Kleinteilelager

Herz des Ersatzteilgeschäfts

Skoda erweitert Witron-AKL. Der tschechische Automobilhersteller Skoda beliefert aus seinem European Spare Parts Center in Mladá Boleslav Vertragspartner in aktuell 106 Ländern weltweit. Eine zentrale Funktion hat das Automatische Kleinteilelager (AKL).

Das bestehende AKL für die Ersatzteilversorgung bei Skoda wurde um drei Gassen erweitert. (Foto: Witron)

Skoda erwirtschaftet mit dem Verkauf von Originalteilen und Originalzubehör (OT/OZ) mehr als 600 Millionen Euro Umsatz pro Jahr. „Die größte Herausforderung für die Logistik im Bereich der Lieferungen von OT/OZ im Verkauf sind deren Qualität sowie Liefergeschwindigkeit, Termintreue und Sortimentskomplexität (Verfügbarkeit) – und natürlich auch der Preis“, sagt Petr Jira, Betriebssysteme und Resources After Sales. Das Ziel für die Logistik bestehe vor allem darin, stabil einen Wert von 98 Prozent bei der ersten Lieferung nach Bestellung zu erreichen, die für Schnell- und Lageraufträge festgelegt sind. Hierfür ist ein hochleistungsfähiges und flexibles Logistiksystem Grundvoraussetzung. „Im Servicegrad enthalten ist natürlich auch die Kommissionierqualität“, so Petr Jira. Hier liegt das Konzernziel bei maximal drei Reklamationen bei 1.000 gelieferten Teilen.

Die Flexibilität in der Logistik ist wichtig, weil im Ersatzteilzentrum in Mladá Boleslav im Drei-Schicht-Betrieb zwei unterschiedliche logistische Grundprozesse ablaufen: Zum einen werden im Sinne eines Einzelhandelsgeschäfts von hier aus sämtliche Ersatzteile der Konzernmarken VW, Audi und Seat an alle 460 Servicepartner beziehungsweise Vertragswerkstätten in Tschechien, der Slowakei und dem Baltikum verschickt. Dabei gilt: Bestellung bis 18 Uhr, Lieferung im Verlauf des darauffolgenden Vormittags. Zum anderen beliefert man aus Mladá Boleslav Großhändler in 106 Länder weltweit mit dem gesamten Ersatzteilsortiment. Diese unterschiedlichen Prozessabläufe sind in der Struktur des European Spare Parts Centers durch ein effizientes logistisches Gesamtkonzept wirtschaftlich abzubilden. Mit ausschließlich manuellen Lagerbereichen ist diese Komplexität allerdings nicht abbildbar. Daher arbeitet Skoda seit 1998 im Bereich der Lagerautomatisierung mit dem Planungs- und Realisierungsspezialisten Witron zusammen. Herzstück des Ersatzteillogistikzentrums ist ein AKL zur Lagerung kleiner und mittelgroßer OT/OZ mit hoher Umschlaggeschwindigkeit. Dieses wurde seit 1998 permanent erweitert. Die abgeschlossene Erweiterung beinhaltet drei Gassen mit insgesamt 34.560 Behälterplätzen. Fünf verschiedene Behältertypen – bis zu vierfach unterteilt – sorgen für eine maximale Raumausnutzung im AKL.

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„Eine Erweiterung des AKL war für uns einer der strategischen Schritte zur Absicherung einer hinreichenden Kapazität und Bearbeitungsgeschwindigkeit der Kundenaufträge“, so Jira. Denn für die Erweiterung der Kapazitäten und die Entwicklung des Niveaus der Lagerautomatisierung im ŠPC gebe es zwei Gründe: Zum einen befindet man sich in einer Modelloffensive bei der Fahrzeugproduktion, und die Produktionskapazität wächst beständig – dies führt auch zu einem Anstieg im Sortiment von OT/OZ. Zum anderen bestellen Kunden heute öfter, bedarfsgerechter und in kleineren Mengen. Im 13-gassigen AKL hat Skoda samt der Erweiterung rund 140.000 Lagerplätze. Der Füllgrad liegt durchschnittlich bei 85 bis 90 Prozent. Mehr als 40 Prozent der täglichen Bestellpositionen werden hier bearbeitet.

Eine Witron-Entwicklung: Die Verdichterstation ermöglicht eine maximale Nutzung der Lagerkapazitäten. (Foto: Witron)

Breites Artikelspektrum
Skoda vertraut im SPC dem integrierten Lager- und Kommissioniersystem OPS (Order Picking System). Hiermit lässt sich ein breites Artikelspektrum mit Klein- und Kleinstartikeln problemlos beherrschen. Pufferstrecken vor den Arbeitsplätzen ermöglichen die sequenzielle Bereitstellung der Lagerbehälter und entlasten diese gleichzeitig von der Geschwindigkeit der hochdynamischen Regalbediengeräte der Witron-Tochter Förder-Anlagen-Systeme (FAS).

Für die in Mladá Boleslav durchgeführte Erweiterung hat Witron gemeinsam mit dem TÜV Rheinland patentierte Pick-Arbeitsplätze entwickelt, die in Bezug auf Arbeitsplatzergonomie die Konzernanforderungen erfüllen. Für den Kommissionierer besteht die Möglichkeit, während der Arbeit zu sitzen oder zu stehen beziehungsweise Touch-Screens oder ein Fußpedal zum Quittieren der Aufträge zu nutzen. Zudem sind die Arbeitsplätze hell und optisch ansprechend gestaltet – eine gewisse Wohlfühlatmosphäre für den Mitarbeiter ist wichtig. An jedem der drei neuen Arbeitsplätze können bis zu zehn Aufträge parallel kommissioniert werden. Ein Lagerbehälter kann hier bis zu vier verschiedene Produkte gleichzeitig enthalten.

Maximale Lagerverdichtung
Die weitestgehend fehlerfreie Kommissionierung ist durch den Einsatz von Pick-by-Light-Anzeigen sowie integrierte Flächenscanner gewährleistet. Ebenso wird der Mitarbeiter durch akustische Signale auf Kommissionierfehler aufmerksam gemacht. Jeder Prozessschritt wird mit Terminal-Dialogen transparent dargestellt. Die durchschnittliche Kommissioniergeschwindigkeit liegt bei 220 Picks pro Arbeitsplatz pro Stunde.

Der maximalen Verdichtung im Lager dient eine weitere technische Witron-Entwicklung: Die im AKL verwendeten Behälter unterschiedlicher Größe und Höhe werden auf Trays transportiert. Dabei ist der Boden der Tray-Trägerplatte so konzipiert, dass ein bis vier Behälter gleichzeitig transportiert werden können. Erkennt das OPS-System, dass sich beispielsweise auf Trays mit zwei oder vier Behältern eine gewisse Anzahl an leeren Behältern im AKL befindet, werden diese automatisch an einen Verdichtungsplatz ausgeschleust. Hier erfolgt die mechanisierte Trennung von vollen und leeren Behältern; volle Behälter werden auf einem Zweier- beziehungsweise Vierer-Tray zusammengeführt und gehen zurück ins AKL, leere Trays werden auf einem Zweier- oder Vierer-Tray gebündelt und kommen in den Wareneingang, wo sie wieder befüllt werden. Die Verdichtung erfolgt außerdem unmittelbar IT-technisch im Lagerverwaltungssystem. Eine manuelle Unterstützung ist für diesen Prozess nicht mehr notwendig.

Thomas Wöhrle/bw

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