Mensch-Maschine-Kommunikation

Dr. Birgit Lutzer/as,

„Ich bin fertig, du bist dran!“

Gigaset ist ein Anbieter von Telefonie- und Smart Home-Lösungen sowie Smartphones. Das Stammwerk, die Gigaset Communications, hat ihren Sitz in Bocholt. Die dortige Produktion ist hochautomatisiert und digitalisiert. Dabei spielte die Refa-Lehre von Anfang an eine große Rolle.

Am Anfang jeder U-Linie befindet sich eine Station, an der die Kommunikation zwischen Mensch und Roboter über Gesten läuft. (Im Bild: Atakan Salamci). © Refa/Gigaset

Bei Gigaset laufen große Teile der Fertigung schon seit 20 Jahren teil- oder vollautomatisiert. Mindestens ebenso lange arbeiten die Entscheider auf Basis der Refa-Lehre. Das Regelwerk enthält Methoden und Berechnungsinstrumente, mit denen Abläufe geordnet und verbessert werden können. Die Arbeit wird dadurch an die menschlichen Bedürfnisse angepasst und gleichzeitig effektiver.

CEO Klaus Weßing ist seit 1983 im Unternehmen. Seit 2015 ist er Vorstandsvorsitzender von Gigaset und schon lange mit Refa verbunden. Er blickt zurück: „Auch meine ganzen Chefs hatten einen Refa-Hintergrund. Von daher war es bei meinem Einstieg ins Unternehmen klar, in welche Richtung wir gehen.“ Aus Weßings Sicht sind vor Digitalisierungsprozessen klare Strukturen nötig, die bei Gigaset mithilfe der Refa-Lehre geschaffen wurden.

Weßing: „Am Anfang steht jeweils eine gründliche Analyse aller Ablaufschritte.“ Denn Prozesse spielen bei Refa eine große Rolle. „Wir wissen genau, durch welche Arbeitsschritte ein Produkt entsteht. Und wir wissen genau, wie die Arbeit an die Mitarbeiter verteilt wird. Darauf haben wir ein optimales Fertigungskonzept aufgesetzt.“

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CEO Klaus Weßing (Mitte) und der Leiter Automatisierungstechnik, Jörg Wißing (rechts), zeigen Reporterin Birgit Lutzer, wie das Zusammenwirken von Menschen und Maschinen funktioniert. © Refa/Gigaset

Rüstbedingte Unterbrechungen um 90 Prozent gesenkt
Er wird konkret: „Damals haben wir durch Messungen und Berechnungen Zeitverschwendung im Bereich des Rüstens aufgedeckt und diese beseitigt.“ Jede Linie werde derzeit einmal in jeder Stunde gerüstet, um von Auftrag A zu Auftrag B zu wechseln. „Die dadurch bedingte Unterbrechungszeit haben wir reduziert von früher etwa 38 Minuten auf aktuell drei bis vier Minuten.“ Gelingen konnte dies durch geschickte Arbeitsorganisation und den Einsatz vieler Roboter – zum Beispiel in der Smartphone-Fertigung.

Roboter haben sich gewandelt
In vielen Produktionsbereichen bei Gigaset übernehmen Roboter Teile der Fertigung und interagieren mit den Menschen. Die Akzeptanz der Maschinen durch die Belegschaftsmitglieder sei ein längerer Weg gewesen, betont CEO Weßing. Denn die alten Roboter von vor 20 Jahren seien gefährlich gewesen: „Ihre Kräfte und die enormen Geschwindigkeiten waren einfach zu hoch.“ Er erinnert sich: „Über jedem Roboter war zum Schutz der Mitarbeiter eine Zelle mit Fangzaun eingebaut, damit keiner ins Geschehen eingreifen konnte.“

Automatisierungstechnologie-Leiter Wißing schlägt die Brücke in die Gegenwart: „Wenn jetzt die gleichen Menschen mit verbesserten Robotern arbeiten sollen, muss erst ein Umdenken stattfinden.“ Die Angst müsse überwunden werden – und noch mehr: „Final sollten Mitarbeiter gern eine solche Maschine anfassen, die vor 20 Jahren gefährlich war.“

Schritt für Schritt zur neuen Technologie
Um das zu erreichen, wurden die Roboter bei den Produktionsmitarbeitern ganz sanft im Verlauf eines halben Jahres eingeführt. „Wir haben erst einen Roboter hingestellt. Nach und nach durfte sich jeder Mitarbeiter damit vertraut machen“, beschreibt Wißing die Vorgehensweise. Der Roboter habe ein Teil genommen, es bearbeitet und dem Mitarbeiter präsentiert. „So schafften wir es, 90 Prozent der Belegschaft an die neue Technologie heranzuführen.“ Er betont, das Zusammenwirken von Menschen und Maschinen funktioniere inzwischen „richtig gut“ und nennt als ein Beispiel die Smartphone-Fertigung.

Es gibt in der Smartphone-Fertigung sechs U-Linien, die die gleiche Zahl verschiedener Produkte herstellen. Und weil das Verpacken sechsmal so schnell geht wie die Herstellung, kann eine Packstation mit ein bis zwei Mitarbeitern im Schichtbetrieb sechs U-Linien abarbeiten. An einem im Raum befindlichen Fertigungs-Leitstand werden die Kundenaufträge von den Mitarbeitern in die passende Reihenfolge gebracht. Und sie planen den damit verbundenen Personaleinsatz. Sind weniger U-Linien aktiv, werden Schichten und die Mitarbeiterzahl reduziert.

Alle Geräte werden an einer Extra-Packstation außerhalb der U-Linie verstaut, und zwar nach demselben Aufbaukonzept in die gleiche Art Karton. Wie bei der U-Linie, begleitet die Mitarbeiterin (im Bild: Arzu Özber) das Produkt beim Verpackungsprozess. © Refa/Gigaset

Montage und Testen
Am Anfang jeder U-Linie befindet sich eine Station, an der die Kommunikation zwischen Mensch und Roboter über Gesten läuft. Es gibt auf beiden Seiten Haltungen und Handlungen, die bedeuten „Ich bin fertig, mach du bitte weiter“. Der Roboter wartet zunächst in einer bestimmten Pose, während der Mitarbeiter eine Folie von einem Teil abzieht. Dann berührt er die Maschine, so dass diese weiterfährt. Das ist möglich über Sensoren, durch die der Roboter jede Einwirkung auf seinen Arm registriert.

Ist eine Smartphone-Baugruppe fertig montiert mit Kamerabeschleunigungssensoren, Headset und Beleuchtung, erbringt der Mitarbeiter weitere Vorleistungen. Er schiebt Stecker ins Gerät. Dann übergibt er es dem Roboter zum Überprüfen. Dieser macht reproduzierbar immer wieder die gleichen Test-Schritte. Ist er damit fertig, übergibt er das für gut befundene Gerät wieder zurück an den Menschen. Fehlerhafte Smartphones werden an dieser Stelle automatisch aussortiert.

Der Mensch kann eingreifen
Alle Geräte werden an einer Extra-Packstation außerhalb der U-Linie verstaut, und zwar nach demselben Aufbaukonzept in die gleiche Art Karton. Wie bei der U-Linie, begleitet die Mitarbeiterin das Produkt beim Verpackungsprozess. Der Roboter nimmt den Karton und setzt einen Einsatz aus gefalteter Pappe hinein. Diese Federung ist nötig, um ein Herumklappern der Zubehörteile in der Schachtel zu verhindern.

Denn sonst nehmen Käufer an, dass Komponenten seien. Anschließend folgt das Smartphone mit allen Zusatz-Komponenten. Macht der Roboter einen Fehler wie zum Beispiel das Fallenlassen einer Schachtel, können die Mitarbeiter gefahrlos in diesen Prozess eingreifen. Dies ist eine große Verbesserung im Vergleich zu früheren Technologien, bei denen ein Einwirken erst nach Abschluss des gesamten Prozederes möglich war.

Gigaset will weiter automatisieren

Die Gigaset-Verantwortlichen setzen bei ihrem Fertigungskonzept darauf, dass die Roboter immer dasselbe tun und allenfalls selten einen Fehler machen. Die Menschen hingegen können filigrane und komplizierte Arbeitsschritte besser durchführen. Vorstandsvorsitzender Klaus Weßing ist damit sehr zufrieden: „Dadurch verläuft Prozess konform mit der Refa-Lehre gegen null Fehler. In die Richtung werden wir weitergehen.“

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