Handhabungsgerät Posimat PB 160

Bremsen auf dem Prüfstand

Handhabungsgerät Posimat PB 160 bei der DB-Fahrzeuginstandhaltung. Mit dem Posimat PB 160 erledigt das DB-Fahrzeuginstandhaltungswerk in Fulda das ergonomische Aufarbeiten der Bremskomponenten von Schienenfahrzeugen.

Die Modulplatten sitzen tief im Bremscontainer und müssen vorsichtig herausgefädelt werden. (Foto: P. Springfeld)

Regelmäßige Wartung und gründliche Pflege des Wagenparks gehören zu den Voraussetzungen eines sicheren und reibungslosen Eisenbahnbetriebs. Aktuell gibt es 13 Werke zur Instandhaltung von Schienenfahrzeugen, eins davon ist das 1867 gegründete heutige DB-Fahrzeuginstandhaltungswerk in Fulda. Seit 2001 besitzt es die ECE-Homologation – dies ist ein überstaatliches System für die Zulassung von Fahrzeugen und Fahrzeugteilen – für den Service von Dako-Bremssteuerventilen. Mit der knapp 150-jährigen Erfahrung bei der Instandhaltung von Bremskomponenten ist dieses Werk seit 2012 Kompetenzzentrum für die Instandsetzung und Aufarbeitung von Bremskomponenten von Schienenfahrzeugen. Hier werden Aufträge sowohl von DB-internen Unternehmen als auch von privaten Schienenfahrzeugbetreibern bearbeitet. Zum weiteren Produktportfolio zählen Entwicklung, Herstellung und Instandsetzung von Bremsprüfgeräten für den weltweiten Einsatz.

Die Werkleitung legt Wert auf eine ergonomische Gestaltung der Arbeitsplätze der rund 480 Mitarbeiter. Der Instandhaltungsintervall von Bremscontainern erforderte die Einrichtung einer neuen Fertigungslinie. Hierbei war zu beachten, dass die einzelnen Module, die in jedem Bremscontainer verbaut sind, zur Instandsetzung ausgebaut werden müssen. Diese Module wiegen jeweils rund 51 Kilogramm. Das Werk suchte nach einem Handhabungsgerät, mit dem diese Teile gewichtsentlastet aus dem Bremscontainer aus- und eingebaut werden können. Für den anspruchsvollen Handhabungsprozess war das Handhabungsgerät Posimat PB 160 von Lissmac das geeignete Produkt.

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Seit zwei Jahren werden in diesem Werk zusätzlich auch Bremscontainer aus der ICE-Flotte aufgearbeitet. Je nach ICE-Baureihe sind in den Bremscontainern fünf bis sieben unterschiedliche Modulplatten mit verschiedene Einzelkomponenten eingebaut. Die Schwierigkeit, ein passendes Handhabungsgerät hierfür zu finden, lag zum einen in den geometrischen Rahmenbedingungen des Bremscontainers und auf der anderen Seite an den unterschiedlichen Gewichten sowie uneinheitlichen Greifpunkten der einzelnen Modulplatten. Diese Platten hat das Werk hinschtlich der Handhabungstechnik in vier Gewichtsgruppen eingeteilt: bis 51 Kilogramm schwere Module, bis 36 Kilogramm sowie zehn bis 20 Kilogramm schwere Module. Teile mit weniger als zehn Kilogramm werden manuell gehandhabt. Diese Gruppeneinteilung spiegelt sich im Steuerungskonzept und in der praktischen Arbeit mit dem Handhabungsgerät Posimat PB 160 wider.

Die pneumatisch arbeitenden Klemmgreifer sind seitlich versetzt angeordnet. (Foto: P. Springfeld)

Posimat PB 160 auf Kranbahnschienen
Die Ausstattung des Arbeitsbereichs zur Aufarbeitung der Bremscontainer mit dem pneumatisch arbeitenden Handhabungsgerät Posimat PB 160 begann mit der Verstärkung der 18 Meter langen Hängebahnschienen. Hier laufen Fahrwerke, die den Zweiträgerkran in der Längsrichtung bewegen. Auf dieser Kranbahn bewegt sich der Laufwagen auf einem Verfahrweg von 4.00 Millimeter. Das Handhabungsgerät ist auf dem Laufwagen hängend montiert. Pneumatische Fahrantriebe bewegen sowohl den Zweiträgerkran als auch den Laufwagen. Die Ansteuerung der Fahrantriebe erfolgt über das Bedientableau an der Lastaufnahme. Mit dem Arbeitsradius von 2.600 Millimetern erreicht das Handhabungsgerät auch alle Arbeitsbereiche außerhalb des Kranschienenbereichs. Der Posimat PB 160 hat ohne Gegengewicht eine Bruttotragfähigkeit von 160 Kilogramm; die Nettotragfähigkeit errechnet sich durch den Abzug des Gewichts vom Lastaufnahmemittel; es bleibt eine Nettotragfähigkeit von 60 Kilogramm, die ausreichend ist, um die schwerste Modulplatte zu handhaben.

Wie stets beim Heben von Lasten haben Sicherheitsanforderungen erste Priorität. Dazu gehören zuverlässig arbeitende Bremsen an sämtlichen Achsen, die Zweihandbedienung zum sicheren Ablegen der Last sowie die steuerungstechnische Verknüpfung mit der pneumatischen Waage, die der Steuerung die sichere Ablage meldet. Selbst bei Druckluftausfall kann der Werker die Last stets sicher ablegen. Dazu schließt sich das Rückschlagventil zum Druckluftanschluss, so dass eine ausreichende Menge Druckluft im Speicher verbleibt, die den Klemmgreifer bis zur sicheren Lastablage geschlossen hält. Zum Vermeiden von Kollisionen sind die Drehbereiche von der Hauptsäule (F1-Achse), des Knickarms (F2-Achse) und des Drehgelenks (F3-Achse) auf 320 Grad beschränkt.

Die Bremscontainer werden in Transportgestellen angeliefert und unterscheiden sich in Länge, Höhe, Breite und der unteren Absatzgestaltung. Die Transportgestelle sind so gebaut, dass sämtliche Container über entsprechende Adapter aufgenommen werden. Zuerst wird das Oberteil demontiert und auf das Gestell abgelegt, anschließend wird die Mutter von den Befestigungsbolzen gelöst. Dann heißt es aufpassen – hier muss der Werker entscheiden, welche Modulplatte zuerst zu lösen ist wegen des Gewichts. Es sind die passenden Greifbacken auszuwählen und in den pneumatisch arbeitenden Klemmgreifer einzufügen. Dann ist die voreingestellte Lastgruppen zu wählen.

Für die unterschiedlichen Modulplatten und Module lieferte Lissmac passende Greifbacken. Durch entsprechende Konturgestaltung kommt der Anwender hier mit nur fünf Greifpaaren aus, mit denen sich sämtliche Handhabungsaufgaben erledigen lassen. Die Greifpaare und andere Montage- und Hilfseinrichtungen lagern in einem Shuttlelager im Arbeitsbereich des Handhabungsgeräts. Nach der Entnahme werden die Modulplatten zur Demontage auf Werktische abgelegt. Dazu, aber auch für die Schwenkbewegungen beim Herausnehmen der Modulplatten aus dem Container, ist die Greifeinheit mit einer pneumatisch arbeitenden Dreheinheit ausgerüstet. Nach der Prüfung werden die Modulplatten mit dem Handhabungsgerät wieder in die Bremscontainer eingesetzt. 

Peter Springfeld/pb

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