Ingenics empfiehlt Strategie für Industrie 4.0

Die Spinne sitzt in der Roadmap

Mit der Studie „Industrie 4.0 – Eine Revolution der Arbeitsgestaltung – Wie Automatisierung und Digitalisierung unsere Produktion verändern werden“ führten die Ingenics AG und das Fraunhofer IAO vor Augen, wo und in welchem Umfang die systematische Digitalisierung die Arbeitswelten verändern wird. Aus der Befragung von Produktionsverantwortlichen in deutschen Industrieunternehmen ließen sich wichtige Anregungen für die weitere Beschäftigung mit dem Thema ableiten.

Oliver Herkommer; Ingenics: Keine Insellösungen – sondern systemische Strategie. (Foto: Ingenics)

Inzwischen führt die fortschreitende Digitalisierung zu immer deutlicher sichtbaren Veränderungen. Nachdem mehr und mehr auch Mittelständler akzeptieren, dass Industrie 4.0 kein geschlossenes Konzept ist, sondern bereits der Einstieg mit kurzfristig wirksamen Einzelmaßnahmen erhebliche Erfolge bringen kann, schreitet die intelligente Vernetzung voran. Immense Effizienzsteigerungspotenziale in allen Bereichen von Produktion, Logistik und Supply Chain wurden ausgemacht. Ihre Bearbeitung hat begonnen; es gibt aber noch Hemmnisse.

Industrie 4.0 verändert die Industrie grundsätzlich

CEO Oliver Herkommer und seine Industrie-4.0-Experten konnten seit Veröffentlichung der Studie in zahllosen Vorträgen deutlich machen, dass und wie die „Smart Factory“ (internationale Bezeichnung) die Industrie grundsätzlich verändern wird. Das Echo gibt Anlass zum Optimismus. „Das Interesse von Politik, Wirtschaft und Medien ist enorm“, sagt Oliver Herkommer, der als Professor an der Hochschule Neu-Ulm regelmäßig Gelegenheit hat, sich mit künftigen Führungskräften auseinanderzusetzen. „Ich denke, dass wir jetzt an einem Punkt angelangt sind, an dem wir die als ,Enabler‘ für die Weiterentwicklung von Fertigungssystemen wichtige Diskussion über den Begriff Industrie 4.0 hinter uns lassen sollten, viel wichtiger ist, dass sich inzwischen fast alle mittelständischen Unternehmen mit dem Thema beschäftigen.“ Bei Ingenics sieht man sich auch dadurch bestätigt, dass Unternehmen wie der Motorsägenhersteller Stihl die Studie als Benchmark nehmen, um herauszufinden, wo sie selbst in Bezug auf Industrie 4.0 stehen und eigene Maßnahmenpakete zu definieren.

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Immer mehr Industrieunternehmen geben der Digitalisierung die Hand: Industrie 4.0 ist nicht mehr aufzuhalten. (Foto: Alexandra Ignatyeva/Shutterstock)

Um Kunden und Interessenten kompetente und nachhaltige Unterstützung anbieten zu können, hat Ingenics ein neues Beratungsprodukt entwickelt, das sich in ersten Projekten bewährt hat. „Unter Einsatz unserer Strategy Roadmap bringen wir den Kunden in die Lage, zu ermitteln, welche Elemente der Industrie 4.0 für sein Unternehmen wichtig sind“, erklärt Oliver Herkommer. „Daraus leiten wir effiziente Unternehmensstrategien ab.“

Dr. Jens Nitsche, Ingenics Partner und Leiter R&D warnt allerdings vor Aktionismus. „Definitiv unsinnig wäre es, Industrie 4.0 in allen Facetten mit Gewalt in ein Unternehmen zu drücken, wenn sich der Bedarf nicht aus dem Geschäftsmodell herleiten lässt.“ Er rät Unternehmen, erst einmal auf die vor- und nachgelagerten Bereiche zu schauen und festzustellen, wo man selbst positioniert ist und welche Maßnahmen sich konkret lohnen. „Wenn ein Mittelständler Bestandteil der Wertschöpfungskette eines OEMs ist, empfehle ich, schnellstens in den Dialog darüber zu gehen, welche Punkte gemeinsam gestaltet werden können.“ Die Diskussion der Studie habe gezeigt, dass es einen riesigen Bedarf gebe, das Thema für die Anwendungsfälle in einzelnen Branchen und Betrieben zu strukturieren. Vielerorts sei man jetzt in der Findungsphase und stelle die Fragen nach Datensicherheit, Transparenzverlust und Absicherung des Geschäftsmodells.

Die Ingenics Strategy Roadmap basiert auf einem Spinnendiagramm, das die Darstellung der für die Einführung von Industrie 4.0-relevanten Methoden verschiedenste Ausprägungen und Gewichtungen ermöglicht. „Mit diesem Instrument kann jedes Unternehmen seine spezifische Position finden“, erklärt Andreas Hoberg, Partner und Director Business Unit bei der Ingenics AG. „Allerdings können sie nicht einen Hebel umlegen und auf Industrie 4.0 umstellen, sie müssen sich herantasten.“ Bosch etwa mache das mit Hilfe von Big-Data-Analysen.

Vor einem Jahr waren zwar jede Menge Projekte angedacht, aber noch fast nichts realisiert. Im Vergleich dazu kann man jetzt von einer Frühphase der Realisierung sprechen. „Dennoch wäre es übertrieben, schon vom ,Game-Changer Industrie 4.0‘ zu reden, vielmehr sehen wir immer mehr punktuelle Lösungen einzelner Probleme, die mit den Möglichkeiten angepackt werden, die Industrie 4.0 bietet“, sagt Oliver Herkommer. „Ein Hauptunterschied zu früheren Digitalisierungsoffensiven besteht darin, dass man keine isolierten Insellösungen mehr schafft, sondern von Anfang an systematisch und vernetzt denkt und handelt.“ bw

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