Trends in der Greiftechnik.

3 Fragen an … Dr. Karsten Weiß

Intelligente vernetzte Greifsysteme oder Sicherheitsaspekte sind Zukunftsthemen in der Greiftechnik. Wie Weiss Robotics auf diese Trends eingestellt ist, erklärt Dr. Karsten Weiß.

Industrie 4.0, Mensch-Roboter-Kollaboration (MRK) oder die Service- und Assistenzrobotik sind auch Herausforderungen für Greifsysteme. Wie sieht die industrielle Greifer-Technik in etwa fünf Jahren aus?

Dr.-Ing. Karsten Weiß, Geschäftsführer der Weiss Robotics GmbH & Co. KG, Ludwigsburg. (Foto: Weiss Robotics)

Viele Aufgaben im Bereich der modernen Fertigung stellen die klassische pneumatische Greiftechnik vor Herausforderungen, beispielsweise das manuelle Justieren von Endschaltern beim Einfahren der Anlage oder beim Umstellen auf eine neue Produktvariante, was sich heute mit Sensorik eleganter lösen ließe. Es zeichnet sich außerdem ein Trend zu intelligenten vernetzten Greifsystemen ab, die direkt mit der Anlagensteuerung kommunizieren. Themen wie Online-Diagnose zur bedarfsgerechten Wartung, Optimierung des Greifprozesses durch eine Parametrierung „on-the-fly“ oder die Anbindung an MES zur Traceability und Qualitätssicherung sind da Beispiele. Aber auch Sicherheitsaspekte, die in der MRK und Servicerobotik wichtig sind, werden zunehmend Einzug in die Greiftechnik halten. Hier spielt auch das Thema des rein elektrischen Greifens eine wesentliche Rolle. Damit lassen sich Safety-Konzepte besser umsetzen, außerdem wünschen sich inzwischen viele Kunden einen druckluftfreien Betrieb ihrer Anlage. Der Trend der „Mechatronisierung“ in der Greiftechnik wird sich fortsetzen.

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Wie hat Weiss Robotics sein Produktportfolio darauf eingestellt?

Unsere intelligenten mechatronischen Greifmodule haben heute schon die technologischen Voraussetzungen für Industrie-4.0-Anwendungen. So sind bei Weiss Robotics Sensorik und Greifsteuerung serienmäßig im Greifmodul integriert. Über die Datenschnittstelle zur Anlagensteuerung können die Greifparameter im laufenden Betrieb geändert werden. Das ist interessant bei variantenreichen Fertigungsprozessen, die früher auf teure Greifermagazine und Werkzeugwechsler angewiesen waren. Aber auch in Standardanwendungen verbessern unsere Greifmodule durch die integrierte Sensorik mit ihrer schnellen Greifteilerkennung und kontinuierlichen Werkstücküberwachung die Prozesssicherheit und damit die Wirtschaftlichkeit beim Greifen. Dazu erfassen sie viele Prozessgrößen, für die bisher separate Sensorik notwendig war, und stellen sie der Anlagensteuerung zur Verfügung. Das ermöglicht eine bedarfsgerechte Wartung, Dokumentation zur Qualitätssicherung und Optimierung des Greifprozesses.

Die Arbeitsräume von Mensch und Roboter rücken zusammen, wie gewährleisten Sie die Sicherheit der Arbeiter? Gibt es Kooperationen mit Roboterherstellern?

Durch die Kombination unserer Produkte bieten wir flexible Lösungen zu diesem Thema an. Unser kollaborativer Greifer WSG 25-CR erfüllt mit abgerundeten Kanten und einer robusten, kraftbegrenzten Greifkinematik die aktuellen Sicherheitsanforderungen. Abhängig von der eigentlichen Applikation kann er mit unseren taktilen Sensorsystemen und Kraftmomentensensoren kombiniert werden, um leistungsfähige MRK-Lösungen umzusetzen. Besonders wichtig ist uns dabei, dass hier nicht nur Technologieträger entstehen, sondern anwendungsnahe Produkte.

Bei der Entwicklung von MRK-Systemen ist uns die Kooperation mit Roboterherstellern wichtig, denn kollaborative Systeme sind idealerweise als Ganzes zu betrachten. So haben wir beispielsweise bei der Entwicklung unserer Gripkits eng mit Universal Robots zusammengearbeitet, um eine nahtlose Integration unserer intelligenten Greifmodule in deren Roboterserie umzusetzen. Wir arbeiten aber aktuell auch an der Umsetzung unserer Gripkits für Roboter weiterer Hersteller.

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