Rekord mit Kardex

Amica baut höchstes Lager in Polen

In Wronki hat der Hausgerätehersteller Amica zusammen mit Kardex Mlog das höchste Hochregallager in Polen – zugleich eines der größten seiner Art in ganz Europa – in Betrieb genommen. Im Zentrum stehen fünf doppelsäulige MTwin-Regalbediengeräte mit zweifachem, doppelttiefen Lastaufnahmemittel und einer Höhe von mehr als 45 Metern.

Die neuen Regalbediengeräte MTwin sind 45 Meter hoch und haben jeweils zwei Lastaufnahmemittel für die zweifachtiefe Lagerung. (Bild: Kardex)

Polen ist mit Abstand der bedeutendste Produktionsstandort für weiße Ware in Europa. Praktisch jeder namhafte nationale und internationale Hersteller betreibt dort eigene Werke. Fast die gesamte Produktion geht in den Export, Hauptabnehmer mit knapp 25 Prozent der Nachfrage ist Deutschland, dann folgen Großbritannien, Frankreich, Italien und Schweden. Die Produktionsbänder der 30 spezialisierten polnischen Fabriken verlassen jedes Jahr etwa 15 Millionen Waschmaschinen, Geschirrspüler, Kühlschränke und Elektroherde. Hinzu kommen Kleingeräte wie Mixer, Mikrowellen oder Wasserkocher, die von hier aus ihren Weg in die Küchen und Hauswirtschaftsräume Europas finden.

Besonders der inländische Marktführer Amica wendete in den letzten Jahren erhebliche Mittel für die Ausweitung der Produktions- und Lagerkapazitäten auf. Das Unternehmen ist nicht nur auf dem heimischen Markt eine Größe – ein Gerät von Amica steht in mehr als der Hälfte der polnischen Haushalte – sondern in mittlerweile über 50 Ländern der Welt aktiv. In den besonders wichtigen Exportmärkten werden die Geräte unter den Markennamen Amica, Gram, Hansa und CDA vor allem über Elektro- und Baumärkte vertrieben. Die gesamte Gruppe beschäftigt mehr als dreitausend Mitarbeiter.

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25.760 Palettenstellplätze in fünf Gassen

Angesichts der dynamischen Erhöhung von Produktions- und Vertriebskapazitäten investierte Amica nun in die Erweiterung der Produktions- und Lageranlagen an ihrem Hauptsitz in Wronki in der Nähe von Posen. Rund 60 Millionen polnische Zloty (etwa 14 Millionen Euro) investierte das Unternehmen in das neue, vollautomatische Hochregallager, das Anfang September dieses Jahres eröffnet und in Betrieb genommen wurde. Im dem fünfgassigen Lager mit einer Länge von 136 Metern und 44 Metern Breite verteilen sich 25.760 Palettenstellplätze. Es hat Lagerkapazitäten für rund 230.000 Elektrogeräte. Hier werden sowohl Großprodukte – Einbauherde, Waschmaschinen, Geschirrspüler, Waschtrockner – als auch Kleinprodukte wie Kochfelder oder Dunstabzugshauben gelagert.

So außergewöhnlich hoch die verbauten Regalbediengeräte auch sein mögen, so kurz waren die Entscheidungswege. Amica führte das Projekt in Eigenregie ohne Generalunternehmer durch. So fiel die Entscheidung für Kardex Mlog als Lieferant der Regalbediengeräte inklusive Software binnen weniger Wochen. Einer Delegation des Auftraggebers, die eigentlich den Regalstahlbau im Lager eines namhaften schwäbischen Unternehmens in Augenschein nehmen wollte, waren die dort eingesetzten Regalbediengeräte aufgefallen – nicht zuletzt aufgrund ihrer Dimensionen mit knapp 43 Metern. Die Delegation erkannte gleich die sich daraus ergebenden Möglichkeiten für die Erweiterung des Logistikzentrums in Wronki.

Im dem fünfgassigen Lager mit einer Länge von 136 Metern und 44 Metern Breite verteilen sich 25.760 Palettenstellplätze. (Bild: Kardex)

Nicht viele Hersteller haben Geräte dieser Größenordnung überhaupt in ihrem technologischen Portfolio. Kardex Mlog entwickelt und fertigt die Regalbediengeräte komplett im eigenen Werk in Süddeutschland und kann daher auch „die Dimensionen ohne Qualitätseinbußen skalieren“, wie Hartmut Schaffroth, Konstruktions- und Fertigungsleiter von Kardex Mlog, berichtet. Nachdem auch der deutsche Betreiber der Regalbediengeräte den Delegierten von Amica seine positiven Erfahrungen schilderte, erhielt Kardex Mlog zwei Monate später den Auftrag aus Polen über die Lieferung und den Bau von mindestens fünf Geräten des Typs MTwin, mit einer Höhe von 45,2 Metern – für Kardex Mlog ein Rekord. Darüber hinaus gehörten die Paletten-Fördertechnik sowie die Materialflusssteuerung und das Lagerverwaltungssystem zum Lieferumfang.

Zwei Lastaufnahmemittel je RGB

Die RBG haben jeweils zwei Lastaufnahmemittel mit einer Traglast von zwei mal 550 Kilogramm für die zweifachtiefe Lagerung – eine Kombination, die nur mit einem zweisäuligen Gerät wie dem MTwin möglich ist. Durch dieses Konstruktionsprinzip kann die Ein- und Auslagerung ebenso effizient wie raumsparend erfolgen. Großprodukte, wie zum Beispiel Einbauherde, werden als lose Pakete mit vier, acht oder zwölf Produkten auf Paletten bewegt. Kleinprodukte, wie Kochfelder, Dunstabzugshauben oder Ersatzteile, können in Stapeln mit von mehr als zehn bis zu einigen Dutzend Stück gepackt, vorausgesetzt, dass die begrenzenden äußeren Abmessungen der Ladung eingehalten werden.

Bei Spielzahlen von rund 18 Kombinationen pro RBG, bei denen die Paletten ein- und ausgelagert werden, ergibt sich damit eine hohe Systemleistung von 160 Paletten (Auslagerung) und 120 Paletten (Einlagerung) pro Stunde. Die Steuerung der RBG erfolgt über den Materialflussrechner und die Lagerverwaltung im Kardex Mlog Control Center MCC mit Anbindung an das unternehmensseitige SAP. Der über das SAP zur Verfügung gestellte Artikelstamm wird im MCC um interne Eigenschaften erweitert und für die Steuerung des Materialflusses angepasst. Die Anbindung erfolgt unter anderem über die Schnittstelle LE-IDW „Integration of a Decentralized Warehouse Management System“. Zusätzlich zum automatischen Lager wurden noch manuelle Regallager und Blockbereiche in der Kommissionierung und Verladung in den Rechner integriert. as

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