Identtechnik/RFID

Zentralsteuerung adé

RFID steuert Materialfluss
Während sich viele Unternehmen bei Investitionen in RFID noch zurückhalten, hat sich diese Technologie in der Intralogistik längst durchgesetzt. Das gilt vor allem bei Applikationen, in denen geschlossene Logistikkreisläufe die Wiederverwendung der teuren Chips erlauben, oder bei Anwendungen in der Automobilindustrie, die eine absolute Prozesssicherheit erfordern. Auf der Weltleitmesse für Intralogistik Cemat wird vom 11. bis 15. ­Oktober gezeigt, wie der Materialfluss dank RFID künftig auf zentrale Steuerungsinstanzen verzichten kann.

Offene Systeme, die heute Grundlage der Anwendung im Handel und der Konsumgüterindustrie sind, kommen häufig wegen der hohen Investitionen in Chips, Reader-Infrastruktur und System­integration noch nicht auf eine positive Kosten-Nutzen-Rechnung. Doch kräftige Impulse erhält RFID derzeit aus der Materialflusssteuerung. Auf der Cemat – Weltleitmesse der Intralogistik-Branche – dürfte das vom 11. bis 15. Oktober 2005 in Hannover an mehreren Stellen sichtbar werden, wie die Deutsche Messe AG als Veranstalterin prognostiziert. Denn längst geht es Experten nicht mehr nur um ein verbessertes Supply Chain Management und weniger Fehler beim Kommissionieren, Versenden oder beim Wareneingang (was beispielsweise für Metro und Walmart wichtige Vorteile dieser Technologie sind).

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Vielmehr bieten sich auf der Ebene der Steuerung des Materialflusses im Lager neue Möglichkeiten. Das betrifft nicht nur die Materialflusstechniker, auch Anbieter von Steuerungstechnik, Software oder Antrieben dürften die Entwicklung mit Interesse verfolgen. Denn wenn Daten stärker dezentral lokalisiert, also direkt an die Ware oder den Ladungsträger gebunden werden, könnten in der Folge auch die Intelligenz und Entscheidungsbefugnis dezentralisiert werden. Dann würde das System aus Transponder und Lesegerät „intelligent“: Ware oder Ladungsträger entscheiden auf ihrem Weg durchs Lager „just in time“ selbst, wo es lang geht. In der Folge könnte die zentrale Steuerungsinstanz für Lager- und Fördertechnik überflüssig werden.

Agenten handeln Aufträge aus

Ein Pilotprojekt kommt vom Dortmunder Fraunhofer-Institut für Materialfluss und Logistik (IML) und dem Siemens-Bereich Logistics and Assembly Systems (L&A), Nürnberg. Beide haben in Kooperation ein System mit autonomen Behälterfahrzeugen für automatische Lager entwickelt, den Multi-Shuttle. Jedem dieser schienengeführten Transportfahrzeuge wird im (noch zentralen) Steuerungssystem ein Softwareagent zugeordnet. Er steuert das Fahrzeug und verschafft ihm im Rahmen einer Auktion Aufträge, etwa „Eine Palette Waschmittel für Kunde X“ oder „Zehn Eimer Dispersionsfarbe vom Typ A für Kunde Y“ aus dem Lager zu holen.

Alle auszuführenden Transporte werden – mit ihrer jeweiligen Priorität – den Agenten in Form einer Tabelle zur Verfügung gestellt. „Die Agenten beginnen dann, die Aufträge untereinander auszuhandeln“, erläutert IML-Institutsleiter Prof. Dr. Michael ten Hompel, „ähnlich wie auf einem freien Taximarkt.“ Im einfachsten Fall werde das verfügbare Fahrzeug den Auftrag ausführen, das dem Lagerplatz am nächsten ist. Der Clou: Nicht eine übergeordnete Steuerungsinstanz vergibt die Aufträge, sondern die Shuttles übernehmen – vertreten über ihre Agenten – die Organisation selbst. „Schon diese einfachste aller denkbaren Strategien führt zu guten Ergebnissen“, erläutert ten Hompel, „vor allem zu einer echtzeitnahen Verbesserung, ohne dass eine überlagerte Instanz eingreift.“

Mit RFID lassen sich die Möglichkeiten erweitern. Denn die Transponder („Tags“) erlauben, deutlich mehr Informationen mit dem Fördergut selbst zu verbinden als das bislang mit dem Barcode möglich ist. Transportziel oder Lieferbedingungen beispielsweise könnten auf den Tags untergebracht werden, in der chemischen Industrie vielleicht die Eigenschaften der transportierten Chemikalien oder Informationen über die einzuhaltende Temperatur. Das würde die Arbeit der Agenten erleichtern – auch über Unternehmensgrenzen hinweg. Damit kann der Materialfluss über den innerbetrieblichen Bereich hinaus von RFID und der Agententechnologie profitieren. Zwar müssten die Agenten auf dem Weg dorthin mit noch mehr Eigenintelligenz versehen werden, berichtet Johann Löttner, Vorsitzender des Bereichsvorstandes von Siemens L & A. „Doch mit Methoden der künstlichen Intelligenz können sie in die Lage versetzt werden, ihr Verhalten der jeweiligen Situation anzupassen – und damit der Materialflusssteuerung neue Horizonte eröffnen.“ Grund genug auch für Anbieter von Steuerungen und Automatisierungstechnik, der Cemat einen Besuch abzustatten.(gm)

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