Automatiklager

Montage-Versorgung deutlich verbessert

Maschinenbauer Grob setzt auf automatische Lagerlösung von Viastore. Für den Maschinenbauer Grob war es eine logistische Grundsatzentscheidung: Das Familienunternehmen mit Hauptsitz in Mindelheim stellte die Versorgung seiner Montageplätze komplett vom Prinzip „Mann-zur-Ware“ auf eine automatische Lagerlösung um. Projektpartner war Viastore Systems.

Der Maschinenbauer Grob stellte die Versorgung der Montageplätze komplett auf eine automatische Lagerlösung um. Die Montage-Versorgung ist deutlich verbessert, die Prozesse sind einfacher, transparenter, schneller. (Foto: Viastore)

Seit nahezu 40 Jahren ist Mindelheim Stammsitz der Grob-Werke. Mit mehr als 113.000 Quadratmetern Produktionsfläche und über 3.000 Mitarbeitern ist das Mindelheimer Werk der größte Standort der Gruppe. Das Familienunternehmen ist Anbieter von kundenspezifischen Gesamtlösungen in der Großserienfertigung: individualisierte Fertigungsanlagen, bestehend aus modular aufgebauten Bearbeitungszentren und Sondermaschinen, die durch moderne Automatisierungslösungen verkettet sind. Dazu gehören Zerspanungsanlagen für die Automobilindustrie, Montageanlagen im Bereich Powertrain aber auch Universal-Bearbeitungszentren für Zulieferer, für die Bereiche Medizintechnik, Werkzeug und Formenbau, Aerospace sowie für den allgemeinen Maschinenbau. Die Fertigungstiefe bei Grob ist sehr hoch. Auch Planung, Engineering, Ausführung, Implementierung und betriebsfertige Übergabe führt das Unternehmen im Haus durch. Weltweit beschäftigt die Grob-Gruppe 4.500 Mitarbeiter und erwirtschaftete eine Leistung von 950 Millionen Euro im Jahr 2013.

In den vergangenen Jahren hat der Anlagenbauer seine Produktion um mehr als 35 Prozent erweitert und rund 700 weitere Arbeitsplätze geschaffen. Einhergehend mit dem unternehmerischen Erfolg sind aber auch die Anforderungen an einen effizienten Materialfluss zur Versorgung der Montagearbeitsplätze gestiegen. Eine Vergabe der Logistik an einen Dienstleister kam wegen der hohen Komplexität der Montageprozesse und der Materialbereitstellung nicht in Frage. Mit dem Ziel, die diversen Außenlager wieder zurückzuholen, gab die Unternehmensleitung vor zwei Jahren grünes Licht für eine neue Logistikhalle. Mit diesem Projekt hat Grob auch das Lagerkonzept auf ein System mit geplanter Ware-zu-Person-Kommissionierung umgestellt. Die Waren befinden sich auf Paletten, in Palettenboxen und in unterschiedlich großen Behältern. Eine besondere Herausforderung: Bei Grob gibt es 1,9 Millionen Materialstämme – und jeden Tag kommen rund 500 hinzu. Also machten sich die Logistiker auf die Suche nach einem kompetenten Partner.

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Je nach Situation
Von ursprünglich 15 angefragten möglichen Anbietern blieben nach ersten Gesprächen noch drei übrig, Viastore machte das Rennen. „Uns hat die hohe System- und Softwarekompetenz von Viastore überzeugt. Es ist nicht leicht, einen Partner zu finden, dessen Software sich nahtlos an SAP anbinden lässt. Das war für uns sehr wichtig“, hebt Christian Lisiecki, Bereichsleiter Logistik, hervor.

Das automatische Palettenlager mit vier Kommissionierplätzen und sieben Regalbediengeräten vom Typ viapal bietet Platz für 8.772 Euro-Paletten. Jede Palette kann eine Tonne Last tragen. Im Vollbetrieb leisten die Regalbediengeräte 280 Ein- und Auslagerungen pro Stunde. (Foto: Viastore)

Viastore realisierte bei Grob ein viergassiges automatisches Kleinteilelager (AKL) mit 2-/4-fach tiefer Lagerung und ein siebengassiges, einfachtiefes automatisches Palettenlager. Im Kleinteilelager mit 65,5 Metern Länge, 8,4 Metern Breite und 8,8 Metern Höhe verfahren vier Hochleistungs-Regalbediengeräte (RBG) vom Typ Viaspeed. 26.288 Stellplätze stehen zur Verfügung, pro Stunde können 580 Behälter ein- und ausgelagert werden. Das Lager verfügt über vier Kommissionierplätze und ist auf einer Bühne mit einem Aus-/Einlagerplatz an ein manuelles Lager angebunden. Das Besondere: Die Lastaufnahmemittel des Viaspeed können situationsbezogen entweder zwei Behälter mit einer Grundfläche von 600 mal 400 Millimeter handhaben, vier Behälter der Grundfläche 300 mal 400 Millimeter – oder einen 600 mal 400 und zwei 300 mal 400 Millimeter große Behälter. Der Nutzen: deutlich höhere Flexibilität bei der Lagerung von kleinen Teilen und höhere Platzausnutzung.

Eine ebenfalls clevere Idee der Stuttgarter Intralogistik-Experten: Sie haben das AKL räumlich in zwei Hälften aufgeteilt. „Das hat den Vorteil, dass wir mit nur einer fördertechnischen Anbindung beide Seiten bedienen können“, beschreibt Peter Päusch, der das Planungs- und Vertriebsbüro Süd von Viastore leitet. Das automatische Palettenlager mit vier Kommissionierplätzen und sieben Regalbediengeräten vom Typ Viapal ist 76,6 Meter lang, 30,4 Meter breit und 8,5 Meter hoch. Die Lagerung erfolgt einfachtief, es stehen 8.772 Stellplätze mit einer maximalen Traglast von einer Tonne pro Palette zur Verfügung.

SAP als führende Software
Ein Kamerasystem von Vitronic erfasst den Füllgrad eines jeden Ladungsträgers. „Erstens erhalten wir dadurch wertvolle Kennzahlen, zweitens können unsere Mitarbeiter so gezielt leere Behälter entnehmen und entsprechend Teile zulagern. Das trägt dazu bei, den Füllgrad von Behälter und Lager zu optimieren“, sagt Lisiecki.

Zum Management und zur Steuerung der Anlage setzt Grob SAP in Verbindung mit dem Warehouse Management System „Viad@tCLM“ ein. CLM steht für „Container Location Management“ und ist Teil der „Viad@tWMS-Suite“, die sämtliche Funktionalitäten in einem automatischen oder manuellen Lager und Distributionszentrum anbietet. Dieses System ist an SAP gekoppelt und konzentriert sich in diesem Anwendungsfall auf die Vergabe und die Verwaltung von Lagerplätzen.

Vorgabe von Grob war, dass SAP das führende System ist – auch im Lager. Die Bediener sollten mit dem SAP-Frontend arbeiten, damit sich ein System durch alle Arbeitsbereiche des Unternehmens durchzieht. „Wir haben sehr spezifische Zusatzinformationen, die wir unseren Mitarbeiter anzeigen wollen, um Fehler zu vermeiden“, sagt Lisiecki. Dennoch wollte Grob wichtige Funktionen von Viad@t übernehmen. Diese Lagersoftware kann dank ihres modularen Aufbaus an sämtliche Anforderungen angepasst werden. „Die Hoheit über die Platzvergabe liegt bei Viad@t. Das System weiß, wo welche Ware liegt“, sagt Lisiecki.

Die Kombination aus SAP, Viad@t und Systemlösungen von Viastore bezeichnet Lisiecki als „sehr gute Lösung, die einerseits unsere SAP-Vorstellungen umsetzt und andererseits die Stärken der Viastore-Lösungen nutzt.“ Die Software ermöglicht es dem Logistik-Chef, sich die gewünschten Kennzahlen per Dashboard individuell und flexibel zusammenzustellen.

Für Grob hat sich das automatische Lager ausgezahlt. Die Anlage läuft von Beginn an problemlos, und der Füllgrad im Palettenregal liegt wenige Wochen nach dem Hochlauf bereits bei 81 Prozent, im Behälterregal bei 46 Prozent. „Durch die Automatik-Lösung von Viastore können wir unsere Prozesse weiter verbessern. Die Kommissionierqualität ist sehr gut und die Umschlagsgeschwindigkeit deutlich höher als vorher“, urteilt Lisiecki.

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