Sensorsysteme

Den Schmutz im Blick

Berührungslose intelligente Reinigung. Am Fraunhofer IVV wurde ein Mobile Cleaning Device entwickelt, das mithilfe von Baumer-Sensoren und -Kameras Verschmutzungen in Verarbeitungsanlagen erkennt und dann die hygienegerecht die entsprechende Reinigung vornimmt.

Das MCD passt die Intensität der Reinigung dem Verschmutzungsgrad der Verarbeitungsanlagen an, macht Ergebnisse reproduzierbar und erhöht so die Lebensmittelsicherheit. (Bild: Fraunhofer IVV)

Am Fraunhofer IVV Dresden wird ein mobiles Reinigungsgerät entwickelt, dass mit einem optischen Sensorsystem zur Schmutzerkennung den Reinigungsbedarf in Anlagen erkennt, daraufhin die Parameter zur Reinigung individuell festlegt und diese anschließend autonom durchführt. Dazu wird das Mobile Cleaning Device (MCD) auf dem Anlagenförderband durch die Maschine bewegt. So verbinden die Forscher die Flexibilität manueller Reinigungsprozesse mit dem Vorteil reproduzierbarer Ergebnisse automatisierter Cleaning-in-Place (CIP)-Systeme. Dabei setzen sie auf Sensoren und Industriekameras von Baumer.

Die Idee für den ersten Prototyp des MCD entstand im Rahmen des EU-Projektes „PicknPack“ zur Entwicklung einer flexiblen und modularen Verpackungsanlage. „Unsere Aufgabe war die Entwicklung eines Reinigungssystems. Aufgrund der Modularität der Anlage war die Integration eines konventionellen CIP-Systems aber nicht zielführend“, erklärt Roman Murcek, Projektverantwortlicher für das MCD am Fraunhofer IVV. Ein mobiles, flexibles Reinigungsgerät, das alle produktberührenden Oberflächen der Anlagen hygienegerecht ohne Risiko von Kreuzkontaminationen reinigt, bot sich als Lösung an.

Anzeige

Heute ist das MCD mit sieben Düsen ausgestattet, die abhängig von der Art und dem Grad der Verschmutzung unterschiedliche Reinigungsmedien wie Wasser oder Schaum mit bis zu zehn bar aufbringen können. In den Verarbeitungsanlagen folgt es dem Produktweg und wird auf dem bestehenden Transportsystem durch die Maschine bewegt. Für andere Reinigungsaufgaben ohne Förderband wurde ein selbstfahrendes System konzipiert. Dabei wird entweder ein selbstfahrendes Zusatzmodul genutzt oder Motoren und Räder werden direkt am Reinigungsgerät montiert.

Über einen Induktivsensor der Serie IFBR 17 von Baumer orientiert sich das MCD räumlich in den Anlagen. (Bild: Baumer)

Während der Fahrt durch das zu reinigende Objekt sendet das MCD UV-Licht aus, um die in der Regel fluoreszierenden organischen Schmutzpartikel wie Fettrückstände mittels einer Kamera zu detektieren. „Mit dem eingesetzten UV-Licht erzeugen wir in den meisten Fällen die besten Kontraste, da durch die Anregung kaum sichtbare Lichtanteile entstehen“, erläutert Murcek. Entsprechend der registrierten Verschmutzung und räumlichen Abmessungen reinigt das MCD bedarfsgerecht, indem es beispielsweise stark verschmutzte Bereiche stärker einschäumt. Jede Düse kann dabei individuell angesteuert werden.

Reinigungsmedien, Wasserdruck und -temperatur können so zum einen variiert, zum anderen auch exakt eingesetzt werden, um das beste Ergebnis zu erhalten. Nach dem Vorspülen, Einschäumen und Nachspülen überprüft und protokolliert das Gerät das Reinigungsergebnis. Gesteuert wird das MCD über WLAN, die Energieversorgung wird mittels Akkus realisiert. „Einzige physische Schnittstelle ist ein Schlauch zur Versorgung mit dem Reinigungsmedium“, erklärt Murcek. Dieser ist an eine Versorgungsstation angeschlossen und versorgt das MCD mit Wasser, Schaum oder anderen Reinigungsmedien – ganz einfach ohne Umrüstung durch dieselben Düsen.

Seine Konstruktion macht das MCD für verschiedene Anlagen flexibel nutzbar und erhöht die Lebensmittelsicherheit. Gegenüber manuellen Reinigungsprozessen, die von Menschen durchgeführt werden, arbeitet es effizienter, verlässlicher und reproduzierbarer. „Außerdem kann es Bereiche reinigen, die ein Mensch nicht ohne weiteres erreicht, ohne Teile der Maschine zu demontieren“, erläutert Murcek einen weiteren Vorteil. Die Forscher erwarten zusätzlich eine signifikante Zeitersparnis. Erste Reinigungstests des Fraunhofer IVV ergaben zudem, dass schon heute etwa 20 Prozent an Reinigungsmedien, verglichen mit herkömmlichen CIP-Systemen, eingespart werden können. Die eingesetzte Bildverarbeitung ermöglicht abschließend eine lückenlose Qualitätskontrolle und Dokumentation des Reinigungsprozesses.

Hardwareseitiges Herzstück des optischen Systems zur Schmutzerkennung und bedarfsgerechten Reinigung ist eine GigE-Kamera der CX-Serie mit fünf Megapixel. „Seit Jahren setzen wir in verschiedensten Versuchsständen unter anderem Kameras von Baumer ein, um Reinigungsprozesse zu überwachen und zu quantifizieren oder um Verschmutzungen auf Oberflächen zu detektieren. Aufgrund der guten Erfahrungen haben wir auch beim MCD auf Baumer gesetzt“, erklärt Murcek. Wichtig für die Detektion von schwach fluoreszierenden Verschmutzungen unter UV-Licht sind eine gute Bildqualität und hohe Lichtempfindlichkeit der Kamera. Mit Fünf-Megapixel-Auflösung eignet sich die Kamera zudem, um kleine verschmutzte Areale in einem großen Bildbereich ohne Informationsverlust zu erkennen. Die Bildauswertung erfolgt dank Third-Party-Kompatibilität aktuell über Matlab und Labview.

Die Auswahl der korrekten Reinigungsparameter setzt eine räumliche Orientierung des MCD in der Maschine voraus. Zur genauen Positionsbestimmung kommt ein induktiver Näherungsschalter von Baumer der Serie IFBR 17 mit passender Befestigung zum Einsatz – komplett im Hygiene-Design aus Edelstahl. Seit drei Jahren unterstützt Baumer das Fraunhofer IVV mit Sensoren, die dank der konsequenten Spezialisierung für die Lebensmittel- und Getränkeindustrie optimal auf die hohen Anforderungen lebensmittelproduzierender Bereiche ausgelegt sind. Die eingesetzten Sensoren mit Schutzart IP 69K sind strahlwassergeschützt, korrosionsfrei und hochdruckreinigungsfest. Das EHEDG-zertifizierte und Ecolab-geprüfte hygienegerechte Gehäusedesign ist chemikalienbeständig selbst gegenüber aggressiven Reinigungs- und Desinfektionsmedien, frei von Toträumen und verfügt über glatte Oberflächen, an denen Verunreinigungen keinen Halt finden. Damit ermöglicht der Induktivsensor dem MCD eine hygienegerechte, reinigungsbeständige und zuverlässige Positionsbestimmung. as

Anzeige

Das könnte Sie auch interessieren

Anzeige
Anzeige

Drehgeber

Wenn’s sicher sein soll

Mit dem Multiturn-Drehgeber der Baureihe MH64-II-CAN(MU) bietet FSG einen kompakten Sensor zur Winkelerfassung auch in sicherheitsrelevanten Anwendungen der Kategorien PLd an.

mehr...

Verbindungstechnik

Lotse für Industrie 4.0

Daten sind der Rohstoff des 21. Jahrhunderts. Damit sie in Bewegung bleiben, braucht es eine leistungsfähige Infrastruktur. Die bekommen Anwender von Lapp – maßgeschneidert und mit der richtigen Beratung, verspricht Georg Stawowy, Vorstand von Lapp...

mehr...

Ratgeber

Augen auf beim Handheld-Kauf

Um den digitalen Wandel voranzubringen, braucht es neben Strategie und leistungsstarken Systemen auch kleine, wichtige Tools wie Handheld-Geräte, die Daten exakt und verlässlich erfassen. Cipherlab hat daher einen Ratgeber für die Auswahl von...

mehr...

Optoelektronik

Sensoren lernen

Contrinex hat für seine Optosensoren der Baureihe C23 mit Hintergrundausblendung eine Funktionserweiterung der Empfindlichkeitseinstellung angekündigt. Die PNP-schaltenden Versionen der C23-Sensoren sind mit einer IO-Link-Schnittstelle ausgestattet.

mehr...