USA-Zertifizierung

UL sorgt für Sicherheit in USA

Produktzertifizierung beginnt bei der Konstruktion. Damit ein Schaltschrank zur Steuerung von Maschinen und Anlagen in Verkehr gehen kann, muss er eine ganze Reihe von Richtlinien erfüllen. Da es bisher keine global verbindliche Norm gibt, sollten Hersteller die Sicherheitsvorschriften ihres Zielmarktes kennen.

In den USA gelten andere Sicherheitsvorschrift für Schaltschränke, als in Europa. Dort wurden die Sicherheitsanforderungen im Produktstandard für industrielle Steuerungstechnik UL508A und NFPA79 niedergelegt. (Foto: UL)

Wer ein Elektroprodukt auf den Weltmarkt bringen will, hat es, was die sicherheitstechnischen Prüfungen und Zulassungen angeht, inzwischen vergleichsweise einfach – das international anerkannte CB-Schema stellt eine deutliche Erleichterung dar. Anders sieht es aus, wenn etwa komplexere Investitionsgüter weltweit zu vermarkten sind. Im Maschinen- und Anlagenbau ist die internationale Harmonisierung der Normen und Anforderungen für den Zugang zu nationalen Märkten bisher nicht allzu weit fortgeschritten. Oft müssen sich die Hersteller durch ein Dickicht individueller nationaler Bestimmungen kämpfen.

In Nordamerika gilt beispielsweise der National Electric Code als Installationsrichtlinie. Die einzelnen Produkt- und Anwendungsstandards sind detailliert beschrieben. Welche Vorschrift zum Tragen kommt, muss individuell für jeden Einzelfall beantwortet werden. In den USA sind die Sicherheitsanforderungen für Schaltschränke im Produktstandard für industrielle Steuerungstechnik UL508A und NFPA79 niedergelegt, dem Pendant der europäischen IEC/EN 61439 und IEC/EN 60204-Norm. Vergeben wird die Zertifizierung von Underwriters Laboratories (UL) der Zertifizierungsorganisation für Produktsicherheit schlechthin in den USA. UL ist ein gemeinnütziges Unternehmen und federführend bei zahlreichen Normierungsprozessen in Nordamerika: So verweist die Installationsvorschrift NFPA 70 oder auch NEC (National Electric Code) und die NFPA 79, der Electrical Standard for Industrial Machinery, mehrfach auf UL-Standards. Insgesamt erscheint das UL-Zeichen in jedem Jahr auf mehr als 21 Milliarden Produkten von mehr als 71.000 Herstellern. UL ist mit Testlaboren und Zertifizierungseinrichtungen in 104 Ländern vertreten und kooperiert eng mit anderen Zertifizierungsgesellschaften weltweit. Durch die lokale Nähe zu den UL-Experten profitieren Hersteller von einem schnellen Marktzugang und reduzierten Kosten.

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Marktzugang nur mit Listing-Prüfzeichen
Ohne das Kreisrunde „UL Mark“ ist Schaltschrankbauern der nordamerikanische Markt praktisch verschlossen. Die UL-Standards beinhalten umfassende technische Details hinsichtlich der elektrischen Produktsicherheit, Entflammbarkeit und mechanischer Gefahrenquellen. So werden Schaltschränke nach UL508A (Industrial Control Panel) zertifiziert, Energieverteiler mit Einschüben nach UL845 (Motor Control Centers), Energieverteiler nach UL891 (Switchboards) und Installationsverteiler nach UL67 (Panelboards). Für Schaltschrankbauer empfiehlt es sich deshalb, zusätzliche Prüfungsvorgaben vorab durch die Verwendung von bereits UL zertifizierten Komponenten in NFPA70-konformer Dimensionierung zu erfüllen.

Für die Feinplanung stehen Zertifizierungsspezialisten beratend zur Verfügung. (Foto: UL)

Produktzertifizierung beginnt beim Design
Für jede Zertifizierung ist entscheidend: Sicherheit beginnt bereits beim Produktdesign. Konzipiert etwa ein deutscher Hersteller eine Steuerung mit einer Leiterplatte, um dann die Produktion an einen Leiterplattenhersteller zu geben und lässt er erst dann die unabdingbare Prüfung der elektromagnetischen Verträglichkeit durchführen, ist es sehr gut möglich, dass er erfährt, dass er das Layout seiner fertig produzierten Platten wieder ändern muss. Der Grund: Hinsichtlich der geforderten Luft- und Kriechstrecken auf den Leiterplatten unterscheiden sich US-Normen für viele Produkte erheblich von europäischen Bestimmungen. Wer schon bei der Konstruktion seiner elektrotechnischen Steuerungskomponente, seiner Maschine oder Anlage sämtliche Sicherheitsanforderungen der internationalen Zielmärkte bedacht hat, wird alle nötigen Zertifizierungen bekommen, ohne dass ein kostspieliges Redesign nötig wird.

Schaltschrankbauer sollten schon im Voraus identifizieren, in welche Länder ihre Produkte exportiert werden. Nur so können nationale Abweichungen wie zum Beispiel Netzspannungen, zulässige Gerätedimensionierungen oder auch mehrsprachig verfasste Warnhinweise und Installationsanleitungen in den Produktionsprozess vorverlagert werden. UL bietet mit dem CB Zertifikat, dem Type Test Certificate, dem UL Classification Mark to IEC und dem UL EU Mark sowie mit vielfältigen Dienstleistungen umfassende Unterstützung für Hersteller von Schaltschränken. Die Unterstützung bei der Konstruktion kann prinzipiell zu jeder Phase des Entwicklungsprozesses greifen. Je nach Bedarf kann eine generelle Schulung der Konstrukteure sinnvoll sein, oder auch eine Voruntersuchung ähnlicher, bereits bestehender Baureihen, bevor ein Unternehmen an die Konstruktion einer neuen Serie geht. Auch wenn vor Ort Probleme auftreten, beispielsweise durch eine verweigerte Abnahme durch einen lokalen Inspektor, genannt AHJ (Authority having Jurisdiction), kann UL mit einer Field Evaluation helfen.

Produktion normenkonform automatisieren
Der steigende Kostendruck im Schaltschrankbau erfordert effiziente Produktionsverfahren, gleichzeitig stellen Systemintegratoren immer höhere Anforderungen an die Schaltsteuerungen. Sowohl bei Großserien als auch bei der Einzelfertigung profitieren Schaltschrankbauer von automatischen Konfektionsprozessen. Beim Übergang von der Grob- zur Feinplanung sind die Ratschläge von Zertifizierungsspezialisten äußerst wertvoll, wenn es beispielsweise um das Customizing der Litzenlängen, die Positionierung der Leitungsisolierungen oder das Crimpen der Aderendhülsen des Kabelbaums geht. Fließen die Expertenratschläge in den Produktionsprozess ein, kann die Verdrahtung am Schaltschrank meist schneller und kostengünstiger erfolgen. Den Backbone einer erfolgreichen Schaltschrank-Projektierung für den US-amerikanischen Markt bildet ein normierter Baukasten, dessen Komponenten bereits das UL-Prüfsiegel tragen. Häufig können auch Prüfungen nach UL508A und IEC/EN 61439 kombiniert werden.

Dirk Müller/bw

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