Verbindungstechnik

Lotse für Industrie 4.0

Daten sind der Rohstoff des 21. Jahrhunderts. Damit sie in Bewegung bleiben, braucht es eine leistungsfähige Infrastruktur. Die bekommen Anwender von Lapp – maßgeschneidert und mit der richtigen Beratung, verspricht Georg Stawowy, Vorstand von Lapp für Technik und Innovation.

Ethernet setzt sich durch in der industriellen Datenkommunikation. Aktuelle Maschinen werden bis zum Aktor oder Sensor mit Ethernet verbunden. (Bild: Lapp)

Die Einführung der Dampfmaschine Ende des 18. Jahrhunderts, die elektrifizierte Massenproduktion hundert Jahre später, die computergestützte Automatisierung seit den 1970er Jahren – wenn über Industrie 4.0 geredet wird, wird häufig der vorangegangenen industriellen Revolutionen gedacht und nach Gemeinsamkeiten gesucht. Die gibt es: Sie alle haben die Art zu arbeiten und Güter zu produzieren revolutioniert und die Produktivität vervielfacht. Und sie haben neue „Rohstoffe“ erschlossen: Dampfkraft, elektrische Energie, elektrische Signale. Mit Industrie 4.0 steht erneut ein großer Schritt an: Daten sind der neue Rohstoff des 21. Jahrhunderts. Damit verschmilzt die physische Welt mit der digitalen, gleichzeitig nimmt die Vernetzung zu – jede Maschine, jedes „Ding“ tauscht mit anderen Informationen aus.

Infrastruktur ohne Hierarchien

Das hat Konsequenzen für die Organisation in produzierenden Unternehmen, besonders was den Fluss von Daten betrifft. Die klassische Automatisierungspyramide mit der Unternehmens(ERP)-Ebene an der Spitze, der Steuerungsebene in der Mitte und der Feldebene an der Basis wird sich in eine Infrastruktur ohne Hierarchien auflösen. Das Analysieren und Visualisieren, das Treffen von Entscheidungen und ihre Umsetzung in physikalische Bewegungen sowie das Erfassen von Informationen in einem digitalen Zwilling finden laufend und simultan statt und bedingen einander.

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Die Revolution in den Fabrikhallen hat auch Auswirkungen auf das Geschäft von Lapp – und zwar voraussichtlich nur positive. Denn wenn jeder mit jedem kommuniziert, nimmt die Zahl der Verbindungen explosionsartig zu. „Lapp schafft Verbindungen in Fabriken, für Maschinen, für jede industrielle Tätigkeit“, sagt Georg Stawowy, Vorstand der Lapp Holding für Technik und Innovation. Auch wenn sich die Automatisierungspyramide auflöse – die untere Ebene mit der Basisinfrastruktur, die den Rohstoff Daten transportiere, werde immer erforderlich sein.

Verbindungstechnologien werden wichtiger

Verbindungstechnologien werden also sogar noch wichtiger. Das betrifft nicht nur ihre Anzahl, sondern auch die Anforderungen an ihre Qualität, Widerstandsfähigkeit und Verfügbarkeit. Die Verbindungstechnik ist was das Investment angeht in einer automatisierten Fabrik nur eine untergeordnete Position, doch wenn sie ausfällt, können aber schnell horrende Kosten auflaufen, etwa wenn deswegen ein Montageband in einer Automobilfabrik stillsteht. „Im Bewusstsein mancher Anwender mag ein Kabel oder ein Steckverbinder ein C-Teil sein, von ihrer Bedeutung sind es A-Teile“, erläutert Stawowy.

Und es sind Teile, die einiges Know-how enthalten. Die Anforderungen an Verbindungstechnologien selbst und deren Vielfalt steigen und für viele Anwender wird es immer schwieriger, den Überblick zu behalten, welche Produkte und Kombinationen für ihre speziellen Anforderungen geeignet sind. Da gibt es zwei Möglichkeiten: Man verlässt sich auf seine Erfahrung und bestellt Teile, die den Anforderungen vermutlich genügen. Oder man holt sich Rat bei Experten, was angesichts der immer komplexeren Materie zu empfehlen ist.

Georg Stawowy, Vorstand Technik und Innovation bei Lapp. (Bild: Lapp)

Wichtig ist dabei ein ganzheitliches Verständnis, das über das reine Produkt-Know-how hinausgeht. „Wir bezeichnen uns als Kundenversteher und Lotse“, sagt Stawowy. Damit ist gemeint, dass Lapp die Lösung für den Kunden maßschneidert. Sie umfasst die passenden Produkte, wenn nötig auch Spezialanfertigungen, außerdem die einbaufertige Konfektionierung bis hin zum Engineering. Stawowy: „Dazu gehört auch, die Kunden mit dem neuesten Wissen zu versorgen, etwa über Webinare oder Erklärvideos.“ Diese Schulungsaktivitäten sollen künftig ausgebaut werden, etwa zu Grundlagen der Automatisierungstechnik.

Nach diesen Prinzipien hat Lapp auch sein Portfolio aufgebaut. Es enthält alle wichtigen Komponenten, die ein Anwender benötigt, um seine Fabrik nach den Prinzipien von Industrie 4.0 auszulegen, darunter eine große Auswahl an Datenleitungen für unterschiedliche Standards wie Profinet oder CC-Link, neuerdings auch Switches für die Verteilung der Daten in rauen Umgebungen. Weitere Ergänzungen werden folgen. Dazu untersuchen Experten gezielt die Kommunikationsstränge in Kundenapplikationen, um zu ermitteln, was genau die Anforderungen sind und wie eine ideale Lösung beschaffen sein müsste. Auf dieser Grundlage wird das Portfolio entsprechend weiterentwickelt. Die Attraktivität für einen Kunden ergibt sich stärker aus dem Portfolio als aus einem einzelnen Produkt.

Sparte Industrial Data Communications wächst

Diese Aktivitäten schlagen sich auch im Umsatz von Lapp nieder. Derzeit wächst die Sparte Industrial Data Communications jedes Jahr mit über 20 Prozent, vor allem das ethernetbezogene Geschäft legt kräftig zu. Strategisch wird der Bereich der industriellen Datenkommunikation im Verhältnis zur klassischen Ölflex-Anschlussleitung zulegen – allerdings nur relativ gesehen, denn absolut wächst auch dieser Teil des Geschäfts. Das ist nicht verwunderlich, denn neben der Vernetzung nimmt auch die Elektrifizierung weiterhin zu, und mit der Elektrifizierung wächst auch die Nachfrage nach Leitungen. Antriebe, Licht oder auch Klimatisierung brauchen nun einmal Strom.

Bedrohung durch Wireless?

Eine der häufigsten Fragen lautet: Wozu noch Leitungen, wenn man Daten auch per WLAN, Bluetooth oder anderer Funktechnologien übertragen kann? Das stimmt zwar im Prinzip, doch im rauen Fabrikumfeld haben Drahtlostechnologien diverse Nachteile, angefangen bei der Verbindungsstabilität bis hin zu Latenzzeiten, die nur schwer Echtzeitanwendungen erlauben. Wireless bedeutet also nicht das Ende von Leitungen, sondern ist in einem stark wachsenden Markt in speziellen Anwendungen eine sinnvolle Lösung. Lapp bietet mit Partnern auch drahtlose Verbindungslösungen an. Auch hier plant das Unternehmen, nach Bedarf weitere Komponenten ins Portfolio aufzunehmen.

Prognosen sind schwierig, vor allem wenn sie die Zukunft betreffen – das wusste schon Mark Twain. Darum sollte man vorsichtig sein mit Spekulationen, wie sich die Industrie in einigen Jahrzehnten entwickeln wird. Die nächsten zehn Jahre lassen sich aber nach Meinung von Georg Stawowy recht gut überblicken: „Wir werden vernetzte Wertschöpfungsarchitekturen sehen, die Beziehungen zwischen Unternehmen, Kunden und Anwendern werden sich dann nicht mehr durch ihren Ort oder ihre Zugehörigkeit zu einem Unternehmen definieren, sondern mit welchen digitalen Ökosystemen sie sich verbinden.“ Bernd Müller/as

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