Handhabungsgerät Posimat PB 80

Leichter Umschlag

Einfache Handhabung schwerer Formen in der Glasflaschenproduktion
Die pneumatisch arbeitende Zweibacken-Greifeinheit bewegt die Greiferfinger. (Fotos: Springfeld)
Ergonomische Handhabung und Arbeitssicherheit sind in der Glasindustrie ganz wichtig, weil schwere Teile zu handeln sind. Das Lissmac-Handhabungsgerät Posimat PB 80 bringt bei der Firma Saint-Gobain Oberland in Bad Wurzach wesentliche Erleichterung beim Umschlagen der Glasformen.

Neben dem Schutz der Augen und dem Schutz vor heißen Anlagenteilen und Produkten, die aus flüssigem Glas gefertigt werden, stand auch der Abbau schwerer, manueller Umschlagsarbeit im Fokus des Betriebsgeschehens beim Bad Wurzacher Hersteller von Glasflaschen und -behältern für den Getränke- und Lebensmittelbereich. Weil auch in der Werkstatt viele schwere Lasten umzuschlagen sind, hat sich Saint-Gobain Oberland dazu entschlossen, das Handhabungsgerät Posimat PB 80 von Lissmac zu installieren.

Von der Glasschmelze läuft das flüssige Glas zu den Produktionsmaschinen, die in insgesamt neun Linien aufgestellt sind. Sie bestehen aus zehn oder zwölf Glasform-Stationen. Von der über diese Stationen geführten, inzwischen zähflüssigen Glasschmelze werden sogenannte Tropfen in exakt vorgegebener Größe derart getrennt, dass einzelne Glastropfen präzise in die jeweils erste Stufe eines zweistufigen Glasformprozesses fallen. In dieser Vorform wird die Glasmasse vorgeformt. In der Fertigform werden die Wandungen fertig geblasen. Jede Glasformstation besteht aus zwei Formenpaaren. Nach der Ausformung der Flaschen beziehungsweise Gläser verlassen sie die Formen und werden langsam abgekühlt, so dass sie auf Förderbändern spannungsfrei über Kontroll- und Sprühstationen zur Verpackungsstrecke gelangen.

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Insgesamt betreut Saint-Gobain Oberland etwa 800 Formensätze. Die Formenwerkstatt reinigt, pflegt und repariert die in der Produktion befindlichen Formen; das ist viel Arbeit, weil die Formen in der Produktion starken Belastungen ausgesetzt sind. Beispielsweise trifft ein Tropfen mit einer Temperatur von etwa 500 Grad Celsius auf die Vorform. In der Fertigform wirkt obendrein Druckluft auf das heiße Glas, um den Flaschen und Gläsern die endgültige Form zu geben. Die strenge Qualitätskontrolle zeigt auf, dass an jeder Linie pro Schicht die Formen von etwa drei bis vier Stationen auszutauschen und durch neue beziehungsweise aufgearbeitete Formen zu ersetzen sind. Das bedeutet: In der Formenwerkstatt sind pro Schicht etwa 120 bis 150 Formen aufzuarbeiten. Die zu reinigenden oder aufzuarbeitenden Formen gelangen palettiert auf einem Transportwagen aus der Produktion in die Werkstatt. Hier sind die durchschnittlich 30 Kilogramm schweren Formen mehrfach zu handhaben – manche wiegen sogar 56 Kilogramm. Sie werden aus der Palette und in die Reinigungsanlage gelegt. Dabei sind die Halbformen zu handeln. Dann erfolgt eine Kontrolle und üblicherweise hiernach die Aufarbeitung – also Schweiß-, Schleif- und Polierarbeiten. Beim Polieren der Innenflächen müssen beide Formenhälften zusammengeschraubt sein, deshalb sind an dieser Stelle die zu handhabenden Gewichte am größten. All diese Tätigkeiten erfordern einen hohen Handhabungsaufwand. Ziel des Unternehmens war es, genau diese Arbeitsprozesse ergonomisch zu gestalten und zu erleichtern.

Die Lösung war das Handhabungsgerät Posimat PB 80 von Lissmac, das sich leicht bewegen lässt, einfach zu bedienen ist und sicher und mit der erforderlichen Schnelligkeit arbeitet. Das Gerät ist bei der Anlage von Saint-Gobain Oberland vor der Poliermaschine installiert. Es handelt sich um ein manuell geführtes Handhabungsgerät, das auf einer Standsäule montiert und mit einem Gegengewicht ausgestattet ist. Das Gegengewicht erhöht die Tragfähigkeit von 80 auf 120 Kilogramm ohne Lastaufnahmemittel. Die feste Verbindung mit dem Boden erfolgt über einen Flansch und eine Adapterplatte. Der Drehbereich um die Hauptsäule ist endlos. Die Drehbereiche der waagerechten und senkrechten Achsen lassen sich, um mögliche Kollisionen sicher auszuschließen, nach Wunsch des Anwenders beziehungsweise entsprechend der gegebenen Platzverhältnisse eingrenzen. Im konkreten Fall wurden Drehbereich um die Hauptsäule sowie Hubhöhe begrenzt. Der Posimat PB 80 bietet einen Arbeitsbereich mit einem Radius von 2.500 Millimetern. So ist es möglich, das Handhabungsgerät in einem genügend großen Abstand zum Polierautomaten zu installieren. Das macht die Anlage leicht und uneingeschränkt zugänglich: Bequem lassen sich innerhalb des Arbeitsbereichs sowohl die Palette mit den zu polierenden Formen als auch die Fertigteilpalette erreichen. Am Beginn des Polierprozesses steht die Aufnahme einer zu polierenden Form. Die Lastaufnahme erfolgt über Greifbacken, die von einer pneumatisch arbeitenden Zweibacken-Greifeinheit bewegt werden. Sie umfassen einen Greifbereich im Durchmesser von 135 bis 165 Millimeter.

Nach der Aufnahme der Form detektiert die pneumatische Waage in Sekundenschnelle das Gewicht der Form und steuert den aufzubauenden Gegendruck im Pneumatikzylinder an. Auf diese Weise befindet sich die aufgenommene Last in einem schwebeartigen Zustand. Der Bediener muss einzig für die horizontalen Bewegungen die geringen Trägheitsmomente ausgleichen. Zum bequemen Bedienen ist der Posimat PB 80 mit einer Hebe und Senkfunktion ausgerüstet; sie bietet bei Inanspruchnahme einen Unterstützungsdruck, der beim Heben oder beim Senken zusätzlich gegen die Trägheitsmomente wirkt. Die zu polierenden Formen sind mit der größeren Öffnung nach oben in die Poliermaschine einzusetzen. Deshalb müssen die aus der Palette entnommenen Formen zuvor um 180 Grad gedreht werden. Das übernimmt die pneumatische Dreheinheit des Lastaufnahmemittels. Neben der Entlastung der körperlich schweren Umschlagsarbeit erleichtert das Handhabungsgerät auch ein präzises und schonendes Positionieren der Form in der Poliermaschine. Dazu sind der Drehbereich der Hauptsäule sowie der Drehbereich des Schwenkarms mit Nachlaufhemmungen ausgerüstet, die den Trägheitsmomenten entgegenwirken.

Die Sicherheitsschaltung verhindert das Lösen der Last im Schwebezustand: Erst, wenn die Last abgesetzt ist, lässt sich der Greifer von der Last lösen. Selbst bei Ausfall der Druckluft bleiben die Greiferbacken geschlossen. Druckluft aus einem Sicherheitsspeicher versorgt das Handhabungsgerät so lange, bis die Last sicher abgesetzt ist und die Greiferbacken per Zweihandbedienung gelöst sind. Die Poliermaschine bearbeitet vier Formen parallel: Erst dann, wenn die erste Station versorgt ist, müssen die nächsten Stationen beschickt werden. Ist der Polierprozess erledigt, wird die fertig bearbeitete Form mit Hilfe des Lissmac-Handhabungsgeräts schonend aus der Maschine genommen, um 180 Grad gedreht und in die Fertigteilpalette gesetzt. Zum Schluss erfolgt noch eine Innenbeschichtung, damit sich in der Produktion das Glas leicht aus der Form lösen lässt.

Peter Springfeld/pb

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