Sackhandhabung bei der Kunststoffabfüllung mit Vakuum-Schlauchheber

Den Rücken dauerhaft entlastet

Bei der ergonomischen Gestaltung von Arbeitsplätzen und -abläufen stellt sich überall dort, wo Lasten manuell gehandhabt werden, immer wieder die selbe Frage: Welche Gewichte kann ein Mensch ohne Gefährdung seiner Gesundheit bewegen? Eine Antwort darauf findet sich in der europäischen Richtlinie über die Mindestvorschriften bezüglich der Sicherheit und des Gesundheitsschutzes bei der manuellen Handhabung von Lasten. Demnach liegt der Grenzwert für den Einsatz einer Hebehilfe bei erwachsenen Männern bei 30 Kilogramm. Die Richtlinie besagt jedoch auch, dass bestimmte Einflussfaktoren zu einer Reduktion dieses Grenzwerts führen, z. B. wenn die Last unhandlich ist oder sich in einem labilen Gleichgewicht befindet, wenn zwischen Aufnahme- und Ablagepunkt ein vertikaler Abstand zu überwinden ist oder das Ablegen der Last eine Verdrehung des Oberkörpers erfordert oder wenn die Tätigkeit häufig wiederholt wird. Handelt es sich bei dem Transportgut um Säcke, die mit Schüttgut befüllt sind, treffen gleich mehrere dieser Faktoren zu. Aus diesem Grund hat man sich bei der Polyone Th. Bergmann in Gaggenau, Compounder im Bereich technische Thermoplaste und thermoplastische Elastomere, dazu entschlossen, zur Handhabung von 25-Kilo-Säcken eine ergonomische Hilfseinrichtung einzusetzen.

Anheben, Umsetzen, Ablegen: Pro Schicht 240 Säcke

Der Vakuum-Schlauchheber JumboSprint 35 zur ergonomischen und schnellen Handhabung von Säcken bis 35 Kilogramm. (Fotos: Schmalz)

Die hergestellten Granulate werden nach dem Dosieren und Mischen in Kunststoffsäcke zu je 25 Kilogramm Gesamtgewicht abgefüllt. Die Füllanlage ist so konzipiert, dass in Ein-Mann-Stationen die leeren Säcke aufgesteckt, gefüllt und nach dem Füllvorgang durch Verschweißen geschlossen werden. Abschließend erfolgt das manuelle Umsetzen und Stapeln der gefüllten Säcke auf bereitstehende Paletten. Dabei kommt es zu einer Drehbewegung, die in Verbindung mit der variierenden Stapelhöhe und der Häufigkeit des Ablaufs ¿ die Rede ist von rund 240 Säcken pro Schicht und Station ¿ zu einer erhöhten Beanspruchung der Wirbelsäule führt. Weil an den Abfüllanlagen im Dreischichtbetrieb gearbeitet wird, sind davon pro Station drei Bedienpersonen betroffen. Nicht zuletzt deshalb machten sich die Verantwortlichen bei Polyone auf die Suche nach einer Lösung des Materialflussproblems. Auf der Fachmesse K kam Betriebsleiter Werner Ernst mit dem Vakuumtechnik-Spezialisten J. Schmalz in Kontakt und schilderte seinen Bedarf. Der Schmalz Systemberater schlug einen Vakuum-Schlauchheber der Baureihe JumboSprint vor. Nach Abklärung aller technischen Details und einer Musterphase war Werner Ernst überzeugt. Er ließ je ein komplettes Handlingsystem an den Füllanlagen installieren, bestehend aus einem Vakuum-Schlauchheber JumboSprint 35 mit Sacksauggreifer und einem Wandschwenkkran mit einer Auslegerlänge von 4.000 Millimeter. Das Gesamtsystem erlaubt eine maximale Traglast von 35 Kilogramm. Das leistungsstarke Gebläse zur Vakuum-Erzeugung evakuiert das System in Sekundenschnelle. Dadurch kann der Sack zuverlässig gegriffen werden und die Hubfunktion steht quasi sofort zur Verfügung. Beides dient einem sicheren und schnellen Arbeitsablauf. Gleichzeitig wird der Bediener vom Gewicht der Säcke entlastet und die Drehbewegung in Richtung Palette erfolgt in bequemer Arbeitshöhe.

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Befreiter Bediener

Der Arbeitsablauf gestaltet sich reibungslos und ohne Unterbrechungen. Der Bediener aktiviert den Vakuum-Erzeuger, fährt in Greifposition und setzt den Schlauchheber auf, befördert den Sack und setzt ihn zielgenau auf der Palette ab. Die Bedienung erfolgt ergonomisch über den kombinierten Bedien- und Haltebügel. Zum Absetzen der Säcke wird der Griff in die unterste Stellung gedrückt und der Schlauchheber leicht zur Seite weggeführt. Am Sauggreifer sorgt eine Dichtlippe aus Schwammgummi für perfekte Abdichtung auf dem labilen Sackmaterial. Ein Distanzblech verhindert das Einziehen der Kunststofffolie in den Sauggreifer, was im Ernstfall zum Zusammenbruch des Vakuums führen könnte. Vor Verschmutzung des Gebläses schützt ein Staubfilter. Diese Eigenschaften gewährleisten ein hohes Maß an Betriebssicherheit und Verfügbarkeit. Ein Besuch bei Polyone heute zeigt, dass die gewünschten Effekte in Bezug auf Arbeitserleichterung und Rationalisierung des Sackhandlings erreicht wurden. Die Mitarbeiter verspüren eine deutliche Entlastung, was zu einer gesteigerten Motivation und damit zu einer erhöhten Leistungsfähigkeit führt. Dabei geht das Handling nicht nur ergonomisch und rückenschonend, sondern auch schneller vonstatten. Weil das Handhaben mit Vakuum schonend ist, sind Beschädigungen der Säcke auch bei einem hohen Arbeitstempo nicht zu befürchten. Der Dauereinsatz im Dreischichtbetrieb zeugt von der Robustheit und Langlebigkeit der kompletten Handhabungseinrichtung. Acht dieser Systeme hat Polyone bereits im Einsatz. Werner Ernst ist zufrieden: "Die Vakuum-Schlauchheber Jumbo überzeugen durch Schnelligkeit und einfachste Bedienung. Deshalb planen wir auch, zwei weitere Geräte anzuschaffen". bw

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