Renaissance der Passameter

Kommt alles wieder

Handmessmittel. Passameter, die Vergleichsmessinstrumente für die Überprüfung von Fertigungstoleranzen, erleben eine Renaissance. Bei Mitec kommt ein solches Handmessgerät von Feinmess Suhl in der Qualitätssicherung von Turbocompound-Gehäusen aus einer Aluminiumdruckgusslegierung zum Einsatz.

Mitec setzt Passameter in der Qualitätssicherung unter anderem zur Vermessung von Aluminiumdruckgussgehäusen ein. (Bild: Feinmess Suhl)

Ob analoge oder digitale Messuhren, Messschieber oder Präzisionsmessschrauben für die Außengewinde-, Zahnweiten- oder Innenmessung – Handmessmittel sind auch in Zeiten zunehmender Automation zur Überprüfung von Fertigungstoleranzen nicht wegzudenken. „Bei kleineren Stückzahlen oder der Einzelteilfertigung rechnet sich eine automatische Messeinrichtung in der Regel nicht. Vor allem dann nicht, wenn nur ein Maß zu überprüfen ist, und dieses nicht einmal dokumentiert wird“, erklärt Nils Blondin, Geschäftsführer von Feinmess Suhl. Auch beim Einrichten eines Prozesses oder wenn wenig Raum für die Messung vorhanden ist, sind Handmessmittel die wirtschaftlichere und praktischere Lösung. Sie reduzieren den Messaufwand auf ein Minimum und können für bestimmte Aufgaben spezialisiert werden. Sie sind jahrzehntelang nutzbar, ohne an Präzision zu verlieren. Lediglich bei sehr hohen Messfrequenzen und großen Stückzahlen stoßen Handmessmittel an ihre Grenzen.

Ein Handmessmittel, das zurzeit ein Revival erlebt, ist das Passameter. Ausgestattet mit einem Messwerk, das schnelle Vergleichsmessungen erlaubt und einsetzbar in einem festgelegten Messbereich ist, ersetzt ein einziges Passameter eine Reihe von festen Lehren. Gleichzeitig gibt es dem Anwender eine Längeninformation. Passameter werden vor allem bei der Qualitätsprüfung hochgenauer rotationssymmetrischer und prismatischer Bauteile genutzt. Typische Anwendungen sind die Überprüfung von Fertigungstoleranzen im Mikrometerbereich an Durchmessern von Dreh-, Schleif- und sogar Gussteilen sowie die Dicken- und Längenmessung. Dabei ist der Einsatz nicht auf die metallverarbeitende Industrie begrenzt. Auch Plastikbauteile oder sogar Papier werden mit Passametern überprüft.

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Ein Beispiel für die Vermessung von rotationssymmetrischen Gussteilen ist der Einsatz des Passameters im Qualitätswesen von Mitec in Eisenach. Das inhabergeführte Unternehmen ist spezialisiert auf die Entwicklung von Komponenten zur Reduzierung von Geräuschemissionen und Schwingungen sowie zur Wirkungsgradsteigerung innerhalb des Antriebsstrangs von Kraftfahrzeugen. Die messende Lehre kommt in der Qualitätssicherung von Turbocompound-Gehäusen aus einer Aluminiumdruckgusslegierung zum Einsatz. Turbocompound-Aggregate dienen der Optimierung des Abgasstroms von Nutzfahrzeugen durch Energierückgewinnung aus der Abgaswärme. Dazu transferiert eine integrierte Nutzturbine mithilfe eines Übertragungsgetriebes Energie auf die Kurbelwelle. Die Folge sind eine Leistungssteigerung um bis zu zehn Prozent und eine Kraftstoffeinsparung von sieben Prozent.

Die über rote Zeiger in der großen Messuhr einstellbaren Toleranzgrenzen erleichtern dem Prüfer das Ablesen und sorgen für eine sichere, präzise und eindeutige Messung. (Bild: Feinmess Suhl)

Um diese Ergebnisse zu erzielen, ist bei der Fertigung des Aluminiumdruckgussgehäuses hohe Präzision gefordert. Speziell der 84 Millimeter messende Durchmesser des Turbocompound-Aggregats ist engen Fertigungstoleranzen unterworfen. Zur Überprüfung dieser Toleranzen wurde ursprünglich eine Koordinatenmessmaschine verwendet. „Es war nicht nur mühsam, das fußballgroße und etwa 15 Kilogramm schwere Turbocompound-Aggregat in den Messraum zu tragen. Diese Messart bedeutete für uns auch einen großen zeitlichen und personellen Aufwand“, sagt Daniel Pechstädt, Leiter Qualitätswesen bei Mitec. Der Messraum und ein Mitarbeiter waren gebunden und jede Messung benötigte rund 30 Minuten. Zudem kam es vor, dass Unrundheiten nicht festgestellt wurden und so Teile vom Kunden reklamiert wurden. Pechstädt suchte daher nach einer Möglichkeit die Qualität der Messung und damit auch die der Turbocompound-Gehäuse zu verbessern.

Die Lösung fand er mit dem Passameter von Feinmess Suhl. Das unkompliziert zu bedienende Handmessmittel trägt nicht nur zur Verbesserung der Produktqualität bei, sondern spart auch Zeit und Manpower und entlastet den Messraum. Mit dem Passameter kann der Maschinenbediener das Aggregat direkt vor Ort überprüfen, ohne es erst in den Messraum und wieder zurücktragen zu müssen. Damit verringerte sich die für die Messung erforderliche Zeit auf einen Schlag auf heute nur noch eine Minute pro Teil. Darüber hinaus können mit dem Passameter durch Überkreuzmessungen auch Unrundheiten und damit Qualitätsprobleme schneller entdeckt werden als bisher.

Das Passameter kann an mehreren Messorten eingesetzt werden. Es kann innerhalb einer Minute im Rahmen seines Messbereichs auf einen anderen Durchmesser justiert werden und ist umgehend einsatzbereit. Darüber hinaus ersetzt ein Passameter auch andere Messmittel. So lässt es sich beispielsweise wie eine Bügelmessschraube des gleichen Messbereichs verwenden. Da ein Passameter kompakter als eine Messschraube ist, bietet es sich bei eingeschränkten Raumverhältnissen, beispielsweise im Maschinenraum, als Alternative an.

Die Messuhr des Passameters hat einen vergleichsweise großen Durchmesser und ist dadurch gut ablesbar. Zwei rote Zeiger, mit denen sich die Toleranzgrenzen einstellen lassen, vereinfachen und beschleunigen die Messung zusätzlich. „Der Prüfer muss lediglich schauen, ob sich der Zeiger der Messuhr im vorgegebenen Toleranzbereich befindet“, beschreibt Nils Blondin die Handhabung des Messmittels, die auch für Anwender mit einem weniger ruhigen Händchen geeignet ist. Denn das Gerät hat die Möglichkeit zur manuellen Referenzeinstellung. Dazu fährt der Prüfer mit dem Messzeiger in die Nähe der Null und verdreht anschließend zur Nullpunkteinstellung einfach das Zifferblatt. Eine spezielle Sicherung mit einem Gewindestift hält diesen Referenzpunkt exakt fest. Ein versehentliches Verstellen ist damit unmöglich, aber eine hochgenaue, sichere und einfache Einstellung des Nullpunkts garantiert. as

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