Lagerlösung

Fliegenspray mutiert von A nach D

Krämer Pferdesport, Europas Marktführer für Reitsportartikel mit einem Sortiment von mehr als 20.000 unterschiedlichen Artikeln, hat psb mit der Realisierung eines hochleistungsfähigen Logistikzentrums beauftragt. Hier lassen sich die Aufträge der Endkunden in mehr als acht Ländern erfüllen.

Im Kommissionierbahnhof werden die Behälter mit den aus dem AKL kommissionierten C- und D-Artikeln auf Kommissionierwagen umgebucht. (Foto: Irrgang/psb)

"Aufgrund der internationalen Expansion unseres Unternehmens in den vergangenen Jahren sowie der Vergrößerung und Optimierung unseres Sortiments war eine größere Lagerhaltung und eine höher automatisierte Intralogistik an dem für uns nach wie vor idealen Standort Hockenheim unbedingt notwendig", so Walter Stricker, Prokurist bei Krämer Pferdesport. Die Erfahrungen von psb intralogistics mit der bei Krämer Pferdesport eingesetzten ERP-Software von D&G-Software war mitentscheidend für die Wahl von psb als Realisierungspartner für die neue Intralogistik. Das Leistungsspektrum von psb für Krämer umfasst den gesamten Regalstahlbau für das AKL und das HRL inklusive der jeweiligen RBG, die jeweiligen Lagervorzonen und Fördertechniken, die AKL-Kommissionierplätze und -bahnhöfe, die Konsolidierungs- und Packplätze sowie den Wareneingang und -ausgang. Hinzu kommen neben der kompletten Elektrik und den Steuerungen Module aus dem von psb entwickelten umfassenden Steuerungs- und Software-Paket Selektron, der Materialflussrechner MFC, das Lagerverwaltungssystem WMS sowie die Anbindung an das bei Krämer etablierte ERP-System D&G VS 4.

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Das zehngassige AKL mit 110.000 Behälterstellplätzen wird von zehn bis zu sechs Meter pro Sekunde schnellen Regalbediengeräten (RBG) des Typs Sprinter von psb bedient, die für die gleichzeitige Aufnahme von vier Behältern mit Doppel-Lastaufnahmemitteln ausgestattet sind. Die für 1.600 Behälterdoppelspiele pro Stunde konzipierte Anlage bietet eine Systemleistung von 1.200 Behältern pro Stunde. Zudem umfasst die Anlage sechs AKL-Kommissionierplätze mit einer Leistung bis 1.200 Positionen pro Stunde, vier Kommissionierbahnhöfe für bis zu 5.000 Teile pro Stunde, sechs Packplätze für bis zu 600 Pakete pro Stunde sowie zwei Warenausgänge für die Belieferung der Filialen und der Endkunden. Walter Stricker über die Dimensionierung des AKL: "Um unseren Kunden gerecht zu werden, bieten wir ein großes und breit angelegtes Produktspektrum an, auch in unterschiedlichsten Farben und in seltenen Randgrößen. So entstehen mehrere Tausend Langsamdreher der Kategorie C und D, für deren wirtschaftliche Bevorratung und Verwaltung das große AKL ideal ist." Und eine wirtschaftlichere Lösung, denn ein Shuttle-System hätte in diesem Fall zehn bis 15 Prozent weniger Behälterplätze bedeutet. Zudem werden die Kapazitäten des AKL für das Retourenhandling benötigt - ein wichtiges Thema für Krämer.

Bei allen weiteren Artikeln sind bezüglich ihrer AKL-Tauglichkeit strenge Grenzen festgelegt, etwa hinsichtlich der Umschlagsgeschwindigkeit und des Volumens. So werden Artikel mit insgesamt maximal fünf Liter Volumen in das AKL eingelagert, wobei eine Box mindestens acht bis zehn Artikel aufnehmen sollte. Ein wichtiges Kriterium für die Logistikleistung von Krämer Pferdesport ist der permanent fließende, jeweils vom ERP eingesteuerte Prozess der Artikel-Klassifizierung. So wird beispielsweise Fliegen-Spray als klassischer A-Artikel des Sommers im Winter schnell zum C- oder D-Artikel, analog changieren wärmende Jacken von ihrem A-Status im Winter zur C- und D-Kategorie im Sommer. Beachtliche Mengen von Artikeln werden so saisonal bedingt umgelagert.

Das sechsgassige, 110 Meter lange und rund 50 Meter breite HRL bietet eine lichte Höhe von 21 Metern, wobei rund vier Meter unter Straßenniveau gebaut sind, ist für doppeltiefe Lagerung ausgelegt und wird von sechs bis zu sechs Meter pro Sekunde schnellen RBG des Typs Maxloader bedient, die 150 Doppelspiele pro Stunde leisten. Die Fachlast pro Palette ist aus wirtschaftlichen Gründen auf 900 Kilogramm begrenzt. Die am Wareneingang auf Europaletten angelieferten Warenkartons werden auf hausinterne Systempaletten umgelagert, die die Verfügbarkeit im System erhöhen.

Während das HRL die mit A und B klassifizierten Artikel aufnimmt und somit Nachschub für die manuelle Kommissionierung der Schnelldreher bereithält, werden die C- und D-Artikel in Behälter umgepackt und in das AKL eingelagert. Sperrige, nicht behälterfähige Artikel wie etwa Sättel und Reitgerten von 1,2 Meter Länge werden in einem eigenen Bereich vorgehalten und auftragsbezogen dem Konsolidierungs- und Verpackungsbereich zugeführt. Die Funktion der beiden Lagersysteme entspricht den beiden getrennten Prozessen für die Versorgung der 36 Filialstandorte und die Ausführung der mittlerweile überwiegend online getätigten Kundenbestellungen. Analog sind zwei Kommissionierfunktionen realisiert: So werden im Kommissionier-Areal für die C- und D-Artikel sowohl die Produkte für die Megastores als auch die für die Endkunden kommissioniert. Da die Filial-Belieferungen je nach Volumen auf Paletten und in Sammelbehältern ausgeführt werden, reicht hier eine einstufige Kommissionierung. Für die Endkunden-Aufträge hingegen ist eine zweistufige Kommissionierung erforderlich. Die Artikel werden sowohl aus dem AKL abgerufen als auch im manuellen Kommissionierbereich für die A- und B-Schnelldreher per MDE-geführtem, optimierten Pickrundgang gesammelt.

Fehlerfreiheit vorprogrammiert durch Vielfach-Scanning
"Bei den Kommissionierprozessen beginnen wir mit der Kommissionierung der C- und D-Artikel aus dem AKL", wie Walter Stricker erläutert. "Die Fördertechnik transportiert die entsprechenden Behälter zu den Kommissionierbahnhöfen, wo sie auf Kommissionierwagen umgebucht werden, mit denen die Mitarbeiter die Schnelldreher-Artikel der Kategorien A und B hinzupicken und anschließend den Wagen zum Bahnhof zurückfahren. Dort wird über ein Sortierregal von einer artikelreinen Kommissionierung zu einer auftragsbezogenen Kommissionierung umsortiert." Der fertige Auftrag liegt nun in einem Kommissionierfach und löst im so genannten "Karton-Start" den richtig dimensionierten Karton aus. Dieser wird zum Sortierregal transportiert, wo der Putterin per Lichtsignal angezeigt wird, aus welchem Fach die Artikel in den jeweils vordersten Karton gepackt werden müssen. Dem breiten Sortiment entsprechend werden bei Krämer Pferdesport acht unterschiedliche Kartongrößen eingesetzt, wobei der größte Karton das 25-fache Volumen des kleinsten aufweist.

Reinhard Irrgang/bw

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