehmen wie Serag-Wiessner interessant, deren Produkt-Portfolio vielfältig ist, da so für jede Produktgruppe jeweils optimal disponiert werden kann,

Komfortable Supply-Chain-Optimierung
Diskover SCO ist präzise und einfach handhabbar. Das macht die Supply-Chain-Optimierung komfortabel. Anwender werden beispielsweise aktiv auf den aktuellen Handlungsbedarf hingewiesen und profitieren von der durchgängigen grafischen Visualisierung von Bedarfsprognosen und den korrespondierenden Dispositionsvorschlägen. Die Auswirkungen von Verfahrens- oder Stammdatenänderungen lassen sich interaktiv und intuitiv durchsimulieren und grafisch darstellen, was die Entscheidungsfindung unterstützt. Dank des Mietlizenzmodells und Continuous Delivery minimiert Diskover auch Kosten und Aufwand für Anschaffung, Wartung und Betrieb der Softwarelösung.

Seit der Einführung von Diskover SCO hat sich die Bestandssituation bei Serag-Wiessner deutlich verbessert. Überbestände wurden abgebaut und der Gesamtbestand auf rund 65 Prozent verringert. Trotzdem ließ sich die Lieferbereitschaft noch um drei Prozentpunkte auf kontinuierliche 96 Prozent verbessern. Durch die Reduzierung des Lagerbestands um 35 Prozent konnte Serag-Wiessner entsprechende Liquiditätsreserven freisetzen.

A. Capellmann/pb

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