Plagiatsicherung

Immer im Auge

Kamerasysteme und Bildverarbeitung sind Grundlagen des Kampfs gegen Plagiate. Es kümmert sich doch jemand um das geistige Eigentum: Die WIPO, Weltorganisation für geistiges Eigentum, hat auch in diesem Jahr den „Welttag für geistiges Eigentum“ ausgerufen. Das war am 26. April und fand bereits – unbemerkt von der Öffentlichkeit – zum 16. Mal statt.

tashatuvango/Fotolia

Geistiges Eigentum – das ist auch Markenschutz. Zollorganisationen kämpfen seit Jahren erfolgreich gegen Plagiate an. Die Bilanz für 2015: 23.000 Zugriffe und Beschlagnahmungen in der Größenordnung von mehr als 130 Millionen Euro. Dunkelziffer: unbekannt. Plagiate sind weltweit ein Markterfolg. Daher bleibt der Ideen- und Markenklau auch weiterhin Realität – mit teilweise lebensgefährlichen Folgen. Arzneimittel gehören zu den bevorzugten Plagiaten. Das macht vor Kopfschmerztabletten nicht halt, betrifft aber oft auch hochpreisige Pharmazeutika und kann für Verbraucher letztendlich lebensgefährlich sein. Deshalb hat der Zoll 2015 die Suche nach plagiierten Pillen immens verschärft und 3,9 Millionen Tabletten sichergestellt. Das sind fast viermal mehr wie im Vorjahr. Falsifikat-Arzneimittel kommen hauptsächlich aus China, Indien und Thailand. Ende 2016 tritt deswegen eine neue europäische Fälschungsrichtlinie in Kraft, die den Vertrieb von verschreibungspflichtigen Medikamenten ohne eindeutige Kennzeichnung untersagt. Die Pharmaindustrie steht unter Druck, denn die Neuerungen erfordern durchgängige Track&Trace-Lösungen bei den Herstellern und Vertreibern von Medikamenten, um die Nachverfolgbarkeit über die gesamte Lieferkette hinweg zu gewährleisten.

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Auch hierzulande betroffen
Auch der Maschinenbau gehört seit Jahren zu den betroffenen Branchen. Laut einer VDMA-Mitgliederumfrage sind 71 Prozent der befragten Unternehmen von Produktpiraterie tangiert. Dies brachte für 2015 einen neuen Höchststand und belegt, dass die ergriffenen Maßnahmen von Bund und Europäischer Kommission nicht ausreichen. Die Volksrepublik China verweilt mit 72 Prozent unangefochten auf Platz eins der Plagiatoren, gefolgt von Nachahmungen aus dem eigenen Land, denn auch hier wird gefälscht, was der Kunde hergibt. Deutschland ist laut VDMA mit 23 Prozent beteiligt. Die Gefahr durch Hightech-Plagiate zeigt, dass der Schutz des Know-hows immer bedeutender wird. Reverse Engineering, Know-how-Abfluss und Industriespionage spielen eine große Rolle. Kunden und Zulieferer wie auch Wettbewerber können Nachahmer sein, berichten die Unternehmen. Der geschätzte Schaden durch Produktpiraterie liegt allein für den deutschen Maschinen- und Anlagenbau betrachtet bei 7,9 Milliarden Euro jährlich.

Der Schutz des Know-hows in der Maschine und der technische Schutz vor Produktpiraterie in der Wertschöpfungskette sind aber vor allem auch wichtige Voraussetzung für die Digitalisierung der Produktion. Weltweite Produktidentifikation, Rückverfolgbarkeit in der Lieferkette, Maßnahmen für eingebettete Sicherheit, Authentifikation und sichere Merkmale zum Fälschungsschutz sollen daher in der Entwicklung weiter vorangetrieben werden. Im Kampf gegen Produkt- und Markenpiraterie spielen deswegen Kennzeichnungs- und Identifizierungssysteme schon bei der Produktion zum Schutz vor Plagiaten eine zentrale Rolle. Zunehmend übernehmen hier Machine-Vision-Verfahren eine besondere Position ein. Sie fungieren – insbesondere bei Industrie-4.0-Szenarien – quasi als beobachtendes und kontrollierendes Auge der automatisierten Fertigung. Hierbei wird der Produktionsverlauf von Kamera und Bildverarbeitungssystemen aufgenommen. Mithilfe der digitalen Bildinformationen lassen sich die industriellen Fertigungsprozesse dann lückenlos überwachen, steuern und dokumentieren. Das bildet die Grundlage für einen Plagiatschutz, der eine Rückverfolgbarkeit der Produkte als Grundlage der Sicherheit betrachtet. bw

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