Fördersensorik

Das Ende des Zettelkastens

Großbibliotheken automatisieren die Ausleihe
Swisslog-Telelift Leichtförderanlagen sorgen für den automatisierten Transport von Büchern in Bibliotheken.
Für die Kunden bleibt es vermutlich ein Buch mit sieben Siegeln, wie Bibliotheken ohne Zettelkästen die Flut der Titel bewältigen: Automatisiertes Handling rationalisiert in deutschen Großbibliotheken die Ausleihe. Leuze electronic stützt dies mit integrativen Sensoriklösungen.

Die Deutsche Nationalbibliothek in Leipzig stellt ihren Besuchern fast 25 Millionen Medien zur Verfügung. Nur durch automatisierte Prozesse gelingt das Handling dieser gewaltigen Menge. Zudem werden schnelle Zugriffszeiten, verkürzte Wege und kostengünstigere Abläufe gefordert – das gilt neben der Deutschen Nationalbibliothek auch für das Jacob-und-Wilhelm-Grimm-Zentrum der Humboldt Universitäts-Bibliothek Berlin („Grimm-Bibliothek“) und für die Staatsbibliothek zu Berlin.

Transportlösungen von Swisslog-Telelift tragen entscheidend dazu bei, dass in großen renommierten Bibliotheken die Auftragsabwicklung beschleunigt und das Personal von manuellen Transportaufgaben entlastet wird. Der hochgradig automatisierte Betriebsablauf, der die Nutzer von unnötigen Wartezeiten an den Be- und Entladestellen befreit, erfordert zuverlässige, hochintegrative Sensoriklösungen. Für Jörg Franke, der bei Swisslog-Telelift als Projektleiter für Leichtförderanlagen tätig ist, liegt der Vorteil klar auf der Hand: „Zurückgegebene Bücher können schneller wieder bereitgestellt werden. Das bringt einen echten Mehrwert für die Leser und ist ohne Zweifel ein Qualitätsmerkmal der Bibliothek.“

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Das im bayrischen Puchheim tätige Unternehmen Swisslog-Telelift ist ein Teil der Swisslog Gruppe und Hersteller von Förderanlagen für den betriebsinternen Transport leichter Güter und Dokumente. Neben schienengebundenen Transportsystemen fertigt dieser Hersteller auch fahrerlose Transportsysteme mit einer maximalen Zuladung von 500 Kilogramm. Im Bereich der Bibliotheken betreut das Unternehmen die gesamte Logistik von der Buchrückgabe über die Sortierung bis hin zum zielgerichteten Transport in die Magazine. Alle Swisslog-Telelift-Transportsysteme lassen sich anforderungsgerecht in die heute übliche Selbstverbuchungs-Logistik der Bibliotheken einbinden – bis hin zu den Kundenterminals, wo Medien ein- und ausgegeben werden. Jörg Franke erläutert das Leistungsportfolio: „Wir entwickeln und fertigen modulare Systeme für nahezu alle Anforderungen und bieten dem Kunden alles aus einer Hand – von der Konzeption und der Planung über den Bau bis hin zur Inbetriebnahme. Im Bereich der Sensorik arbeiten wir seit langem erfolgreich mit Leuze zusammen.“

Bei den beiden großen Berliner Bibliotheken, der Universitäts- und Staatsbibliothek, und auch bei der Deutschen Nationalbibliothek in Leipzig wurden im Zuge von Umbaumaßnahmen Lösungen realisiert, bei denen Bücher in antriebslosen Transportkisten auf Bandanlagen und in Aufzügen (Vertikalförderern) zum Bestimmungsort gelangen konnten. Bei diesen Anwendungen kam das System MultLift zum Einsatz. Es besteht im Wesentlichen aus Förderbandstrecken und Rollenbahnen für den horizontalen Transport innerhalb einer Gebäudeebene sowie aus vollautomatischen Behälteraufzügen für den Vertikaltransport zwischen einzelnen Gebäudeetagen. Als Transportmittel kommen Bücherförderbehälter mit einer maximalen Zuladung von 25 Kilogramm zum Einsatz. Das MultiLift-System arbeitet mit einer direkten Zielsteuerung. Die Arbeitsweise: Das Transportziel wird an Codeträgern, die sich direkt am Förderbehälter befinden, eingestellt. Das können entweder Schiebecodierleisten oder Drehcodierscheiben sein. Die berührungslosen Zielabfragen mit den Barcodelesegeräten BCL 34 erkennen an allen Entscheidungsstellen in der Förderstrecke die Zieleinstellung. So erreichen die Behälter ihr Ziel.

In der Berliner Grimm-Bibliothek wurden Drehcodierscheiben von Leuze electronic verwendet. Damit lassen sich die Codes schnell und einfach durch eine Drehbewegung von Hand einstellen. Im Unterschied dazu erlauben die in der Staatsbibliothek und auch die in der Deutschen Nationalbibliothek verwendeten Schiebecodierleisten eine uneingeschränkte „Nestbarkeit“. Das bedeutet, dass die Behälter waagerecht ineinander gestapelt werden können. Franke sagt hierzu: „Das spart enorm Platz, beispielsweise in der Deutschen Nationalbibliothek, wo etwa 350 Behälter zum Einsatz kommen.“ Die Barcodelesegeräte haben eine integrierte Profibus Schnittstelle. Damit werden Gateways und RS-232-Komponenten eingespart und die Kosten für das Gesamtsystem erheblich reduziert. Die BCL 34 lesen die an den Schiebecodierleisten von Hand voreingestellten Codes ein und übertragen die Daten direkt an die Steuerung, die damit das Ziel für jeden erfassten Behälter eindeutig identifizieren kann. Dabei ermöglichen die Lesegeräte eine maximale Signalübertragungsrate von zwölf Megabaud.

Distanzmessung im Aufzug

Für eine hohe Transportleistung und zur Überwindung von großen Förderhöhen zwischen den einzelnen Gebäudeetagen wird in der Staatsbibliothek Berlin ein Behälter-Umlaufaufzug im Paternosterprinzip eingesetzt. In der Grimm-Bibliothek hingegen kommt ein Linearaufzug zum Einsatz, der elf Etagen miteinander verbindet. Die MultiLift-Aufzugsysteme werden während des Transports sowohl bei der Aufwärts- als auch bei der Abwärtsfahrt vollautomatisch be- und entladen, wobei die Türen selbsttätig nach jedem Be- und Entladevorgang elektromotorisch zuverlässig schließen. Für die vertikale Bewegung der Behälter im Aufzug nutzt die Steuerung die Signale der Laser-Distanzmessgeräte AMS 200 von Leuze. Auch bei diesen Geräten werden die Signale über Profibus übertragen. Sie lassen sich aufgrund der integrierten Schnittstelle einfach und kostenoptimal Netzwerk einbinden. Die Sensoren erzielen eine absolute Genauigkeit von plus/minus zwei Millimeter auf eine Messdistanz von 120 Metern. Aufgrund der schnellen Positionsberechnung im Gerät kann die hohe Dynamik moderner Antriebstechnik optimal genutzt werden. AMS 200 Distanzmessgeräte erhöhen die Anlagensicherheit durch Vorausfallmeldungen. Mit diesen Warnsignalen informieren sie den Anwender rechtzeitig über abnehmende Laserdiodenleistungen, nicht zulässige Temperaturen oder Optikverschmutzungen. Die frühzeitige Warnung und anschließende Wartungsarbeiten sorgen für ein Plus an Zuverlässigkeit und Verfügbarkeit. bw

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