Zuführsysteme

„Und weiter geht’s“

IFC-Chef Andreas Schirmer über Zuführsysteme und die Vorteile optischer Kontrollen
Andreas Schirmer: Schneller Wechsel der Produkte. (Foto: Waßmann)
Die IFC Intelligent Feeding Components wurde vor zehn Jahren von Andreas Schirmer und Steffen Ley gegründet und hat sich in der Zwischenzeit als Produzent intelligenter Zuführlösungen etabliert. Die Zuführsysteme finden sich unter anderem in der Automobilzuliefer- und Automobilindustrie, der Elektro- und Elektronikindustrie, der Metall- und Kunststoffverarbeitung sowie der Medizin-, Pharma- und Kosmetikbranche.

handling: IFC wird in diesem Jahr zehn Jahre alt. Haben sich Ihre Träume und Ansprüche erfüllt?
Andreas Schirmer: Wir sind vor zehn Jahren von Null gestartet, wir hatten weder Produkte noch Kunden – aber wir hatten eine Vision und ein Ziel: flexible Zuführsysteme auf Basis standardisierter Komponenten und Module. Diese Vision gepaart mit je einem Jahrzehnt Branchen- und Produkt-Know-how hat uns am Markt in den unterschiedlichsten Bereichen sehr erfolgreich gemacht. Durch die kontinuierliche und konsequente Weiterentwicklung – die Vision immer im Hinterkopf – konnten wir unser Produktportfolio ständig ausbauen und erweitern. Unser Leistungsangebot reicht heute vom einfachen Kleinförderband über opto-elektronische Zuführeinheiten und Prüfsysteme bis hin zum roboterbasierten Zuführsystem IFC-Flexfeeder. Deswegen sind wir mit dem aktuellen Stand recht zufrieden.

handling: In welchem Umfang hat sich die Technologie in den vergangenen Jahren verändert? Machen Sie dort weiter, wo Sie angefangen haben?
Schirmer: Basis für unser Kerngeschäft ist der zu Beginn geschaffene Zuführbaukasten. Das wird auch in Zukunft so bleiben, denn damit sind wir nach wie vor unschlagbar und können einen Großteil der Zuführaufgaben lösen und realisieren. Um jedoch den Marktanforderungen noch schneller, leistungsfähiger und flexibler gerecht zu werden, haben wir unser Produktspektrum erweitert und bieten nun den IFC-Flexfeeder an. Hierbei handelt es sich um ein schlüsselfertiges Roboter-Zuführsystem für Schüttgut samt Grundgestell, Fördertechnik, Bildverarbeitung, Beleuchtung, Tripod-Roboter und Steuerung. Und auch hier ist es uns gelungen, den Gedanken Modularität und Standardisierung umzusetzen – und dies selbst in der Software.

handling: IFC ist eher ein kleines Unternehmen. Wo liegen da die Chancen in einem stark besetzten Markt?
Schirmer: Ganz einfach: In der Flexibilität, verbunden mit Zuverlässigkeit und Kompetenz.
handling: Welche Bereiche beliefern Sie?
Schirmer: Wir beliefern sowohl den Sondermaschinenbau als auch den Endkunden mit Einzelkomponenten bis hin zur anspruchsvollen Systemlösung. Je nach Aufgabenstellung wird die Lösung auf die spezifischen Wünsche und Bedürfnisse des Kunden zugeschnitten. Durch die Flexibilität und Branchenoffenheit unserer Produkte finden sich IFC Zuführsysteme in der Automobilzuliefer- und Automobilindustrie, der Elektro- und Elektronikindustrie, der Metall- und Kunststoffverarbeitung sowie der Medizin-, Pharma- und Kosmetikbranche.

handling: „Keine Frage, kamera-basierte Zuführsysteme sind der Schlüssel zur wirtschaftlichen Automatisierung“, heißt es in einer Eigendarstellung. Worin begründet sich diese Festlegung?
Schirmer: Ein wichtiges Thema sind Maschinenstillstandszeiten und Qualitätsprüfung. Hier bietet das optische System seinen großen Vorteil. Durch die berührungslose Prüfung können Klemmer und Staus im Zuführsystem weitestgehend vermieden und die Maschinenverfügbarkeit dadurch enorm gesteigert werden. Außerdem werden bei 100-prozentiger Kontrolle defekte Teile beziehungsweise Fremdteile direkt im Zuführsystem ausgeschleust. Sie erreichen erst gar nicht mehr den anschließenden Montage- oder Fertigungsprozess. Das bedeutet damit: Qualitätsprüfung inklusive. Hinzu kommt, dass sich Produktlebenszyklen immer mehr verkürzen. Zuführteile werden schon nach kurzer Laufzeit modifiziert oder ändern sich komplett. Mit einem mechanischen System bedeutet dies meist, ein komplett neuer mechanischer Aufbau – falls eine Orientierung der Teile überhaupt realisierbar ist – , was das alte System wertlos macht. Beim optischen System reicht häufig ein einfaches Einlernen der neuen Teile via Teach-In-Funktion. Und weiter geht’s.

handling: Das klingt lösbar…
Schirmer: …der wichtigste Punkt ist allerdings die Flexibilität beim Umrüsten der Systeme auf einen anderen Typ und die damit verbundenen Umrüstzeit. Hier hat in den letzten zwei bis drei Jahren ein extremer Wandel stattgefunden. Lagerbestände wurden gegen null gefahren, Losgrößen für die Bestellungen haben sich stark verringert. Niemand ist mehr bereit, vorausschauend Material abzurufen. Man lebt von der Hand in den Mund. Zulieferer sind damit gezwungen, ihre Produktion entsprechend anzupassen. Daraus folgt der Wunsch nach Umrüsten per Knopfdruck. Mit dem IFC-Flexfeeder haben wir die richtige Lösung für diesen Trend geschaffen.

handling: Ist IFC auf den Bereich der opto-elektronischen Zuführung, Sortierung und Prüfung spezialisiert, oder haben Sie weitere Eisen im Feuer?
Schirmer: Wir sehen uns als Spezialisten im Bereich Zuführen, Sortieren und Prüfen. Hier liegt unsere Kernkompetenz, und dies wird auch in Zukunft so bleiben. Für uns bedeutet das Herausforderung genug, um in diesem breiten Spektrum mit sich täglich ändernden Anforderungen und Techniken an der Spitze zu bleiben.

handling:
Geben Sie uns ein wenig Perspektive? Was dürfen wir im Jubiläumsjahr und in der näheren Zukunft erwarten?
Schirmer: Rechtzeitig zum Jubiläumsjahr haben wir unser neues Firmengebäude bezogen. Mit einem extra gestalteten Versuchslabor und einem Ausstellungsraum, in dem wir verschiedene Zuführsysteme aufgebaut haben, können wir optimal Teiletests und Machbarkeitsuntersuchungen durchführen. Der Kunde sieht anhand der originären Musterteile, wie die Lösung und der Aufbau aussehen wird und kann sich vor allem von der Funktionalität des Systems überzeugen. Hinzu kommt ein Vielfaches an Platz im Fertigungs- und Montagebereich. Dadurch können wir noch flexibler und großzügiger unsere Kunden bedienen. Als Highlight überarbeiten wir im Moment die Software und das Bedienkonzept des IFC-Flexfeeders. Noch einfacher, noch mehr Standard. Diese wird dann im zweiten Quartal 2011 verfügbar sein.

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Das Interview führte Bernd Waßmann

Der Wunsch lautet Umrüsten per Knopfdruck
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