Automatisches Kleinteilelager

Hoch hinaus

Kleinteile lagern im Kingsize-Format
Das viergassige AKL bei HaWe erreicht stolze 21 Meter Höhe, ist 40 Meter lang und 16 Meter breit.
Als Vollsortimenter mit über 9.000 verschiedenen Artikeln beliefert die HaWe-Werkzeuge mehr als 3.000 Kunden. Damit diese das Qualitätswerkzeug pünktlich erhalten, legt das Unternehmen Wert auf reibungslose Kommissionierabläufe. Dafür lieferte Bito ein Automatisches Kleinteilelager (AKL) im Großformat mit rund 60.000 Stellplätzen.

Gegründet im Jahr 1936 und bis heute konsequent auf Wachstumskurs – so lässt sich die Erfolgsgeschichte des mittelständischen Handelsunternehmens HaWe-Werkzeuge Hans Werner GmbH & Co. KG in Laupheim bei Ulm in aller Kürze beschreiben. 1936 machte sich der Gründer Hans Werner mit Holzbearbeitungs-Werkzeugen an den Start. Doch die Kunden wollten bald mehr als nur Hobel, Schmiegen oder Winkel. Deshalb wurde das Verkaufsprogramm mit der Zeit um Handwerkszeuge von renommierten Herstellern aus dem Raum Wuppertal und Remscheid erweitert. Zudem veranlasste die Warenknappheit in der Nachkriegszeit Hans Werner zur Errichtung eines Auslieferungslagers für seine Vertretungsfirmen, um die Kunden besser versorgen zu können. Aus dem Handelsbetrieb entwickelte sich so ein Großhandel, weshalb in den 1950er Jahren die Umsiedlung in ein neues Industriegebäude anstand. Nachdem hier mit der zweiten Ausbaustufe die Kapazitätsgrenzen erreicht waren, verlagerte HaWe das erneut expandierende Unternehmen an den jetzigen Standort, der in vier Bauabschnitten auf mehr als 8.000 Quadratmeter Lagerfläche ausgeweitet wurde. Nach wie vor wächst die Firma. Deswegen wurde 2009 damit begonnen, in einem fünften Bauabschnitt ein Hochregallager zu errichten und die Kommissionierung zu modernisieren. Dafür gab es klare Zielvorstellungen und Anforderungen, mit denen sich die angefragten Lager- und Fördertechnik-Lieferanten wie die Gebhardt Fördertechnik auseinandersetzen mussten. Erschwerend kam hinzu, dass die neue Halle mit dem Hochregallager und dem Wareneingang, der Kommissionierung und der Versandvorbereitung in den bestehenden Standort integriert werden sollte.

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AKL bringt 60.000 Stellplätze

Die Anfragen bei potenziellen Lagersystem-Anbietern brachten verschiedene Lösungsvorschläge. Am Ende überzeugte das Komplettangebot, das die Gebhardt Fördertechnik als Generalunternehmer offerierte. Gebhardt nahm für die Gewerke AKL und Behälter die Firma Bito ins Boot. Das Gesamtprojekt an den GU Gebhardt zu vergeben, hatte für HaWe den Vorteil, nur einen Ansprechpartner zu haben und somit die leidige Schnittstellenproblematik zu vermeiden. Bito als ein wesentlicher Systempartner übernahm die Realisierung des AKL mit acht Reihen und vier Gassen für insgesamt 60.768 Stellplätze. Das AKL – 21 Meter hoch, 40 Meter lang und 16 Meter breit – war auch für die erfahrenen Anwendungstechniker von Bito eine ziemliche Herausforderung. Bei HaWe handelt es sich um das größte beziehungsweise höchste bis dato gebaute „inneneingestellte“ AKL.

Außerdem wurden von dem Lagerspezialisten auch die Zugangs- und Fördertechnikbühne geliefert und schließlich 51.000 KLT-Behälter 64320R, wobei es sich hier um Behälter mit den Abmessungen 600 mal 400 mal 320 Millimeter (L x B x H) handelt, die einen verstärkten Boden aufweisen. Dieser ist erforderlich, weil die Behälter für Lasten bis 50 Kilogramm ausgelegt werden mussten. Außerdem sorgen die verstärkten Böden für mehr Laufruhe. Die 51.000 KLT sind aus recyceltem Material hergestellt, was hinsichtlich der Leistungsfähigkeit keine Beeinträchtigungen mit sich bringt, aber hilft, die Kosten zu reduzieren. HaWe wählte die KLT deshalb auch in stapelbarer Ausführung, weil das AKL nicht nur zur Lagerung von Kleinmengen, sondern grundsätzlich zur Aufnahme jeglicher Lagerware bis zu einer bestimmten Größe dient. Demnach kann es sein, dass Produkte, die es in größeren Mengen zu bevorraten gilt, bis zu 30 Behälter beanspruchen, während es sich ansonsten um einzelne mit Ware gefüllte Behälter handelt. Interessant ist auch die doppelt tiefe Lagerung der Behälter in den einzelnen AKL-Fächern, die deshalb für Fachlasten bis 100 Kilogramm (zwei KLT à 50 Kilogramm) ausgelegt sind. Dadurch, und natürlich durch die Systemhöhe, konnte auf der knapp bemessenen Hallenfläche eine enorme Lagerdichte erreicht werden. Stellten sich Gerd und Rainer Werner zum Anfang ihrer Überlegungen vor, im neuen Lagerbereich einmal über etwa 20.000 Behälter-Lagerplätze verfügen zu können, so sind heute im AKL mehr als 60.000 Stellplätze vorhanden.

Sortiments-Erweiterung

Im Durchschnitt bearbeitet HaWe im erweiterten Einschichtbetrieb pro Tag etwa 250 Sammelaufträge mit 7.000 Einzelpositionen. Für eine wirtschaftliche und dabei termingerechte Auslieferung auch in Spitzenzeiten erwartet die Geschäftsführung von den im AKL installierten Regalbediengeräten bis zu 220 Doppelspiele pro RBG, was bei doppelttiefer Lagerung der KLT einen Umschlag von 440 Behältern pro Stunde bedeutet. Auch in Bezug auf die Traglast der Behälter und der Fachlasten gibt es Reserven, weil die Behälter nur mit maximal 30 Kilogramm beladen sind. Damit können sie beim Einlagern, Kommissionieren und Umlagern im Fall der Fälle auch manuell gehandhabt werden. Außerdem kommen zum Kommissionieren weitere 300 Bito-Behälter vom Typ MB der Größe 600 mal 400 mal 223 Millimeter zum Einsatz. Diese sind so ausgerüstet, dass sie wahlweise ineinander oder im gefüllten Zustand nach Umlegen eines Bügels aufeinander gestapelt werden können. Dadurch ist das Unternehmen flexibel. Wenn sie nicht gebraucht werden, kommen sie aufgestapelt auf einen Bereitstellungsplatz. „Im Übrigen haben wir die Ausführungen der Behälter des AKL und für die Kommissionierung bewusst verschieden gewählt, um auch optisch eine klare Trennung zu haben. Aufgrund der mehr als doppelt so hohen Anzahl an Lagerbehältern wie anfänglich geplant ist es jetzt auch wieder möglich, unser Sortiment bedarfsgerecht auszuweiten, um die Kundenwünsche in jeder Hinsicht befriedigen und aus einer Hand beliefern zu können. Mit dem AKL und den standardisierten Behältern von Bito sowie mit den RBG und der Fördertechnik von Gebhardt zu den aktuell vier Kommissionierplätzen haben wir einen großen Schritt nach vorn gemacht“, sagt Geschäftsführer Gerd Werner. bw

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