Auto-ID-Markt

Der Barcode braucht mehr Gehalt

TSC Auto ID-Chef Ladislav Sloup fordert die Einhaltung internationaler Standards
Ladislav Sloup, Chef bei TSC in Deutschland, erwartet einen höheren Informationsgehalt der Barcodes. Das nützt den Anwendern, setzt aber die Einhaltung internationaler Standards voraus. (Fotos: TSC)
Seit kurzem steht Ladislav Sloup als verantwortlicher Geschäftsführer an der Spitze der europäischen Niederlassung von TSC Auto ID. Das taiwanesische Unternehmen der Auto-ID-Industrie unterstützt mit Thermodruckern und einem weltweiten Netz an Systempartnern und Distributoren die Abläufe in allen Unternehmensbereichen – und damit auch die lückenlose Rückverfolgbarkeit aller Informationen durch die gesamte Prozesskette.

handling: Herr Sloup, der Gesetzgeber fordert in den meisten Branchen die eindeutige Kennzeichnung und Rückverfolgbarkeit aller Produktkomponenten vom Erzeuger über den Vertrieb bis zum Endkunden beziehungsweise Anwender. Gute Voraussetzungen für Sie.
Ladislav Sloup: Die gesetzlichen Regelungen sind in vielen Branchen, vor allem in der Lebensmittel- und Rüstungsindustrie sowie im Gesundheitswesen, mittlerweile umfassend vorhanden und auch absolut notwendig. Es existieren bereits vielfach einheitliche und global nutzbare Standards – denken Sie nur an den Barcode. Ebenfalls für alle Anforderungen des Marktes gerüstet und zukunftsfähig ist auch die Technik in Form von Druckern und Scannern beziehungsweise Imagern. Allerdings haben Unternehmen in der Praxis immer noch erhebliche Probleme bei der Umsetzung der jeweiligen Vorgaben – vor allem dann, wenn sie weltweit vernetzt sind und wichtige Informationen über alle Länder- und Unternehmensgrenzen hinweg sichergestellt sein müssen.

handling: Woran hängt’s?
Ladislav Sloup: Häufig denken die Verantwortlichen in den Unternehmen auch heute noch zu wenig oder zu spät über ihre Prozesse nach. Und selten beziehen sie ihre Geschäftspartner, Lieferanten oder Kunden in ihre Überlegungen mit ein.

handling: Welche Aspekte sollten Unternehmen denn frühzeitig im Fokus haben?
Ladislav Sloup: Wirklich wichtig ist eine Situationsanalyse, die am besten vor Ort mit den Vertriebspartnern erstellt wird, die den Markt und die Bedürfnisse ihrer Kunden kennen und die in der Lage sind, maßgeschneiderte Lösungen für sie zu erarbeiten.

handling: Welche Fragen müssen aus Ihrer Sicht bei einer solchen Analyse beantwortet werden?
Ladislav Sloup: Welche Produkte und Verpackungen müssen in welcher Form mit welchen Informationen gekennzeichnet werden? Wann und wo innerhalb der verschiedenen Abteilungen sollte sinnvollerweise etikettiert werden? Wo brauchen wir die Daten in welcher Form? Wie und mit wem müssen wir unsere Beschaffungsvorgänge und die Artikelverwaltung abstimmen? Welche IT-Struktur, welches ERP-System verwenden wir (dafür am besten)? Welcher Barcodetyp ist für uns geeignet, welchen Standard sollten alle Beteiligten der Supply Chain nutzen? Und ganz wichtig: Sind die Informationen auf den Etiketten unserer Produkte auch von unseren Abnehmern fehlerfrei auslesbar und intern nutzbar? Erst am Ende wird dann die Entscheidung für spezielle Etiketten und auch für Etikettendrucker im Haus fallen.

handling: Das Ergebnis dieser vielfältigen Überlegungen sind intelligent integrierte Auto-ID-Lösungen?
Ladislav Sloup: Die Vorteile liegen auf der Hand. Um nur ein aktuelles Beispiel herauszugreifen: Unser Systempartner, Barcodat in Dornstetten, setzt Miniscanner bereits beim Etikettendruck zur Verifizierung der in einem DataMatrix codierten Informationen ein. Damit lassen sich Fehler nicht mehr nur in nachgelagerten Identifikationsprozessen im Wareneingang, an der Rampe, bei der Kommissionierung oder im Versand erkennen, sondern gleich im Ansatz beim Druck der Barcodes vermeiden. Denn ein nicht unerheblicher Prozentsatz der verwendeten Barcodes ist in der Praxis tatsächlich fehlerhaft. Durch schlechte Lesbarkeit, nicht genutzte Standards, inkompatible Systeme und auch durch vielfach praktiziertes und mühsames Umetikettieren entstehen innerhalb der Prozesskette immer wieder erhebliche Kosten, die deutlich unterschätzt werden, aber einfach vermieden werden können.

handling: Stichwort Effizienz: Momentan sind portable Drucker stark gefragt. Bieten Sie dem Kunden geeignete Geräte in diesem Segment an?
Ladislav Sloup: Ja, wir orientieren uns bei der Entwicklung neuer Modelle ausschließlich an den Bedürfnissen des Marktes und der Kunden. Und wir verzeichnen natürlich eine starke Nachfrage in diesem Bereich – immerhin bieten sich ja durch den Einsatz portabler Drucker und Scanner zum Teil mehr als 30 Prozent Einsparungspotenzial beim einzelnen Mitarbeiter. Anfang des Jahres stellten wir unser neues Highlight vor, den mit 550 Gramm (inklusive Batterie) superleichten Alpha-3R. Mit einer maximalen Drucklänge von 2.286 Millimeter druckt er mehr als das Doppelte eines vergleichbaren Modells beim Wettbewerb. 203 dpi sorgen für gestochen scharfe Barcodes, wobei die Technik Etiketten mit einer Druckbreite von bis zu 80 Millimeter unterstützt.

handling: Wie sieht aus Ihrer Sicht die Zukunft für Industrieunternehmen mit Blick auf das Identifikationsthema aus?
Ladislav Sloup: Ich kann beobachten, dass sich überall die Bemühungen um eine eindeutige Produktkennzeichnung, die lückenlose Rückverfolgbarkeit und die Einhaltung verbindlicher Standards erheblich verstärken. Um nur einige Beispiele zu nennen: Seit 2010 verlangt das US-Verteidigungsministerium von seinen Lieferanten die eindeutige Kennzeichnung aller Produkte und Produktkomponenten, die dem Life-Cycle-Management unterworfen sind. Dieses einzigartige, IUID (Item Unique Identification) genannte Projekt, das alle Bereiche von der Fertigung über logistische Prozesse bis in die Lagerhaltung hinein betreffen und optimieren wird, kann in absehbarer Zeit richtungsweisend für alle Branchen werden. Hinzu kommt: In der Industrie fordern Kunden mittlerweile vehement von den Herstellern einen höheren Informationsgehalt der Barcodes, eine verbesserte Barcodequalität und vor allem einen elektronischen Artikelkatalog zum schnellen Datenaustausch. Damit lassen sich Bestell- sowie Beschaffungsprozesse natürlich optimieren – denn Aufwand, Zeitfaktor, Kosten und Fehler werden so im besten Falle minimiert. Dies alles kann nur gelingen, wenn wie beim guten, alten Barcode über Unternehmens- und auch Ländergrenzen hinweg einheitliche und auf ISO- beziehungsweise DIN-Normen basierende Standards konsequent genutzt werden. Das Gleiche gilt für Klassifikations- und Transaktionsstandards. Hausinterne IT-Lösungen werden bei vernetzten Unternehmen, die wettbewerbsfähig bleiben wollen, ausgedient haben – e-business, e-procurement, e-logistics sind auf dem Vormarsch. Und Unternehmen sollten sich frühzeitig auf all diese Entwicklungen einstellen. bw

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