Datenerfassungstechnik

Beide haben ihren Platz

Vor- und Nachteile von RFID-Tags und Barcodes im Überblick
Beispiel eines 2C-Code-Scanners (Foto: Hand Held Products)
Bei der Wahl einer Identifikations- und Datenerfassungslösung stehen Logistik- und IT-Manager vor der Herausforderung, die unterschiedlichen Technologien am Markt richtig zu bewerten und das geeignetste System zu finden. Wer vor einer Umrüstungs-Entscheidung steht, sollte die Vor- und Nachteile beider Technologien sorgfältig abwägen.

Seinen Fortbestand verdankt der Barcode vor allem den Innovationen in der Lesetechnik. Dabei gibt es für das Auslesen zwei grundsätzlich verschiedene Verfahren: Laser und Imaging. Laser-Scanner „beschießen“ den Barcode mit ihrem Strahl. Je nachdem, ob das Licht reflektiert wird oder nicht, lässt sich eine Information auslesen. Der wichtigste Vorteil der Laser-Technologie besteht darin, dass Barcodes auch über große Distanzen gemessen werden können. Nachteil ist die beschränkte Lebensdauer: Im Inneren des Scanners arbeitet ein empfindlicher, mechanisch bewegter Spiegel, der die Reflektionen des Laserstrahls einfängt, aber leicht zerbrechlich ist. Zudem ist die Lesegeschwindigkeit wegen dieses limitierenden Faktors auf maximal 40 Scans in der Sekunde beschränkt. Außerdem haben Laser-Scanner Probleme, beschädigte oder verschmutzte Barcodes sowie 2D-Codes oder OCR (Optical Character Recognition) zu lesen.

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Imaging-Systeme dagegen basieren auf der CCD-Technologie, wie man sie von digitalen Kameras kennt. Dabei interpretiert ein Computer ein Bild des Barcodes und wandelt die Informationen um. Solche Geräte können auch Unterschriften erfassen, Fotos machen und alle Arten von Barcodes lesen. Auch beschädigte Strichcodes sind kein Problem. Schließlich sind Imager erheblich schneller als Laser-Scanner, robust und mobil ohne Probleme einsetzbar. Durch die Einführung zweidimensionaler Barcodes können bis zu 2.000 Zeichen erfasst werden, was breite Anwendungsmöglichkeiten eröffnet. Verbesserte Leseeigenschaften durch Lesefeld-Beleuchtungen und adaptive Linsen-Systeme haben auch die üblichen Probleme wie dunkle Umgebungen und weite Entfernungen auf innovative Art und Weise gelöst. Mittlerweile haben sich Imager in vielen Bereichen gegenüber den Laser-Scannern durchgesetzt. Sie werden bei Post- und Paketdiensten, in der Distribution, im Einzelhandel, bei Behörden und Energieversorgungsbetrieben eingesetzt.

RFID als Alternative?

Die „Radio Frequency Identification“ (RFID) ist eine Methode, Daten zu speichern und aus der Ferne abzufragen, indem Hilfsmittel wie RFID-Tags oder Transponder eingesetzt werden. RFID-Tags wurden in den vergangenen ein bis zwei Jahren als vollständiger Ersatz für die Etikettierung mit Barcodes gehandelt. Aber auch wenn die Tags bestimmte Teile der Logistik-Industrie revolutioniert haben, konnten sie den Barcode nicht verdrängen – und werden es wohl auch nie tun.

Die Vorläufer der RFID-Technologie dienten kurz nach dem Zweiten Weltkrieg im militärischen Bereich für die Freund-Feind-Erkennung bei Flugzeugen und setzten sich zunächst nur bei der Automobilproduktion durch. Die Weiterentwicklung der Chip-Technologie führte dazu, dass das Verfahren als Alternative zu Barcodes (wieder)entdeckt wurde. RFID-Tags enthalten kleine Antennen, so dass das Lesegerät sie über Radiowellen anpeilen und auf Anfragen reagieren kann. Dabei unterscheidet man zwischen passiven Tags, die keine eingebaute Stromversorgung benötigen und aktiven Tags, die mit einer Batterie als Energiequelle ausgestattet sind.

Der Hauptvorteil von RFID liegt darin, dass der Scanner sich nicht in unmittelbarer Nähe zum Tag befinden muss, um ihn zu lesen. Auch mehrere Produkte lassen sich gleichzeitig scannen. Moderne Tags haben einen wiederverwendbaren Speicher, der es ermöglicht, weitere Funktionen einzuführen, die einfache Barcodes nicht erbringen können. So lässt sich ein Produkt über die gesamte Wertschöpfungskette verfolgen, wobei bei jeder Station und schließlich beim Kunden entsprechende Informationen über die Einzelschritte gespeichert werden können. Ein weiteres Beispiel ist die Integration von RFID-Tags in elektronische Produktsicherungen oder die Überwachung verderblicher Produkte.

Eines der größten Hindernisse bei der Marktdurchdringung mit der RFID-Technologie sind die Kosten für die Tags. Preiswerte Exemplare gibt es für etwa 15 Cent pro Stück – für einen Barcode reichen ein Stück Papier und etwas Tinte. RFID-Tags, bei denen der Speicher gelöscht und wieder neu beschrieben werden kann und solche mit Batterien kosten mehr. Der größte kurzfristige Kostenfaktor ist die Umrüstung auf neue Lesegeräte und die Investitionen in eine angepasste Logistik-Infrastruktur.

Trotz aller Vorteile ist die RFID-Technologie noch mit einigen Tücken behaftet. So gibt es Leseschwierigkeiten bei Produkten, die Metall oder Wasser enthalten, etwa in Dosen abgefüllte Lebensmittel. Auch die Vertraulichkeit und Sicherheit von Daten bleibt ein Problem, denn nicht in allen Fällen ist es möglich, per Tag gespeicherte Daten sicher zu verschlüsseln; dazu fehlt dem Chip die Kapazität. Folglich lassen sich die Daten auch von Hackern lesen. Bedenklich bleibt, dass sie die RFID-Tags in ihrem Sinne beschreiben könnten und Betrug möglich ist.

Koexistenz

RFID wird sich den Markt mit den Barcodes teilen. Die Anwendungen der Zukunft werden in einem Mix beide Technologien und die damit verbundenen Vorteile nutzen. Das RFID-System hat seinen Endstand noch nicht erreicht und wird sich seinen Platz erobern. Insbesondere dann, wenn kein direkter Sichtkontakt zwischen Scanner und Tag möglich ist oder größere und wertvolle Ladungen als Ganzes verfolgt werden müssen, hat das elektronische Etikett seine Vorzüge. Zudem macht die Verwendung von RFID-Tags insbesondere bei wiederverwertbaren Gütern Sinn. Bei den kurzlebigen Transportelementen wird sich RFID eher nicht durchsetzen.

Barcodes überzeugen durch ihre Speicherkapazität, Flexibilität und die Möglichkeit, frühere Investitionen in die IT-Infrastruktur optimal auszuschöpfen. Neu entwickelte, hochleistungsfähige 2D-Codes, die bis zu 2.000 Zeichen speichern können, zeigen dass auch in diesem Bereich weitere Verbesserungen möglich sind. Mit diesen Spezifikationen erreichen die Barcodes die Speicherfähigkeit von RFID-Etiketten und übertreffen sie teilweise sogar. Durch die langjährigen Erfahrungen mit Barcodes haben sich einheitlichen Standards entwickelt, die einen zuverlässigen und systemübergreifenden Einsatz versprechen. Mit der sicheren Anbindung an Host-Systeme erzielen Barcodes einen weiteren Pluspunkt, weil sie so für einen reibungslosen Datenaustausch mit geringer Fehlerquote sorgen. Der Wettlauf um das beste System bleibt spannend und wird sicher noch viele Innovationen hervorbringen. Gerhard Müller / pb

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