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Interview

Produktdesign auf kurzem Wege

Marcel Pfeiffer im Interview. Die Gestaltung der Produkte hat auch im deutschen Maschinenbau in den letzten Jahren deutlich an Bedeutung gewonnen. Viele Faktoren bestimmen das Design: Sicherheit, Zuverlässigkeit und optimale Funktion stehen dem Wiedererkennungswert der Marke und der Corporate Identity gegenüber. Die Zimmer Group ist einen eigenen Weg gegangen. Produktdesign, Markenführung und Corporate Identity sind nicht ausgelagert an Agenturen, sondern werden im eigenen Haus betreut. Wir fragten Marcel Pfeiffer als Verantwortlichen nach seinen Erfahrungen mit diesem Modell.

Marcel Pfeiffer sitzt bei der Zimmer Group an der Schnittstelle von Design, Entwicklung und Marketing © Zimmer

handling: Herr Pfeiffer, was ist Ihre Rolle bei der Zimmer Group?
Ich bin verantwortlich für das gesamte Design, die Markenführung und auch für den Bereich Digital Services.

handling: Wie sehen Sie die Rolle des Designers im Bereich Automatisierung und Maschinenbau?
Ich sehe mich als Designer natürlich zwischen den Stühlen, als Vermittler zwischen verschiedenen Ansichten, als Visionär, der neue Perspektiven aufzeigt und auch als Moderator in interdisziplinären Entwicklungsteams. Ich verstehe Design nicht als oberflächliches Styling, das kurzlebigen Trends unterworfen ist, sondern als nachhaltige Gestaltung um Produkten einen eigenen Charakter und eine Botschaft zu geben.

handling: Welchen Stellenwert hat Design Ihrer Meinung nach im Maschinenbau?
Der Stellenwert des Designs im Maschinenbau ist in den letzten Jahren stetig gestiegen. Heute ist es nicht mehr ausreichend, dass eine Komponente oder Maschine perfekt funktioniert, das Produkt sollte auch die Zielgruppe ansprechen. In der Produktgestaltung ist die non-verbale Vermittlung von rationalen, technischen Werten wie Präzision, aber auch das Vermitteln von emotionalen Aspekten das zentrale Thema. Ein gut gestaltetes Produkt sorgt für eine emotionale Bindung bei der Zielgruppe und vermittelt durch seinen hohen Wiedererkennungswert die klare Markenzugehörigkeit. Der aus meiner Sicht optimale Ansatz ist die nahtlose Verzahnung zwischen Funktion, formaler Gestaltung, Marke und Kommunikation. 

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Kollaborativer Greifer HRC-03. © Zimmer Group

handling: Was sind aus Ihrer Sicht die größten Erfolgsfaktoren im Design?
Ich sehe hier vor allem drei Faktoren als essentiell an: Zum einen sollte das Produkt formal klar gestaltet sein, um eine eindeutige Botschaft zu vermitteln. Zweitens sollte sich das Produkt in die bestehende Marke perfekt einfügen und nicht versuchen diese zu dominieren. Zum dritten ist der Faktor Timing ein nicht zu vernachlässigender Erfolgsfaktor. Ein Gespür für die Akzeptanz der Zielgruppe ist heute wichtiger denn je. Ein Produkt trifft, aus meiner Sicht, den Investitionsgütermarkt perfekt, wenn es die Zielgruppe bei der Markteinführung überrascht und bis zu einem gewissen Grad auch polarisiert, und nach ein bis zwei Jahren breite Akzeptanz erreicht.

handling: In Maschinenbau und Automatisierung geht es um Effizienz. Wie passt Design dazu?
Design wirkt auf vielen unterschiedlichen Ebenen, zum Beispiel im Bereich Usability. Hier sorgt gutes und funktionales Design dafür, dass die Bedienung von Maschinen und Komponenten schnell verständlich und eindeutig ist. Design unterstützt die Bedieneffizienz der Maschine, durch klare Gliederung und ergonomische Ausgestaltung von Bedienelementen. Dies motiviert den Maschinenbediener, vermeidet Fehlbedienungen, steigert die Produktionsqualität und somit die Gesamteffizienz der Anlage.

Der Greifer GED 5000 war eine der ersten Designlösungen von Pfeiffer bei der Zimmer Group. © Zimmer Group

handling: Erinnern Sie sich noch an das erste Produkt, das Sie für Zimmer gestaltet haben?
Ich bin seit 2013 bei der Zimmer Group. Das erste Produkt war die Greiferserie GPP5000. Die ist immer noch am Markt, wenn auch mit einigen Überarbeitungen.

handling: Was hat sich seither verändert?
Die Zimmer Group ist massiv gewachsen, in den letzten fünf Jahren wurde der Umsatz verdoppelt. Unser Systemgeschäft hat uns geholfen, wichtiges Know-how im Bereich der Digitalisierung aufzubauen und einen Technologietransfer auf unsere Industrieautomatisierungskomponenten zu initiieren.

handling: In welcher Hinsicht?
Nun, wir haben bei der Entwicklung sehr stark auf Methoden wie den „Digitalen Zwilling“ gesetzt, um den Prozess zu beschleunigen. Genau das sind die Fähigkeiten, die aktuell im Komponentengeschäft von den Kunden gewünscht werden und da sind wir heute sehr gut aufgestellt. dsc

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